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letzter PSA vom

Erfahrungsberichte

       
01.09.2000 - -
Beginn der Prostata Beobachtung. Erste PSA-Messung beim Urologen. Tastbefund negativ. Nächste PSA-Messung in 2 Jahren empfohlen.

Im September 2000 beendete ich mit 63 Jahren meine hauptberufliche Tätigkeit. Fortan war ich nur noch in geringem Umfang als Berater tätig. Daneben mußte ich mich um meine pflegebedürftige Mutter kümmern. Mein Hauptinteresse verlagerte sich jedoch zunehmend zum Ausdauersport. 35 Jahre lang galt meine Leidenschaft dem Beruf. 12-Stunden-Tag, von 8 bis 8 war normal. Daneben Häusle bauen und Familie, da blieb für Sport nicht viel Zeit. Nur etwas Gesundheitssport zur Erhaltung einer minimalen Grundfitness. Radeln ins Büro und Sonntags 10 km Joggen oder Wandern mit der Familie. In den Ferien, entsprechend der Interessenslage der Kinder, Bergsteigen und Windsurfen. Jetzt, da ich das Joch der Erwerbsarbeit abgeworfen hatte, wollte ich ein zweites Leben beginnen und meinen Traum von einer späten Sportkarriere verwirklichen. Seniorengymnastik, Wandern, Tanzteee, Walking mit oder ohne Stöcken? Einfach nur plan- und ziellos herumeiern? Nein! Wenn man sich 50 Jahre mit Leidenschaft und Ehrgeiz durch Ausbildung und Beruf gekämpft hat kann man nicht so einfach auf Sparbetrieb umschalten. Ich wollte es im letzten Lebensabschnitt nocheinmal so richtig krachen lassen. Der IRONMAN Hawaii war mein Ziel.

Zur Vorbereitung auf dieses Vorhaben unterzog ich mich Mitte 1999 zum ersten Mal in meinem Leben einem gründlichen Gesundheits-Check bis hin zur Leitungsdiagnostik beim Sportmedizinischen Institut Frankfurt. Ergebnis: Gallensteine, Zyste in der Schilddrüse, diskrete Arthrose einiger Gelenke insbesondere der Knie, Hautkrebs (Das Melanom im Brustbereich wurde entfernt und hat bis heute keine weitere Nachwirkungen gezeigt.) Für das Alter gute Kondition (300 Watt auf dem Fahrrad-Ergometer). Prostata wenig vergrößert aber unverdächtig. Ich sollte mal das PSA bestimmen lassen, was ich dann ein Jahr später erst nachholte. Der Wert von 1,1 sei in Ordnung, meinte mein Hausarzt.

Der späten Sportkarriere stand nichts Wesentliches im Wege. Zum Auftakt wählte als sybolträchtiges Ereignis den Millenniummarathon in Neuseeland. Am 01.Januar 2000 um 5:00 Uhr bei Sonnenaufgang an der Datumsgrenze fiel der Startschuß zu meinem ersten Marathon. Gänsehaut, ich werde diesen Augenblick nie vergessen.

       
11.11.2003 0.06 15.02.02
Regelmäßig jährliche Gesundheits-Checks und Leistungsdiagnostik, aber die PSA-Messung wurde wegen der Konzentration auf die sportspezifischen Parameter vernachlässigt.

Die Sportkarriere entwickelte sich positiv. Pro Jahr ein Marathon und um die 5 kleinere Triathlone.
Vom Jedermann zum Ironman war mein Plan. Der Jedermann- oder Sprint-Triathlon besteht aus 0,5 km Schwimmen, 20 km Radfahren und 5 km Laufen. Über Kurz- und Mitteldistanz-Triahtlon geht dann die Entwicklung zur Langdistanz, dem sog. IRONMAN, bestehend aus 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen, alles Nonstop.

Am 13.07.2003 war es soweit. Mein erster IROMAN in Frankfurt. Auf Anhieb erster Platz in der Altersklasse M65-69 und damit Qualifikation für die Weltmeisterschaft auf Hawaii. Die Euphorie kannte keine Grenzen. Eine weitere Steigerung auf Hawaii. Es ging mir dort nur darum, ins Ziel zu kommen, den die Bedingungen sind auf Hawaii noch mal um eine Kategorie härter. Schwimmen im Pazifik bei Wellengang und Strömung, extremer Wind auf der Radstrecke durch die Lavawüste und Temperaturen bis 40 Grad beim abschließenden Marathon. Nach 14:16 Stunden war ich als 11-ter meiner Altersklasse im Ziel.

Nun war ich endgültig vom Mythos IRONMAN gefangen. Das ganze Brimborium vor dem Rennen, das Treffen der Athleten zum Schwimmtraining am Pier, die IRON-Ladies and -Gents-Reception für die über 60-jährigen, die Nationenparade, und schließlich der Renntag: Unter den Klängen von "Highway to Hell" drängen 1800 Athleten bei Sonnenaufgang zum Schwimmstart in die Brandung der Kona Bay, dann Totenstille, der Startschuß, 3600 Arme bringen den Ocean zum Kochen. Dann der Wechsel aufs Rad. Für Schlechtschwimmer wie mich erst mal eine Erholung vom Kampf gegen die Uhr im den Fluten des Pazifik. Dann aber, wenn nach 70 km Ritt durch die Lavafelder der glühend heiße Mumuku-Wind einsetzt, beginnt das Leiden. Man ist dann froh, wenn man nach 180 km mit hölzernen Beinen und schmerzendem Hinterteil auf die Laufstrecke wechseln kann. Jetzt nur noch 42,2 km in ca. 5 Stunden. Wenn auch hier nach 10 km das Leiden einsetzt, hilft nur noch der Gedanke an das große Ziel. Plötzlich gegen 18:00 Uhr wird es innerhalb von Minuten Nacht. Jetzt wird es noch schwerer, man sieht nichts und hört nichts, nur hin und wieder einen Mitbewerber den man überholt. (Beim Laufen, meiner Paradedisziplin werde ich nur selten überholt.) Man neigt mental etwas zum Durchhängen und muß sich immer wieder mit dem Gedanken an das angestrebte Ziel motivieren. Endlich, 2 km vor dem Ziel erwacht die Euphorie, wenn man aus der Ferner die Musik der Finishline Party hört und den Sprecher, der mit heißerer Stimme die eintreffenden Athleten begrüßt. Die letzten Kilometer fliegt man nur so dahin und wenn man dann unter ohrenbetäubendem Lärm der Zuschauer endlich die Ziellinie überquert und der Kommentator mit sich überschlagender Stimme "You Are An IROMMAN" brüllt, läuft es einem eiskalt über den Rücken. Das alles spukt einem noch wochenlang im Kopf herum und das ganze Leiden verklärt sich in ein anhaltendes Glücksgefühl. Wenn mich die unvermeidlichen Schicksalsschläge zu Boden zwangen, hat mir die Erinnerung an diese Augenblicke des Glücks geholfen, wieder aufzustehen.
       
01.12.2004 0.06 15.02.02
Wieder eine gelungene Sportsaison. Nach mehreren kleinen Wettkämpfen Laufen, Rad und Triathlon wieder IRONMAN Frankfurt und Hawaii.

Ein kleiner Wermutstropfen: Beim Urologen anläßlich einer Blasenentzündung. PSA innerhalb von 3 Jahren auf 1,55 gestiegen. Tastbefund negativ, Prostata nicht vergrößert.. Abwarten und weiter beobachten. Antibiotika wegen Blasenentzündung.
       
02.12.2005 0.06 15.02.02
Rückschlag beim Sport; Schwere Knieverletzung bei einem Fahrradsturz. Werde ich jemals wieder laufen können? Knie-OP, Reha, nach 4 Monaten alles wieder gut.

PSA-Bestimmung beim Hausarzt. 3,26 ist grenzwertig, es könnte sein, daß dieser rassante Anstieg durch das Fahrrad-Training verfälscht oder auf eine Entzündung der Prostata zurückzuführen sei. Tastbefund negativ. PSA Bestimmung sollte nach 3 Monaten wiederholt werden, wurde aber wahrscheinlich vergessen. Ende 2006 beim Hausarzt anläßlich der sportspezifischen Routineuntersuchung Tastbefund Prostata negativ. PSA-Bestimmung offenbar vergessen, wahrscheinlich aber unbewußt verdrängt wegen Angst vor den Konsequenzen für den Sport.

November 2006 auch wieder beim Urologen wegen der üblichen Blasenentzündung. Gegen Ende der Saison nach einer ausgedehnten Wettkampfserie ohne ausreichende Regeneration ist meist das Immunsystem etwas lädiert und die allgegenwärtigen Keime in der Blase, teilweise auch in den Bronchien und den Nebenhöhlen können ungehindert ihr Unwesen treiben. Zufällig hörte ich bei einer Fernsehsendung von einem Naturmedizinapostel, daß dagegen und gegen vieles andere Cranberrysaft helfe. Ich konnte es kaum glauben, aber seit ich täglich 2 mal 30 ml des Zaubertrankes nahm, trat nie mehr eine Blasenentzündung auf. War ich bislang immer skeptisch gegenüber den Versprechungen von Naturheilkundlern wurde ich jetzt doch etwas nachdenklich.
       
07.03.2008 4.90 07.03.08
PSA-Bestimmung beim Hausarzt anläßlich der jährlichen Routineuntersuchung. 4,9, so langsam wird’s bedenklich. Weiter PSA-Messungen 3-monatlich empfohlen. Ich stecke wieder einmal den Kopf in den Sand, da ich für 2008 einige für mich wichtige sportliche Ziele ins Auge gefaßt hatte. Erstmals in der Altersklasse 70-74 startend, war mein Ziel beim IRONMAN-Triathlon-Hawaii einen Podiumsplatz zu erreichen.

Nachdenklich stimmte mich die Kenntnis, daß einige Extrem-Triathleten meiner Altersklasse auch an Prostatakrebs erkrankt waren. Und es ist mir auch bewußt, daß Extremsport nicht gerade gesundheitsförderlich ist. Die ständige Schwächung des Immunsystems durch hartes Training und die Wettkämpfe könnte schon das Entstehen von Krebs begünstigen. Denn, so ist zu lesen, Krebszellen befinden sich in jedem Organismus, werden aber in ihrer Vermehrung durch das Immunsystem in Schach gehalten. Ich habe mich bisher immer damit herausgeredet, daß die optimale Ernährung bei Sportdiät die negativen Auswirkungen der sportlichen Extrembelastung kompensieren könnte.

Dann aber erinnerte ich mich wieder an meinen heute 80-jährigen Sportskameraden Frank Farrar, den ich 2 mal bei meinen Hawaii-Trips traf. Seine beeindruckende Lebensgeschichte kann Trost und Inspiration für viele sein.
Der ehemalige Gouverneur von South Dakota holte aus seinem Leben immer das maximale heraus. Ebenfalls an Krebs erkrankt, gaben ihm die Ärzte noch wenige Monate. Er aber entgegnete: "Das glaube ich nicht." Er unterzog sich mit 65 Jahren einer aggressiven Therapie und betrieb parallel dazu seinen Triathlon-Sport. Er besiegte den Krebs und absolvierte seither 34 Ironman Wettkämpfe. Inzwischen 80-jährig mit künstlichem Hüftgelenk und kaputten Kniegelenken bereitet er sich auf einen erneuten IRONMAN vor, getreu dem Leitspruch der amerikanischen Pioniere: "Nichts ist unmöglich".

Lieber ein paar Jahre früher sterben, als die Gelegenheit eines vielleicht letzten großen Erlebnisses zu verpassen. Tatsächlich erlebte ich 2008 den Höhepunkt meiner sportlichen Karriere. Erster AK-Platz bei der IRONMAN-Europameisterschaft, Qualifikation für die IRONMAN-Weltmeisterschaft Kona/Hawaii, Qualifikation für die XTERRA-Crosstriathlon-Weltmeisterschaft Maui/Hawaii. Hawaiian Double (Kombinationswertung IRONMAN+XTERRA) 1. Platz in der Altersklasse 70 and over, Weltrekord. Dafür lohnt es sich doch ein paar Lebensjahre zu opfern, oder? Ich schwebte auf Wolke 7.
       
09.03.2009 9.00 09.03.09
Der Absturz. PSA-Messung anläßlich der jährlichen Routineuntersuchung. Ergebnis: 9,0. Der Arzt: "Das müssen Sie aber nun ernst nehmen." Kontrolle beim Urologen: PSA=9,4, Tastbefund positiv, Biopsie 2 von 6 Stanzen positiv, Gleason 3+4 =7a. RPE empfohlen.

Ich recherchiere im Internet. DHB nach Leibowitz wäre die Alternative. Er behauptet, daß PCA in jedem Stadium eine systemische Erkrankung ist und deswegen systemisch behandelt werden sollte. Wie dem auch sei, ich möchte möglichst lange ein aktives, von Nebenwirkungen freies Leben führen, auch wenn es am Ende etwas kürzer sein sollte. Ich entschied mich für die RPE.

Der Urologe empfahl mir Dr. Kramer im KH Bad Soden, als absoluten Könner am DaVinci-Manipulator. Den Termin wollte ich auf Ende Juni legen, da ich wieder für die Anfang Juni stattfindende IRONMAN-Europameisterschaft gemeldet hatte.

Indes hatte bracht das Jahr 2009 weitere Schicksalsschläge: Ende Januar ramponierte ich mir bei einem Trainingsunfall auf Glatteis die rechte Schulter: Teilruptur von Supraspinatussehne und langer Bizepssehne. Es wurde zunächst ein konservative Behandlung mit Abwarten und Krankengymnastik begonnen. Leider ohne Erfolg, im Gegenteil, es manifestierte sich ein Zustand chronischer Schmerzen, der das Prostataproblem in den Hintergrund drängte. Dennoch zog ich mein Trainingsprogramm durch und gewann sogar meine Altersklasse beim Frankfurter Halbmarathon.

Ende März folgte ein weiterer Schlag: Wie jeden Tag schluckte ich zum Mittagessen eine 2,5 cm lange Vitaminkapsel. Sie blieb quer im Halse stecken, was normalerweise nicht weiter schlimm ist, man muß nur mit ausreichend Flüssigkeit nachspülen. Jedoch das Glas war leer und ich hatte die verhängnisvolle Idee, anstatt mir Wasser zu holen, einfach weiter zu essen. Der Speisenbrei schob das Hindernis jedoch nicht wie erwartet hinunter, sondern bildete einen Pfropfen in der Speiseröhre, der weder vor noch zurück ging. In Panik rannte ich zum Klo und begann zu würgen erst ohne Erfolg. Plötzlich die Erleichterung: Der Pfropfen kam heraus, zusammen mit einem Schwall Blutes. Sofort stellten sich starke Schmerzen ein unter weiterem Blutbrechen. Ich wollte sterben aber meine Frau brachte mich zur Notaufnahme ins KH Bad Soden. Dort große Aufregung: Diagnose Speiseröhrenriß (Boerhaave-Syndrom) Das endet meistens tödlich. Mit einer Notoperation ließen sich die Überlebenschancen geringfügig verbessern. Indes war es den Ärzten in Bad Soden unmöglich, im Umkreis von Frankfurt ein OP-Team zu finden, das sich diese Operation zutraute. Das stellte sich später als eine glückliche Fügung heraus, denn bei weiteren Untersuchungen mit CT und MRT zeigte sich, daß der Riß (Länge ca. 10cm) nicht komplett war, sondern die äußere Haut um die Speiseröhre noch dicht hielt. Zwei Tage Intensivstation, 6 Wochen Flüssige Nahrung und das Gröbste war ausgestanden. Später erfuhr ich, daß die Überlebenschance bei einer Notoperation gerade mal 20% gewesen wäre. Es dauerte noch drei Monate bis der Blutverlust von ca. 2,5 Litern wieder ausgeglichen war. Ich mußte einsehen, daß für dieses Jahr die Sportsaison gelaufen war. So konnte ich mich auch wieder voll auf das Prostataproblem konzentrieren. Wenn da nur nicht die Nachtsschmerzen von der Schulterverletzung gewesen wären, die mir den Schlaf raubten.

Auf jeden Fall wollte ich vorab schon alles tun und nichts unterlassen, was sich günstig auf das weitere Wachstum des Tumors auswirken könnte. Nach eingehenden Recherchen im Internet schienen mir folgende Nahrungsergänzungen sinnvoll:

 Rot und grün (Tomaten und Brokkli)
 Curcuma
 Grüner Tee Extrakt
 Granatapfelsaft

In Anlehnung an WIKUTO bereitete ich mir allabendlich eine leckere Suppe bestehend aus:
200 g Tomatenpasata
200 g Brokkoli
5 g Kurkuma-Pulver
2 g schwarzer Pfeffer
20 g Olivenöl
5 g Ingwer
2 Knoblauchzehen

Weiter nahm ich täglich Grüntee Extrakt in Form von Kapseln mit einem Gehalt von 500mg EGCG sowie 30 ml Granatapfelelixier von Jakobs (sauteuer).

Der Uro grinste nur wortlos als er von diesem Plan hörte.
Ich hingegen bilde mir ein, daß es was geholfen hat. Das PSA blieb von der Diagnose PCA im März 2009 bis zum OP-Termin im Juni 2009 wenig verändert und sank am Ende sogar etwas.
Dies nachdem der Wert zuvor innerhalb eines Jahres von 4,9 auf 9,0 gestiegen war. Mit dieser Zuwachsrate hätte der Wert innerhalb von 3 Monaten eigentlich um 20 % also auf 10,8 ansteigen müssen. Der gemessene Wert betrug jedoch 8,46. Alles nur Zufall oder Meßfehler mag man einwenden. Aber man kann ja auch die Sache positiv sehen und an den Erfolg glauben.

       
04.06.2009 8.46 03.06.09
Am 04.06.2009 dann die DaVinci-OP. Offenbar lief alles ohne Komplikationen. Nur nach dem Aufwachen aus der Narkose verspürte ich höllische Schmerzen, nicht im Operationgebiet, sondern in der noch nicht reparierten Schulter. Anscheinend wurde durch die Operationslage mit dem Kopf nach unten die lädiere Schulter weiter gereizt. Auch an den folgenden Tagen machte die Schulter mehr Beschwerden als der Bauch. Nur den Katheter empfand ich unangenehm, aber der wurde nach 7 Tagen entfernt und ich durfte am darauffolgenden Tag nach Hause

Leider war das Ergebnis der Pathologie schon etwas niederschmetternd: Gleason 7 (3+4) positiver Schnittrand am rechten Apex, fokal. Nachbestrahlung empfohlen.

Meine Devise: Erst mal nicht in Panik verfallen, sondern den weiteren PSA-Verlauf beobachten bevor man womöglich unnötigerweise durch die Bestrahlung Kolateralschäden anrichtet.

Da ich mich körperlich soweit fit fühlte verzichtete ich auf die obligatorische stationäre Reha-Kur und begnügte mich mit ambulantem Kontinenztraining. Nach 4 Wochen war das Gröbste ausgestanden, nur noch kleinere Probleme bei zu voller Blase und bei Streßsituationen im Sport. Nach weiteren 4 Wochen kaum noch Probleme nur gelegentlich etwas nachtröpfeln, nicht viel schlimmer als vor der OP.

Die Potenz war allerdings futsch, denn wegen der Kapselüberschreitung konnte trotz DaVinci nicht mehr nervenschonend operiert werden. Macht nichts, ich hab ja meinen Sport und brauche deswegen noch nicht einmal einen Porsche als Potenzersatz.

Nun wurde es Zeit mich endlich um die Schulterverletzung zu kümmern, denn die Schmerzen insbesondere nachts wurden immer stärker. Auch mein Training war durch die Schmerzen stark beeinträchtigt, nicht nur das Schwimmen, auch Radeln und Laufen machte zunehmend Beschwerden.

Termin für die OP: 24.09.2009 bei Dr. Ambacher in der Arcus-Sportklinik Pforzheim. Dr. Ambacher versicherte mir, daß die OP zwar kompliziert sei jedoch in 80 % der Fälle zu einem „befriedigenden“ Ergebnis führe. Die OP verlief nach Auskunft des Operateurs ausgesprochen gut. Die defekten Sehnen und sonstigen Gelenkteile konnten problemlos repariert werden. Nach einer anfänglich brutalen Reha war ich zu Weihnachten nachts und im Alltagsbetrieb nahezu schmerzfrei und ich konnte mit Zuversicht dem Wiederaufbau der Sportfähigkeit im Neuen Jahr entgegensehen.

Wenn es dann noch gelänge, den Krebs unter Kontrolle zu bekommen, könnte zumindest für das kommende Jahr – weiter wollte ich erst mal nicht denken – alles gut werden.
       
07.07.2009 0.23 07.07.09
Erste PSA-Kontrolle 4 Wochen nach der RPE. Wieder eine Enttäuschung eigentlich hätte jetzt schon die Nachweisgrenze von 0,02 erreicht sein müssen, aber der gemessene Wert lag bei 0,23 . Auch bei den weiteren Kontrollen zeigte sich bis November nur ein leichter Rückgang auf 0,21. „Es scheint doch noch etwas zurück geblieben zu sein. Man sollte nun doch mit der Radiato beginnen“, meinte der Urologe. Ich war da etwas skeptisch. Denn bei einem Rückgang des PSA von 8,5 auf 0,21 müßten eigentlich 2,5 % der Tumormasse verblieben sein. Das erschien mir unwahrscheinlich. Denn z. B. in den Arbeiten von Prof. Bonkhoff wird gesagt, daß eine einseitige fokale Ausdehnung zum Schnittrand relativ unkritisch ist und fast schon mit einem pT2a-Stadium gleichgesetzt werden kann. Die wenigen dort verbliebenen Krebszellen würden oft durch das Immunsystem eliminiert. Vielmehr vermute ich eine Fernmetastasierung im Mikrostadium, so ungern ich das auch wahr haben möchte. Dann wäre aber die Radiato unsinnig und man sollte lieber an eine sofortige Hormontherapie denken. Aber auch diesen Weg kann man kritisch sehen. Bei lokal oder systemisch fortgeschrittenem PCA empfiehlt z. B. Leibowitz eher zunächst andere Maßnahmen wie leichte Chemo und/oder seinen berühmten "Antiangiogenen Cocktail". In diesem Zusammenhang kann auch seine Aussage gesehen werden "Geraten Sie nicht gleich in Panik wenn das PSA ansteigt. Je länger Sie ohne Therapie bleiben, desto länger werden Sie leben" Einfacher für Arzt und Patient ist es freilich von einem lokalen Resttumor auszugehen, den man mit Radiato vollends wegputzen und damit eine endgültige Heilung erhoffen kann.

Ich werde erst mal weiter abwarten und weiter meine Tomaten-Brokkoli-Suppe essen. Zur Abwechslung nehme ich jetzt noch Brokklisprossen, die ich aus Keimsaat in der Sprossenbox von Kiepenkerl züchte. Die Keimsaat bestelle ich bei Internethändlern. Man muß allerdings aufpassen, denn nachdem die krebshemmende Wirkung der Brokkolisprossen bekannt wurde, waren die Keimsaaten innerhalb kurzer Zeit weltweit ausverkauft. Profitgeier sprangen sofort in die Versorgungslücke und verpackten billigen Rübensamen in Brokkolisamentüten. Manchmal nehme ich auch ersatzweise ein Brokkliextrakt z. B. Broccomax, das eine standardisierte Menge des krebswirksamen Sulforaphan enthält. Am besten preisgünstig in USA bestellen.
       
22.02.2010 0.32 22.02.10
Meine Hypothese eines eher systemischen Geschehens wurde gestützt vom frühzeitigen PSA-Wiederanstieg im Januar 2010 auf 0,25 und dann in nur weiteren 3 Wochen auf 0,32. Bedenklich erschien auch ein Abfall des Hämoglobinwertes auf 13,3, was auf einen beginnenden Prozeß im Knochenmark hindeuten könnte. Jetzt nur die Nerven behalten (Oder wieder mal den Kopf in den Sand stecken?)

Zunächst graste ich im Internet alles über alternative Behandlungen ab, was in den letzten zwei Jahren vom Nordkap bis Feuerland ins Netz gestellt wurde. Nach eingehender Filterung blieb die Ketogene Diät hängen, die u. a. durch Dr. Coy (Etwas umstritten wegen Vermarktung von Produkten über seine Firma Tavarlin) und Prof. Ulrike Kämmerer von der Universität Würzburg vertreten wird. Ich kontaktierte Prof. Kämmerer und sie bot sich an, mich bei der Durchführung des Vorhabens zu begleiten. Etwas Bedenken hatte ich schon, denn in der Sportdiät heißt die golden Regel: 60/20/20 d.h. 60 % Kohlenhydrate 20% Fett, 20% Proteine. Vor den Wettkämpfen wird sogar noch ein zusätzliches Carboloading durchgeführt mit 80% Kohlenhydraten, 10% Fett, 10% Proteine. Für die Ketogene Diät wird dieses Verhältnis radikal geändert: 10 %, eher weniger Kohlenhydrate, 20 % Proteine und 70% Fett. Weitere Recherchen im Netz haben ergeben, daß die Ketodiät durchaus eine Alternative auch im Ausdauersport darstellt. Wendet man diese Diätform im Training an, wird der Stoffwechsel auf die vermehrte Verwendung des stets im Übermaß vorhanden Fetts umgestellt zugunsten einer sparsameren Verwendung der in begrenzter Menge in den Muskeln gespeicherten Kohlenhydrate (in Form von Glycogen). Das Resultat: Eine Verbesserung der Ausdauerleistung. Also auch für mich als Ausdauersportler eine durchaus geeignete Ernährungsform. Einzelheiten findet man z. B. in der Broschüre der Uniklinik Würzburg „Ketogene Ernährung für Krebspatienten,“ in

http://www.lchf.de/krankheiten/ketogene_ernaehrung_bei_krebs.pdf

Eine neue Auflage dieser Broschüre sowie ein Rezeptbüchlein derselben Verfasser findet man gegen eine gering Gebühr bei

http://www.systemed.de/broschueren.html

Zur Anwendung der Low Carb Diät im Leistungs-Ausdauersport sei auf das Buch „Das Prinzhausen-Prinzip“ verwiesen. Dort wird ein modifiziertes, auf sportliche Höchstleistung zugeschnittenes Konzept propagiert. Denn unter ketogener Diät steht zwar für die Ausdauerleistung nahezu unbegrenzte Energie zur Verfügung aber leider nur auf einem Niveau von 70 % der persönlichen Maximalleistung. Deswegen legt man vor Wettkämpfen ein 2-tägiges Carbo Loading ein, mit einem Verhältnis KH/Proteine/Fett = 80/10/10 ein. Dieses Verhältnis behält man auch am Wettkampftag und an den zwei folgenden Tagen bei, wegen einer schnelleren Regeneration von Muskulatur und Immunsystem. Danach geht man wieder in die Ketophase. Auch während intensiver Trainingsblöcke, sollte von Ketodiät auf eine kohlenhydratreich Diät umgeschaltet werden. Ich selbst schiebe alle ca. 4 Wochen Ketodiät 4 Tage kohlenhydratbetonte Diät ein. Das soll neben den Erfordernissen von Training und Wettkampfvorbereitung auch den Vorteil bringen, daß sich der Organismus regelmäßig von evtl. schädlichen Abbauprodukten der Ketose erholen kann.

Ich verzichtete also wieder, entgegen dem Rat meines Urologen auf den Einsatz der zerstörerischen Röntgenkanone und setzte meine Hoffnung auf die sanfte Methode „Keto“. Ergänzend nahm ich noch täglich ca. 8 Gramm Omega-3 in Form von Frischfisch, Fischkonserven und/oder Lachsölkapseln und ersetzte das Granatapfelelixier wegen des zu hohen Zuckergehaltes durch täglich 4 Kapsel Granaprostan.

Die Ernährungsumstellung fiel leicht. Schon nach einer Woche vermißte ich nichts mehr aus dem alten Speisezettel. Beim Training und im Alltag hatte ich unbegrenzte Energie. Tagsüber war ich weniger müde und nachts konnte ich besser schlafen. Ich fühlte mich einfach stark und unbesiegbar. Meinen Freunden und Verwandten fiel auf, daß ich seit neustem viel besser aussehe. Wunderbar. Wenn sich jetzt noch ein positiver Effekt in Bezug auf das Tumorwachstum herausstellte, könnt ich rundum zufrieden sein.

Ich muß zugeben, ich hatte etwas Angst vor der möglichen ernüchternden Wahrheit. Den laut offizieller Lehrmeinung gibt es keinen Beweis für die Wirksamkeit von Diäten und Nahrungsergänzungen. Alternativmediziner, die über Erfolge in Einzelfällen berichten werden nicht ernst genommen. Um aber mein sportliches Hauptziel, den vierten Start beim IRONMAN Frankfurt nicht zu gefährden, verzichtete ich trotz einiger Bedenken auf die eigentlich im Mai anstehende PSA-Kontrolle. Nach dem Wettkampf erst, faßte ich den Mut, mich wieder beim Uro zu melden.
       
28.07.2010 0.34 28.07.10
Ich wagte erst gar nicht nach der Blutabnahme anzurufen, um nach dem PSA-Wert zu fragen. Das Beste hoffend und auf Schlimmste gefaßt saß ich im Sprechzimmer des Arztes und wartete auf das Urteil. Als er schließlich beruhigend den Wert 0,34 verkündete, fiel mir der sprichwörtliche Stein vom Herzen. Erleichtert bekreuzigte ich mich im Geiste mit dem linken Fuß. Das PSA war innerhalb von 5 Monaten nur unwesentlich von 0,32 auf 0,34 gestiegen, also innerhalb der Meßungenauigkeit praktisch konstant geblieben. Und das obwohl in dieser Zeit durch intesives Training und die Wettkämpfe das Immunsystem einige Schwächephasen durchlaufen mußte. Ist das nicht wunderbar? Allein der Urologe runzelte weiter die Stirn. Insgesamt sei doch eine steigende Tendenz zu erkennen. Und die Nachbestrahlung müsse weiter ein Thema bleiben.

Ich werde Sport und Keto weitermachen und nach einer PSA-Bestimmung nach Ablauf von 6 Wochen über das weitere Vorgehen entscheiden. Als weitere Entscheidungshilfe werde ich inzwischen ein Zweitgutachten des Prostata-Präparates, konventionell und zytometrisch erstellen lassen.

Zur weiteren Optimierung meiner Ernährung habe ich jetzt noch zusätzlich zu meiner allabendlichen Brokkoli-Tomatensuppe morgens und mittags eine Portion Tomatenpaste aus Tomatenpulver hinzugenommen. Denn das in der Tomate enthaltende krebswirksame Lycopin hält sich nur wenige Stunden im Körper. Zudem sollen nach neusten Forschungen getrocknete und rehydrierte Tomaten noch wirksamer das Tumorwachstum hemmen als gekochte frische Tomaten. Hier das Rezept meiner Tomatenpaste:
10 EL Tomatenpulver mit keimfreiem (abgekochtem) Wasser zu einem Brei anrühren und 30 Minuten ruhen lassen. 2 EL Kurkumapulver und 1/2 EL Pfeffer und 15 EL Olivenöl beimischen. In kleinere Marmeladengläser füllen und im Kühlschrank aufbewahren. Ich nehme dann morgens und mittags je 1 EL dieser Paste auf einer Scheibe Low Carb Brot. Lecker!

       
21.09.2010 0.48 21.09.10
Während der Wartezeit bis zur PSA-Kontrolle bestimmte wieder der Sport meinen Tagesrhyhthmus. Ich hatte zunächst noch an meinem unbefriedigenden Abschneiden bei der IRONMAN-Europameisterschaft in Frankfurt zu knabbern. Denn als notorischer Ehrgeizling hasse ich nichts mehr, als zweiter Sieger zu sein. Obwohl körperlich fit wie selten zuvor, wurde ich nur Zweiter hinter einem Konkurrenten, den ich nach der Papierform locker hätte schlagen müssen. Anscheinend war ich mental noch nicht in der Lage, das vorhandene Potential zu nutzen. Ich konnte mein Versagen nur so erklären, daß die Krankheit und die Verletzungen des zurückliegenden Jahres noch in meinem Unterbewußtsein ihr Unwesen trieben. Das sehen auch die Psychologen so. Wenn man sich als Verlierer fühlt – und wer tut das nicht als Krebskranker – hat man nicht die mentale Kraft für den Sieg. Wahrscheinlich gilt das auch für den Kampf gegen den Krebs selbst. Es wäre da schon einer Überlegung wert, ob man nicht einen Psychologen in die Behandlung mit einbeziehen sollte.

Na ja, wenigstens war ich nach dem Rennen schnell wieder regeneriert und konnte gleich wieder das Training für die Premiere des Frankfurt City Triathlon aufnehmen. Der Wettkampf dann am 4. September machte nicht wirklich Spaß. Nach 19 Grad beim Schwimmen war das Radeln im nassen Einteiler bei 12 Grad Lufttemperatur kein reines Vergnügen. Daß ich kurz vorher noch erfuhr, daß zwei meiner Altersklassen- Konkurrenten ebenfalls an PK erkrankt waren raubte mir den Rest an Motivation. Fünfter Platz in meiner Altersklasse. Wieder einmal endete ein mit hohen Erwartungen geplantes Unternehmen im Desaster.

Wenigstens bracht die jährliche Leistungsdiagnostik Anfang September bei der Sporthochschule Köln wieder einen Lichtblick. Die Ergebnisse zeigten, daß ich nach meinem Katastrophenjahr 2009 wieder das Leistungsniveau von 2008 erreicht hatte. Das Defizit liegt offensichtlich im mentalen Bereich. Also vielleicht doch ein Fall für den Psychotherapeuten?

In Sachen Krebs hatte ich gehofft, daß sich der Trend der letzten Monate bestätigen würde, aber auch hier war das Ergebnis mit PSA=0,48 niederschmetternd. Wenigstens lag der Hämoglobinwert mit 14,7 wieder im Normbereich, was meine Befürchtung einer Metastasierung im Skelett zerstreute. Die PSA-Verdopplungszeit von 3,6 Monaten brachte mich allerdings schon etwas aus dem Konzept. Hat die Extrembelastung der zurückliegenden Monate doch ihren Tribut gefordert? Jetzt verbleibt nur wieder die Hoffnung, daß sich der PSA-Verlauf wieder beruhigt, wie das schon einmal nach der vorletzten Phase der Fall war.

Nachdem ich ursprünglich als Saisonabschluß den Start beim Frankfurt Marathon im Plan hatte, überlege ich jetzt, ob es nicht besser wäre die Saison zu beenden, um die Regenerationsphase zu beginnen. Ich weis nur nicht wie ich das meinem Enkel meiner Tochter und meinem Schwiegersohn vermitteln soll, die sich schon auf einen gemeinsamen Start und die After-Race-Party mit dem Opa freuen.

Meine Vermutung, daß es sich bei meinem Krebs um ein systemisches Geschehen handele, scheint sich mit dem frühen PSA-Anstieg zu bestätigen. Dennoch meint der Urologe, er glaube eher an ein Lokalrezidiv und man solle es zunächst einmal mit Bestrahlung probieren.

Ich zog noch einmal das Prognosemodell des Memorial Sloan-Kettering Cancer Center zu Rate.

http://www.mskcc.org/applications/nomograms/prostate/index.aspx

Danach würde bei meiner Datenlage die Wahrscheinlichkeit der 6-Jahres-Progressionsfreiheit immerhin 52 % betragen. Als Zocker würde man bei einer solchen Gewinnchance schon einmal was riskieren. Schaut man sich vergleichbare Einzelfälle in MyProstate an, scheint sich diese Prognose zu bestätigen. Es gibt Fälle, da die IMRT nach RPE zu einem vollen Erfolg führte. In anderen Fällen brachte die Nachbestrahlung keinerlei Nutzen. Entscheidend ist wohl, daß man mit der Strahlenkanone auch wirklich den Tumor trifft. So hängt der Erfolg der Nachbestrahlung wesentlich davon ab, wie genau man das Zielgebiet erkundet hat und wie sorgfältig die Bestrahlung geplant wurde. Ich werde versuchen, vor der Bestrahlung mit Hilfe der Cholin-PET/CT das Zielgebiet absuchen zu lassen.

Inzwischen liegt auch das Ergebnis der DNA-Zytometrie von Prof. Biesterfeld vor. Im stärker betroffenen rechten Lappen wurde ein peritetraploides Verteilungsmuster gefunden. Nach der Literatur (Tribukait) ist in dieser Situation der Erfolg einer Hormontherapie fraglich. Eine gute Zusammenfassung dieses Themas findet man in

http://media.gek.de/downloads/broschueren/GEK-Broschuere_Prostatakrebs.pdf

Nach der Grafik Abb. 9 auf Seite 18 leben Patienten ohne HT mehr als doppelt so lang wie Patienten mit HT.

Jetzt ist auch die Diagnostische Interpretation von Prof. Böcking eingetroffen. Auch er rät zur Strahlentherapie. Von einer begleitenden Hormonbehandlung rät er dringend ab. Sie sei kontraproduktiv und bringe nur kurzfristig einen kosmetischen Effekt, der einen eventuellen Mißerfolg der Strahlentherapie kaschiere und so allenfalls der vorübergehenden Beruhigung des Patienten diene. Man verschieße damit das Pulver für den Ernstfall. Da fällt mir wieder der Satz von Leibowitz ein: "Je länger Sie (bei lokal fortgeschrittenem Krebs) ohne Hormontherapie bleiben, desto länger werden Sie leben."

Also werde ich wohl die 50:50.Chance der Strahlentherapie nutzen. Die Hoffnung erhält den Menschen. Mein Ernährungsregime mit Keto und NEM werde ich beibehalten.

Bis dann, Freunde, haltet die Ohren steif und drückt mir die Daumen. Alles wird gut.
       
21.11.2010 0.61 29.10.10
Als gewissenhafter Kassenpatient ließ ich auf Wunsch des Strahlentherapeuten nochmals sinnloserweise ein Knochenszintigramm und ein MRT des Beckenraumes machen. Erwartungsgemäß hat sich außer unnötigen Kosten für das Gesundheitswesen nichts ergeben, wenn man mal von der Unterstützung der notleidenden Ärzteschaft absieht. Auf eigenen Wunsch ließ ich zu beginn der Strahlentherapie nochmal ein Blutbild erstellen. Denn ich war etwas beuruhigt wegen eines zu niedrigen Thrombozytenwertes von 118, aus dem Blutbild bei der Leistungsdiagnostik anfang September. Leider waren die Thrombos weiter auf 113 abgefallen. Hinzu kamen jetzt noch grenzwertige Leberwerte GPT und g-GT. Der HB-Wert ist mit 15,5 normal, so daß eine Schädigung des Knochemarks eher ausgeschlossen werden kann. Aber, hatte sich der Krebs schon in die Leber verirrt? Das wäre fatal, denn die Prognose ist schlecht. Zum Glück haben wir das Internet, da finden wir immer einen Trost. Es könnte sein, daß mein hochdosiertes EGCG in form von Gtüntee-Extrakt das Übel verursacht hat. Ich setze dieses NEM probeweise ab.

Bei meinen Recherchen stieß ich auf den Hinweise, daß während der Strahlentherapie die Einnahme von Enzympräparaten von Vorteil sein könnte. Da erinnerte ich mich wieder an das alt bewährte Wobenzym, das ich früher während Phasen starker Trainingsbelastung genommen hatte, in den letzten Jahren aber wieder in Vergessenheit geraten war. Ich glaubte damals eine positive Wirkung auf das Immunsystem beobachtet zu haben. Infekte und Entzündungserscheinungen traten seltener auf und wenn, dann war ihr Verlauf ziemlich milde. Das von Max Wolf und Helene Benitez in den 40-er Jahren am Biological Research Institut der Columbia-Universität entwickelte Enzymgemische zur Behandlung von Entzündungen und degenerativen Erkrankungen wurde später von der Firma Mucos Pharma als Wobenzym N (Wolf-Benitez-Enzymgemisch) vermarktet. Viele Ärzte und Heilpraktiker schwören auf die Wirksamkeit. Leider wurde im letzten Jahr Wobenzym N vom Markt genommen und durch ein neues jedoch nach Meinung der anwendenden Mediziner weniger wirksames Produkt "Wobenzym Plus" ersetzt, bei dem u. a. die wesentliche Komponente Pankreatin fehlt. Natürlich wurde das neue Produkt ("Das aktivste Wobenzym das es je gab.") gleich zu einem höheren Preis auf den Markt gebracht. Denn die gigantische Werbekampagne mit Herrn Jauch muß ja bezahlt werden. Es gibt Alternativprodukte. Astrozym kommt der Wolf´schen Originalrezeptur am nächsten. Wesentlich billiger ist Karzym, enthält aber weniger Pankreatin.

Nun habe ich schon 12 Bestrahlungen hinter mir, bislang ohne Nebenwirkungen. Und ich frage mich noch immer, warum ich die Strahlentherapie begonnen habe, obwohl ich an einen Erfolg nicht so richtig glauben kann. Waren es die Studien und Modelle, die bei meiner Datenlage eine Heilungschance von 40 bis 60 % versprechen? Waren es mein Urologe und der DNA-Zytologe Prof. Böcking, die mir beide dringend zuraten? Warum folgte ich nicht Leibowitz und seinen Jüngern?

Ich weis es selbst nicht genau. Wahrscheinlich beruht mein Entschluß auf meiner Lust am Risiko. Es ist ein wenig so wie beim russischen Roulett mit drei Patronen in der Trommel. Na ja, der Mißerfolg wäre nicht ganz so fatal. Ein besser zutreffendes Entscheidungsmodel liefert die Pascal´sche Wette:

Blaise Pascal, der französische Mathematiker und Philosoph kam zu der Einsicht, daß der Glaube an Gott nicht nur nach Meinung der Kirche richtig, sondern auch aus Vernunftsgründen geboten sei. Er begründete dies mit einer Entscheidungsmatrix, der sog. Pascal´sen Wette.

................................ Gott existiert ................... Gott existiert nicht
Glaube an Gott ............ + ++ (ewiges Paradies) .... - (entgangene Freuden)
Glaube nicht an Gott ..... - - - (ewige Hölle) ............. + (irdische Freuden)

Im Klartext:
Man glaubt an Gott, und Gott existiert – Das ist unendlich positiv. Man gewinnt als Belohnnung das ewige Paradies.
Man glaubt an Gott, und Gott existiert nicht – Das ist ein wenig negativ, man verzichtet auf einige irdische Freuden.
Man glaubt nicht an Gott, und Gott existiert – Das ist unendlich negativ, man wird ewig in der Hölle schmoren.
Man glaubt nicht an Gott, und Gott existiert nicht – Das ist ein wenig positiv, man hatte wenigstens auf Erden seine Freude.

Im übertragenen Sinne scheint es danach vernünftig, den Halbgöttern in Weiß zu glauben. Aber vielleicht möchte ich mich auch nur vor einer eigenen Entscheidung drücken und die Verantwortung den Weißkitteln zuschieben.

Das PSA war (aus Sicht des Krebses) weiter planmäßig angestiegen. Ein Tag vor der ersten Bestrahlung auf 0,61. Die Verdopplungszeit der letzten beiden Messungen beträgt 4 Monate, gemittelt über das zurückliegende Jahr 8 Monate. Das ist gemäß S3-Richtlinie grenzwertig. Man sollte danach sicherheitshalber eher an die Hormontherapie denken, heißt es dort. Für mich ist das derzeit keine Alternative, wegen der zu erwartenden Einschränkung der Sportfähigkeit. Ich denke, daß ich mich für diese Option erst entscheiden werde, wenn Symptome auftreten oder ein explosionsartiger PSA-Anstieg beginnt und dann mit ADT hoffentlich ein Aufschub der Leiden erreicht werden kann.

Wenigsten befinden sich die Thrombos mit einem Wert von 129 wieder auf dem Weg in den grünen Bereich, wie die erste Kontrolle nach 8 Tagen Radiato zeigte. Vielleicht lag´s tatsächlich am Grünen Tee. Bei der nächsten Kontolle werde ich zusätzlich die Leberwerte mit bestimmen lassen.

Der Sport und das richtige Leben haben mich gelehrt, daß man bei riskanten Unternehmungen, um Panik zu vermeiden, unbedingt einen Plan B in der Tasche haben muß. Ich kann mir vorstellen, daß für den Fall des Scheiterns der Strahlentherapie zunächst einige milde Komponenten aus dem Antiangiogenen Cocktail AAC eine Therapieoption sein könnten. Auch über kostengünstige Amateur-Protokolle z. B. von Will de Jongh wäre nachzudenken.

http://www.prostatakrebse.de/informationen/html/the_oab.html

Wenn das PSA unvermindert anstiege, könnte Plan B nach 6 Monate bei einem Wert von ca. 2 in Kraft gesetzt werden. Deswegen werde ich mich jetzt schon darum kümmern, einen Onkologen zu finden, der gegenüber den Leibowitz´schen Therapiekonzepten aufgeschlossen erscheint. Danach wäre zu klären wie man kostengünstig an die Medikamente für den AAC kommt und wie überhaupt sich das Ganze finanzieren läßt.

„Lebbe geht weider.“ (Steppi Stepanovic, Fußballtrainer Eintracht Frankfurt) Trotz Abstiegs aus der Liga der Gesunden hatte ich mein Training planmäßig weitergeführt und mich letzte Woche doch entschlossen -Immunsystem hin oder her - zur Feier meines 10-jährigen Seniorensport-Jubiläums beim Frankfurt Marathon an den Start zu gehen. Dabei hatte ich mir vorgenommen wieder dieselbe Zeit zu schaffen wie bei meinem Marathon-Debüt im Jahr 2000. Mit 3:55:58 Stunden ist mir das auf 2 Sekunden genau gelungen. Wieder ein kleiner Lichtblick im Jammertal des Krebses.

Jetzt ist während der restlichen 5 Strahlenwochen erst mal lockeres Fitnesstraining angesagt, dann kommt das Weihnachtsfest mit vielen ungesunden Nahrungsmitteln und im Neuen Jahr sieht man weiter. Das Beste hoffen und auf´s Schlimmste gefaßt sein.

In diesen Sinne, liebe Leidensgenossen, haltet die Ohren steif und drückt mir die Daumen. Alles wird gut.
       
17.01.2011 0.74 17.01.11
17.01.2011

Gerade zwei Tage nach der ersten Bestrahlung trat in meiner SHG ein Leidensgenosse auf, der über katastrophale Spätschäden der Strahlentherapie berichtete. Jetzt, ca. 5 Jahre nach der Bestrahlung kommt es zu starken Blutungen in Blase und Enddarm. Insbesondere die Blase ist so stark geschädigt, daß jetzt deren Entfernung und Einsatz einer künstlichen Blase erwogen wird. Schweißperlen traten auf meine Stirn und es folgte eine unruhige Nacht, in der ich über einen Abbruch der gerade begonnen Radiato nachdachte.

Am nächsten Morgen sah die Welt wieder freundlicher aus, als ich mich damit tröstete, daß ich mit dem aller modernsten IMRT-Gerät „Artiste“ behandelt werde, mit dem die unerwünschte Dosis auf Blase, Darm und Knochenmark auf ein Minimum reduziert sein soll. Dabei wird auch eine gleichmäßige Verteilung der Strahlenbelastung durch eine große Zahl von Einschußstellen angestrebt. In meinem Falle wurde die Strahlenkanone in 11 Schußpositionen um meine Hüften herum bewegt. Mit der ungeraden Zahl der Haltepunkte wird erreicht, daß die Einschußstellen genau zwischen den Ausschußstellen liegen. Eine weitere Verbesserung der Zielgenauigkeit wird dadurch erreicht, daß mittels einer in „Artiste“ integrierten CT-Komponente eine regelmäßige Kontrolle der korrekten Lage der Bestrahlungsfelder erfolgt. Insgesamt soll so die unerwünschten Kolateraldosis auf 10 % der Nutzdosis reduziert werden können.

Als Musterschüler nahm ich mir auch vor, mich konsequent an die Anweisung zu halten, stets mit gefüllter Blase und entleertem Darm zur Bestrahlung zu erscheinen. Die prall gefüllte Blase liegt dann nur noch mit dem Blasenboden im Bestrahlungsfeld und sie drückt außerdem den Dünndarm aus dem Bestrahlungsfeld heraus. Durch einen möglichst trockenen Enddarm wird erreicht, daß die Darmwand weniger Strahlungsenergie absorbiert. Desweiteren nahm ich täglich meine 3 x 3 Karazym-Dragees, jeweils 3 eine Stunde vor einer Hauptmahlzeit und 3 x 30 ml Cranberrysaft, beides zur Pflege von Darm und Blase und zur Unterstützung des Immunsystems. Auch behielt ich mein normales Wintertraining mit 4 bis 6 Stunden Laufen und Krafttraining pro Woche bei. Schwimmen und Radfahren war allerdings verboten.

Desweiteren überarbeitete ich meinen Ernährungsplan mit dem folgenden Ergebnis:
Die Ketogene Diät setzte ich für Dauer der Bestrahlungen und die darauf folgenden Wochen aus.
Meine allabendliche Tomatensuppe mit Kurkuma und Brokkoli sowie Tomatenpulver-Paste mit Kurkuma, Pfeffer und Olivenöl behielt ich bei. Neben der möglichen Anti-Krebswirkung führt dieses Gericht zu einer geregelten Darmtätigkeit mit geschmeidigem Stuhlgang auf eine Stunde genau, was für eine garantierte Darmentleerung unmittelbar vor der Bestrahlungssitzung wichtig ist. Insgesamt erhöhte ich den Kurkumaanteil auf von 5 auf 15 Gramm pro Tag. Ebenso blieben 4 Stück Granaprostan und 9 Gramm Omega 3 auf dem Zettel. Neu hinzu kamen 500 mg Quercitin, 50mg Delta-Tocotrienol (eine VtaminE-Art) und 40 mg Simvastatin. Auf letzters, einen Cholesterinsenker, bin ich in neueren Veröffenlichungen gestoßen.

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/41832/Statine_verbessern_Prostatakrebsprognose.htm

Wenn man ohnehin einen zu hohes Cholesterin hat, ist es bestimmt nicht verkehrt den möglichen Doppeleffekt der Statine zu nutzen. Ich hatte auch gelesen, daß hormonunabhängige Krebszellen ihr Testosteron selbst unter Verwendung von Cholesterin synthetisieren. Bei homonrefraktärem Krebs soll mittels cholesterinsenkenden Medikamenten (Statine) eine Verlangsamung des Wachstums erzielt worden sein. Es sei aber unklar, ob der Effekt auf den niedrigeren Cholesterinspiegel selbst zurückzuführen sei oder ob der Wirkstoff die Verwertung des Cholesterins in den Tumorzellen behindere. Auch Leibowitz schlug schon 2007 in einem Artikel vor, Statine zur begleitenden Behandlung bei Pca zu nutzen. Man muß sich natürlich im klaren sein, daß der Cholesterinsenker wie auch die anderen NEMs höchstens einen Beitrag zur Verringerung der Wahrscheinlichkeit einer aggressiven Entwicklung des PCa leisten kann.

Mit diesen Überlegungen trat ich mit guter Hoffnung zur Fortführung der Radiato an.

Die letzte Bestrahlung war am 17. Dezember. Ich war etwas überrascht, denn bei den 37 geplanten Sitzungen zu je 1,8 Gray hätte erst am 23. Schluß sein müssen. Offenbar hatte man, ohne mich zu informieren, die Tagesdosis auf 2 Gray bei 33 Sitzungen erhöht. Dabei hatte ich noch mal extra vorher gefragt, ob es ein Problem gäbe, weil die letzten Sitzungen in die Vorweihnachtswoche fielen. Ich war sauer, denn es ist bekannt, daß die Langzeitschäden stark mit der Tagesdosis ansteigen.

Während der Bestrahlung und in den folgenden 5 Wochen traten keinerlei Nebenwirkungen auf. Jetzt bleibt nur zu hoffen, daß auch die Langzeitfolgen der Kolateralschäden ausbleiben und daß bei dem 7-wöchigen Trommelfeuer auch einige Krebszellen getroffen wurden. Dementsprechend spannend war die Wartezeit bis zur nächsten PSA-Messung. Zunächst aber vertagte ich die Stunde der Wahrheit ins Neue Jahr. Einmal wollte ich mir mit einem möglichen negativen Ergebnis nicht die Feiertage versauen, zum anderen erlitt meine Frau drei Tage vor Heiligabend bei einem Glatteissturz eine Oberarmfraktur und benötige über die Feiertage meine Hilfe. Da wollte ich die Situation nicht auch noch mit meinem Problem belasten. Auch mußte ich meinen geliebten Silvesterlauf, bei dem ich bisher regelmäßig meine Altersklasse gewann, ausfallen lassen. Denn bei Schnee und Eis ist das Sturzrisiko nicht zu vernachlässigen und zwei Invaliden in der Familie wären einer zu viel, meinte meine Frau. Das war schade, denn nach Feiertagsstreß und Völlerei diente der Silvesterlauf immer auch der Reinigung der Seele und damit dem unbeschwerten Start ins Neue Jahr.

Für den 17. Januar erst meldete ich mich zur Blutentnahme an um dann eine Woche später in der Sprechstunde das Ergebnis zu erfahren: PSA=0,74 nach 0,61 kurz vor Beginn der Bestrahlung. Ich war enttäuscht aber doch auch etwas erleichtert, denn ich hatte Schlimmeres erwartet. Nun begann das Rätselraten, wie das wohl zu interpretieren sei. Denn eigentlich hätte man im Falle eines reinen Lokalrezidivs einen Rückgang des PSA nach Abschluß der Strahlentherapie erwarten müssen. Positiv ist auf jeden Fall, daß sich die PSA-VZ von zuletzt 3 Monaten auf 9 Monate erhöht hat. Drei Erklärungen sind möglich.

1. Der Krebs hatte einen lokalen und einen metastatischen Anteil. Der lokale Anteil wurde durch den Strahlenbeschuß eliminiert und der metatatische Anteil ist mit der alten Geschwindigkeit weitergewachsen. Das wäre fatal.
2. Es gab keinen lokalen Anteil. Die längere Verdopplungszeit hat andere Ursachen, z. B. Ernährung, NEMs und Lebensumstände. die Bestrahlung war also für die Katz. Es bestünde dann aber wenigstens die Hoffnung, das die reduzierte Wachstumsgeschwindigkeit noch eine Zeit lang anhält.
3. Es handelte sich tatsächlich um ein reines Lokalrezidiv, aber es dauert noch eine Weile, bis sich der Erfolg der Bestrahlung durch ein Absinken des PSA bemerkbar macht. Der Urologe bestärkte mich in dieser Hoffnung, aber mir scheint diese Möglichkeit eher unwahrscheinlich.

Da ich mich nicht durch engmaschige Kontrollen belasten möchte, ist die nächste PSA-Messung in 3 Monaten geplant. Ich bin gespannt. Solange ein Wert von ca. 3 nicht überschritten wird, besteht für mich kein Handlungsbedarf.

Schon Aristoteles (384-322 v. Chr.) wußte: "Es ist wahrscheinlich, daß das Unwahrscheinliche geschieht." Dies erkannte er nicht anhand von Berechnungen, sondern schlicht und unergreifend aufgrund seiner Lebenserfahrung. Denn wenn man nur lange genug wartet oder genügend viele Versuche macht, wird man sehen, daß auch Unwahrscheinliches eintrifft. Darauf beruht der Glaube an Wunder und an das Glück im Spiel.

Aus dem Lehrsatz des Aristoteles folgt aber auch, daß man Zufällen, die zu Fehlern oder gar Katastrophen führen, begegnen kann, indem man immer möglichst viele Handlungsoptionen bereit hält, um wenn erforderlich, auf alternative Wege ausweichen zu können.

Man probiert erst mal die OP, dann eine Strahlentherapie, verschiedene Alternative Therapien, eventuell noch einige Diäten und NEMs. Alles ohne wirklichen Erfolg. Am Ende landet man bei der Hormontherapie. Sie ist ein echter Hammer, mit dem man scheinbar auch die hartnäckigsten Zufälle der Krebsentwicklung totschlagen kann. Das PSA geht in den allermeisten Fällen in kurzer Zeit auf Null. Aber leider wird es fast immer irgend wann wieder ansteigen und damit die Hoffnung auf eine endgültige Heilung zunichte machen. Man kann es drehen und wenden wie man will. Es bleibt dabei: „Es ist wahrscheinlich (aber eben nicht sicher), daß das Unwahrscheinliche, nämlich die endgültige Heilung, geschieht.“

So bleibt eben nur die Hoffnung, daß man die einzelnen Therapieschritte möglichst lange hinauszögern kann, um so bis zum unwiderruflichen Ende eine akzeptable Lebensqualität zu behalten. Ich wäre schon zufrieden, wenn es mir gelänge, den Einstieg in eine aggressive Therapie noch 2 Jahre hinausschieben zu können. Dann könnte ich mir meinen letzten Wunsch erfüllen, nämlich in der Altersklasse 75 noch einmal auf Hawaii an den Start zu gehen, wie immer unter den Klängen von AC-DC „Highway to Hell“.

Euch, liebe Leidensgenossen, wünsche ich nachträglich noch ein gutes oder zumindest erträgliches Jahr 2011 und ein glückliches Händchen bei der Wahl Eurer Therapiemaßnahmen.

       
04.04.2011 0.49 04.04.11
Frühling! Da zerrt der Mann seinen Fesseln, dank noch vorhandenem oder wieder erlangtem Testosteron. In einem Anfall von Euphorie aktualisierte ich am 1. März meine Trainings- und Wettkampfplanung für die kommende Saison, ohne die vierteljährliche PSA-Messung abzuwarten. Wieder einmal forderte ich das Schicksal heraus und habe mich zum Saisonhöhepunkt für die Deutsche Meisterschaft über die IRONMAN-Distanz (3,8 km Schwimmen, 180 km Radeln, 42,2 km Laufen) gemeldet. Danach noch, um die verbliebene Substanz vollends aufzubrauchen, die Europameisterschaft im Extrem-Berglauf über 21 km mit 2200 m Höhendifferenz. Dieser Lauf findet im Rahmen des Inferno-Triathlon mit Start in Stechelberg (Schweiz, beim Thuner See) und Ziel auf dem Schilthorngipfel (bekannt als Piz Gloria im James-Bond-Film) statt.

Jetzt will ich es genau wissen. Regt die körperliche Extrembelastung wie oft vermutet die Krebsentwicklung an oder trägt sie eher zur Verlangsamung des Tumorwachstums bei? Im vergangenen Jahr stellte ich nämlich am Ende einer intensiven Sportsaison eine erstaunliche Verlängerung der PSA-Verdopplungszeit fest. Allerdings war nicht klar, worauf der Effekt zurück zu führen war. Denn ich war in dieser Zeit auch unter Ketogener Diät. Und nach Saisonabschluß beschleunigte sich mit Beginn der Regenerationsphase die PSA-VZ wieder, trotz Ketogener Diät, auf den bedenklichen Wert von 4 Monaten.

Bestärkt werde ich in meiner Hoffnung auf eine positive Wirkung intensiven Sports von neueren Veröffentlichung, wonach sporttreibende Prostatapatienten eine wesentlich längere Lebenserwartung haben sollen als Couch Potatos. Und mehr noch, vieles deutet darauf hin, daß der positive Effekt mit Intensität und Umfang des Trainings zunimmt. Das scheint mir logisch, denn auch bei medikamentösen Therapien werden für einen bestmöglichen Erfolg die Mittel in einer Dosierung eingesetzt, die der Körper gerade noch verkraften kann. Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Nur so ein bißchen herumkleckern bringt nichts. Gilt das auch für den Sport?

Als Ausgangspunkt für weitere Recherchen zum Thema Sport und PCa möge ein Artikel im Ärzteblatt

http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=44168

dienen. Auch im BPS-Forum wurde seit Anfang des Jahres das Thema wieder aufgegriffen u. a. bei

http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?5845-quot-Sport-und-Krebs-quot-.-Mögliche-neue-Rubrik-im-Forum/page3&highlight=Sport

und

http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?6250-Expertin-Sport-sollte-Bestandteil-jeder-Tumortherapie-sein&highlight=Sport

Im letzteren habe ich dazu auch meine bescheide Meinung kundgetan.

Ich war wild entschlossen meinen Plan durchzuziehen, egal was mir die PSA-Bestimmung Anfang April bescheren sollte. Indes ergab sich ein erstaunliches Ergebnis: Der Wert war innerhalb der letzten 3 Monate von 0,74 auf 0,49 gefallen. Meßfehler schließe ich aus, da ich das Ergebnis durch eine Kontrollmessung im Abstand von 2 Wochen verifizierte.

Wie konnte das geschehen? Hat die nunmehr 4 Monate zurückliegende Strahlentherapie doch noch einen verspätete Wirkung gebracht? Handelte es sich bei dem zunächst nach der Bestrahlung beobachtetem PSA-Anstieg um eine Art „PSA-Bounce“? Eigentlich sollte dieser Effekt nur nach Strahlentherapie als Ersttherapie auftreten, nicht aber bei Bestrahlung nach RPE. Hat etwa meine weitere Optimierung von Ernährung und NEMs das Wunder bewirkt? Oder war es die Steigerung des Trainingsumfangs seit Januar von durchschnittlich 4 Stunden pro Woche (Regenerationsniveau) auf 12 Stunden pro Woche (Vorsaisonniveau)? Ist mir jetzt scheißegal, ich bin total happy, daß nun eine unbeschwerte Phase von 3 Monaten reiner Lebensfreude bis zur nächsten PSA-Bestimmung vor mir liegt, wo ich es wieder so richtig krachen lassen werde. Dabei bin ich mir schon darüber im Klaren, daß eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. Vielleicht kommt nach Wolke Sieben im Herbst doch wieder die Ernüchterung. Aber dann sieht man weiter. Ich werde auf jeden Fall die Begleittherapie in Form von NEMs und Sport weitermachen, in der Hoffnung damit den zweifellos kommenden Wiederanstieg des PSA hinauszuzögern und dann bremsen zu können.

Ich möchte meinen Bericht nicht schließen, ohne die letzten Änderungen gegenüber meinem Bericht vom 17. 01. 2011 in meinem Sortiment der Nahrungsergänzungsmittel anzugeben. Vielleicht kann der eine oder andere Mitstreiter daraus Anregung gewinnen.

In der „PCa-Super-Ampel: Rot + Rot + Gelb + Grün + Schwarz“ (Tomatenpasta + Tomatenpulver + Kurkuma + Brokkoli + Schwarzer Pfeffer) habe ich zusätzlich zu den 200 Gramm Brokkoligemüse wieder selbst gezogene Brokkolisprossen aus einem geh. EL Saat hinzugenommen und Kurkuma weiter auf inzwischen 20 Gramm pro Tag + 1 Kapsel Super Bio Curcumin von LEF erhöht. Weiter hinzu kamen 5000 IE Vitamin D3 und 1 Kapsel Full-Spectrum Pomegranate (enthält angeblich Wirkstoff von 15 Granatäpfeln) und 2 Kapseln Natural Prostate, beides von LEF.

Übrigens, täglich Brokkoligemüse und -Sprossen sind nicht jedermanns Sache, wie mir von Mitstreitern berichtet wurde. Ich habe damit keine Probleme, denn es gibt hunderte von Zubereitungsvarianten. Einfach mal nach Rezepten googeln und ausprobieren. Ähnlich ist es mit der Tomatensuppe mit Kurkuma, Pfeffer und Olivenöl. Auch hier kann man mit Ingwer, Basilikum oder anderen Gewürzen, Sahne, Croutons, Bacon, Parmigiano etc. variieren. Meine oben beschriebene Delikatess-Tomatenpaste allerdings, schmeckt fast jedem. Wem das Zeug dennoch zum Halse heraus hängt, kann die Naturprodukte auch durch Extrakte ersetzen, z. B. Broccomax (von Jarrow Formula), Super-Bio-Curcumin (von LEF) und Lyc-o-Mato (von LycoRed vertrieben von Healthy Origins).

Wenn das auch nicht viel helfen sollte, hat man doch das Gefühl, alles zu tun und nichts zu unterlassen, was der Metastasierung entgegen wirken könnte. Sobald das PSA wieder ansteigt, habe ich als weitere sanfte Behandlung MCP ins Auge gefaßt. Dieses Thema ist jetzt mit der klinischen Studie der Klinik für Tumorbiologie Freiburg wieder aktuell geworden. Soviel ich weis, werden noch Teilnehmer angenommen. Infos z. B. bei

http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?6382-Komplement%E4re-Therapie-bei-Prostatakrebs

Mein vorrangiges Ziel bleibt es, die nächsten zwei Jahre noch ohne Geschlechtsumwandlung durch Testosteronentzug auskommen zu können. Dann könnte ich meinen letzten Lebenstraum verwirklichen, nämlich im Oktober 2012 noch mal beim IRONMAN Hawaii die Ziellinie zu queren. Was danach kommt ist mir aus heutiger Sicht egal. Auf jeden Fall kann ich mal wieder fürs kommende Quartal das ganze leidige Thema Krebs vergessen und mich unbeschwert meinem Sport widmen. Das Training läuft optimal und ein erster Formtest beim Heidelberger Halbmarathon brachte ein gutes Ergebnis.

Am 1. Mai folgt das Jedermann-Rennen im Rahmen des Radklassikers „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt (früher „Rund um den Henningerturm“) und Ende Mai der Quatro-Cup beim Skyrun im Frankfurter Messeturm. (4 mal in Folge 61 Stockwerke mit zusammen 888 Höhenmetern hochrennen). Schließlich folgt Anfang Juli der Saisonhöhepunkt beim Triathlon in Roth. Ist es nicht wunderbar, wenn man als unheilbar Krebskranker noch Ziele sehen kann?

Bis in ca. 3 Monaten verbleibt ein verrückter aber total glücklicher Mitstreiter und wünscht allen Mitbetroffenen eine herrliche oder zumindest erträgliche Sommerzeit.
       
25.09.2011 0.45 25.05.11
PSA-Wert vom 25.05.2011

Glücklich und dankbar blicke ich an meinem 74-ten Geburtstag auf eine erfolgreiche Sportsaison zurück. Wenn sich jetzt noch zeigte, daß der Krebs ein Einsehen hatte und meine sportlichen Anstrengungen mit Zurückhaltung in seinem Expansionsbestreben honorierte, könnte ich rundum zufrieden sein.

Ganz ohne Wehwehchen lief die Saison allerdings nicht ab. Schon Mitte April verrenkte ich mir beim Verladen von Zementsäcken das Kreuz. Als ich trotz 2-wöchiger Trainingspause und danach eingeschränktem Lauftraining keine wesentlich Besserung zeigt, wurde ich schon etwas nachdenklich. Hatte der Krebs womöglich doch schon Schäden an der Wirbelsäule angerichtet? Denn normalerweise waren solche Rückenbeschwerden bei mir nach 2-3 Wochen auskuriert. Eine Zwischenmessung des PSA Ende Mai lieferte keinen Hinweis. Der Wert war seit der letzten Messung sogar noch etwas gesunken. Andererseits fand ich in einschlägigen Foren Berichte von Mitstreitern, die schon bei niedrigen PSA-Werten von < 1 Hinweise auf Knochenmetastasen hatten. Der Uro hielt das für ausgeschlossen, der Orthopäde, den ich Ende Mai aufsuchte, wiegte eher mit dem Kopf und meinte man solle noch mal 4 Wochen abwarten und dann, wenn trotz der verordneten Physiotherapie keine Besserung einträte, weitere bildgebende Untersuchungen anschließen.

Da ich den Start bei der Challenge Roth unter keinen Umständen gefährden wollte, beschloß ich das Thema PCa erst einmal in den Hintergrund zu verlagern und unter Schmerzmitteln das Training so gut es ging weiterzuführen. Schwimmen und Radeln war kein Problem, das Laufen beschränkte ich auf eine extensive Einheit alle 2 Wochen, und eine intensive Einheit pro Woche auf dem Laufband mit 20 % Steigung. Bergauflaufen ist ja sehr schonend und daher auch noch bei erheblichen Verletzungen möglich. So ging ich in Roth mit Trainingsdefizit und nicht ganz gesund aber dennoch zuversichtlich an den Start.

Folgerichtig erlebte ich dann auch nicht mein schnellstes aber dafür emotional bewegendstes Rennen. Schwimmen und Radeln lief wie erwartet zufriedenstellend, aber beim Marathon kam auf halber Strecke die Krise. Teils laufend teils gehend, mit krummem Rücken schleppte ich mich die letzten 20 Kilometer unter höllischer Rückenschmerzen durch den strömenden Regen. In gebeugter Haltung, als würde ich jeden Augenblick vornüber kippen, wankte ich endlich durch den Zielkanal, wohl ein Bild des Jammers. Als der Zielsprecher schließlich mit sich überschlagender Stimme den ältesten Teilnehmer ankündigte und dem tobenden Publikum mitteilte, daß ich mit meiner (miserablen) Gesamtzeit von 14:17 Stunden doch noch den ersten Platz in meiner Altersklasse belegt hatte, waren alle Qualen vergessen. Und als mich hinter der Finishline die unermüdliche Chrissie Wellington mitleidig in die Arme nahm und mir die Medaille umhängte kullerten sogar ein paar Tränen.

Im Sport wie im richtigen Leben sind es nicht die glatt laufenden Projekte, sondern die Grenzerlebnisse die dich weiter bringen und dir helfen, wieder aufzustehen, wenn dich das Schicksal mal wieder zu Boden schlägt. So konnte ich mit schmerzendem Rücken aber glücklich und zufrieden als Deutscher Meister über die Ironmandistanz die Heimreise antreten. Und, ihr werdet es nicht glauben, zuhause angekommen wurde meine Hartnäckigkeit belohnt. Beim Aussteigen aus dem Auto kam es zur Spontanheilung des Rückenproblems. Wegen der beengten Verhältnisse zwischen Autotür und Gartenzaun mußte ich mich mit einem ungewöhnlichen Bewegungsablauf aus dem Fahrersitz winden. Es gab einen Knacks und die Schmerzen waren innerhalb einer Sekunde verschwunden. Jetzt hoffe ich, daß mit dem Krebs etwas ähnliches geschieht.

Der Rücken war wieder in Ordnung und ich konnte nach einer kurzen Regenerationsphase ohne Einschränkungen mein Lauftraining für die Europameisterschaft Extremberglauf beginnen. Dieses Event lief nach Plan. Ein Genuß, bei herrlichem Sommerwetter die 2200 Höhenmeter von Lauterbrunnen auf den Schilthorngipfel zu laufen und klettern. Ich wurde zwar nur zweiter, was ich aber akzeptieren konnte, da ich schon vor dem Rennen wußte, daß ich als Flachländer gegen einen einheimischen Berglaufspezialisten keine Chance haben würde.

Den längst fälligen Besuch beim Uro habe ich erst mal auf die Woche nach meinem Geburtstag verschoben. Denn ich möchte vermeiden, daß die Gratulanten bei der Geburtstagsparty einen schlecht gelaunten oder gar deprimierten Jubilar vorfinden.

Der möglicherweise weniger erfreulich Teil der Story folgt bald.
       
04.10.2011 0.40 04.10.11
Endlich nach längerem Aufschieben habe ich mich heute zum Besuch beim Uro aufgerafft. Bei der Blutabnahme war ich schon vor einer Woche, traute mich aber nicht wegen des Ergebnisses anzurufen. Wenn der Doktor ein eventuell unerfreuliches Ergebnis in verharmlosende Trostworten verpackt, ist es leichter zu verdauen. Zum Glück konnte er mir eine weiter fallende Tendenz mitteilen. PSA = 0,4 war zwar nicht berauschend aber bei meiner Geschichte doch zufriedenstellend. Daß die IMRT den Krebs vollständig wegputzten würde, war ohnehin nicht zu erwarten. Aber der Rückgang von 0,74 nach Ende der Bestrahlung auf jetzt 0,4 ist ja auch schon was. Zumindest scheinen lokal einige Krebszellen getroffen worden zu sein. Daß nun nach 10 Monaten noch immer kein Wiederanstieg festzustellen ist, nährt die Hoffnung, daß sich die Metastasierung in Grenzen hält. Bin gespannt, wie es weitergeht. Die nächste PSA-Bestimmung ist für Mitte Januar 2012 geplant, getreu dem Motto der Kassenärzte: „Neues Quartal, neues Glück.“

Noch immer glaube ich, daß meine Regime der NEMs zur relativ günstigen PSA-Entwicklung beiträgt. Denn bei fast alle Mitstreitern mit einer ähnlichen Ausgangskonstellation hat die IMRT nach RPE nicht viel bewirkt. Man glaubt halt zu gerne, was man wahr haben möchte. Hier noch mal eine Aufstellung meiner täglichen Ration an Pillen und Pülverchen:

6 Kapseln OMEGA3 von LEF
4 Kapseln Granaprostan
1 Kapsel Granatapfelkonzentrat von LEF
20 Gramm Kurkuma, verschiedene Zubereitung mit Schwarzem Pfeffer und Olivenöl
200 Gramm Brokkoli oder Sprossen von 1 EL Saat
20 Gramm Tomatenpulver
200 Gramm Tomatenpassata
5000 IE Vitamin D3 jeden 2-ten Tag


Sportlich gesehen befinde ich mich nach Abschluß der Saison in der Regenerationsphase mit 4 bis 8 Stunden Genußübungen pro Woche. Die letzten 3 Wochen mußte ich noch etwas kürzer treten, wegen einer Leistenbruch-OP. Inzwischen kann ich mich wieder fast voll belasten. Die Leiste ist ja heutzutage dank ausgefeilter OP-Technik kein Thema mehr. Nur die Zementsäcke auf meiner Baustelle muß bis auf weiteres mein Hiwi verladen.

So langsam muß ich jetzt daß Training wieder hochfahren, da Anfang März schon mit dem Abu Dhabi Triathlon der erste Höhepunkt der Saison 2012 ansteht. Wenn alles planmäßig läuft soll’s dann im Oktober 2012 zum Saisonabschluß wieder nach Hawaii gehen. Da ich nächstes Jahr in die Altersklasse 75 aufsteigen werde, habe ich mir ein üppiges Wettkampfprogramm vorgenommen, vielleicht das letzte in meiner Prostatakarriere. Denn ich gehe mal davon aus, daß nach dem Abklingen der IMRT-Wirkung im Verlaufe des kommenden Jahres das PSA wieder steigen und dann die DHB ins Haus stehen wird. Dann ist wahrscheinlich bis auf weiteres oder gar für immer Schluß mit Leistungssport. Inzwischen hangle ich mich von einem Highlight zum nächsten. Zunächst der Nikolaus-Duathlon und dann der Silvesterlauf. Ab der zweiten Januarwoche werde ich es dann wieder so richtig krachen lassen. Bis zu 20 Stunden Training pro Woche unter erschwerten Temperaturbedingungen. Denn in den Emiraten muß man auch Anfang März schon mit 35 Grad rechnen. Leider kann ich hier im Winter das trockene Wüstenklima nicht simulieren. Bin gespannt wie ich damit zurecht komme. Noch interessanter ist die Auswirkung auf die PSA-Entwicklung. Denn es gibt ja viele kritische Stimmen zur Auswirkung von Extremsport bei Krebs.

Erst kürzlich habe ich etwas in dem Buch „Glücksmedizin“ von Dr. Bartens geblättert. Da liest man schwarz auf weiß, was die meisten von uns schon immer geahnt haben: Übergewicht ist gesund, zu viel Sport ist ungesund und Zeitverschwendung. Statt sich mit Diät zu kasteien, essen was uns schmeckt, auch ein wenig Alkohol kann nicht schaden. NEMs sind nicht nur überflüssig sondern schaden sogar. Statt Freizeitstreß und Fitnesswahn einfach nur plan- und ziellos herumeiern. Keine Sorgen um Diabetes, Ateriosklerose und sonstige verborgene Gefahren (wie z. B. Pca) machen. Gesundheitsvorsorge lieber nicht, das Ergebnis würde uns nur belasten. So können wir unbeschwert ein rundum glückliches, und erfülltes Leben genießen. Und wenn die Adonisse am Strand überheblich ihre Waschbrettbäuche zur Schau stellen, können wir darüber nur lächeln, denn wir wissen jetzt, daß uns unsere Bier- und Chipswampen ein längeres und vor allem glücklicheres Leben garantieren. Herr Dr. Bartens spricht da der breiten Bevölkerungsmehrheit der Gllücksmoppel richtig aus der Seele. Ob seine Thesen wohl auch für uns Pca-Patienten gelten? Schön wär’s.

Ich melde mich im Januar wieder, hoffentlich ohne Katastrophenbericht. Bis dahin, liebe Mitstreiter alles Gute und die besten Wünsche fürs PSA.
       
17.01.2012 0.33 17.01.12
Dankbar und zufrieden können wir auf das vergangene Jahr zurückblicken. Nach den Katastrophenjahren 2009 und 2010 hatte der liebe Gott ein Einsehen und uns ein wunderbares Jahr geschenkt. Meine sportlichen Ziele konnte ich weitgehend verwirklichen, die Bautätigkeiten in unserem zweiten Domizil in Pforzheim machen Dank immer neuer Ideen meiner Frau noch viel Freude und gesundheitlich können wir uns auch nicht beklagen. Meine Frau hat nach ihrer schweren Verletzung beim Glatteissturz vor einem Jahr dank gelungener OP und intensiver Physiotherapie wieder die nahezu volle Funktionsfähigkeit des Schultergelenkes erreicht, meine Rückenschmerzen sind durch Spontanheilung verschwunden, der Leistenbruch wurde mit Erfolg repariert und meine Fitneß hat laut Leistungsdiagnostik im zurückliegenden Jahr nicht wesentlich abgenommen.

Und sogar der Krebs scheint sich in seinem Expansionsstreben weiter zurückzuhalten, jedenfalls soweit sich das aus der PSA-Dynamik ableiten läßt. Mit aktuell 0,33 ist der Wert ein weiteres mal ein wenig gefallen, offenbar eine erstaunliche Langzeitwirkung der IMRT. Die PSA-Kurve geht nun seit über einem Jahr nach dem Ende der Radiato nahezu linear nach unten. Ich habe so etwas noch nirgends gesehen. Meist verläuft der Abfall, wenn überhaupt, eher exponentiell um dann schon bald wieder exponentiell anzusteigen. Spielt hier auch mein Ernährungsregime mit all den erfolgversprechenden Pillen, Kapseln und Pülverchen eine Rolle? Oder hat das auch etwas mit meinem Sport zu tun? Ich bin wahrscheinlich weltweit der einzige PCa-Patient aus dem mittleren Risikobereich, der noch unbeirrt seinen Extremsport weiter betreibt. Ich möchte weiter daran glauben und werde weiter gewissenhaft meine NEMs, wie im letzten Quartalsbericht aufgeführt, schlucken und 2012, in die Altersklasse M75 aufgestiegen, ein strammes Trainings- und Wettkampfprogramm durchziehen. Übrigens, bei dem umfangreichen Sammelsurium von NEMs hatte ich in obiger Aufzählung zwei weitere Komponenten vergessen, die ich auch schon seit Ende 2010 schlucke: 500 mg Quercetin von LEF und 50 mg Annatto-Tocotrienol (mit der angeblich besonders wirksame Vitamin-E-Fraktion Delta-Tocotrienol) von SuperSmart abwechselnd mit 200 mg Tocotrienols-Complex mit Schwerpunkt Gamma-Tocotrienol von LEF.

So können wir mit Zuversicht ins kommende Jahr schauen. Ich kann das Thema PCa wieder bis zum zweiten Quartal ad acta legen und mich ganz dem Sport und dem Bauprojekt widmen. Mein Unruhestand wird mir also auch im kommenden Jahr wieder eine 60-Stunden-Woche bescheren und meine Frau darf wie jedes Jahr in Ihren beiden Gärten schuften. Abends werden uns dann nach verdientem Abendbrot vor der Glotze die Augen zufallen.

Ist das nicht ein wunderbares Leben?

Einstweilen wünschen ich allen Mitbetroffenen für das vor uns liegende Jahr den Umständen entsprechend gute Gesundheit, viele glückliche Tage sowie viel Glück für die Verwirklichung Eurer Hoffnungen und Wünsche.
       
30.04.2012 0.27 30.04.12
Euphorisch startete ich anfang des Jahres in die Sportsaison, die im Oktober mit einen erneuten Start beim IRONMAN Hawaii ihren Höhepunkt finden sollte. Bereits anfang März, so früh wie noch nie ging ich in Abu Dhabi beim dortigen Triathlon an den Start. Nach 3 km Schwimmen, 200 km radeln inklusive Sandsturm und 20 km Laufen war das Glücksgefühl überwältigend. Danach Erholung mit der ganzen Familie im 6-Sterne-Hotel wie im Märchen Tausend-und-eine-Nacht. Kein Gedanke an den Krebs.

Nach der Rückkunft aus dem aufstrebenden Touristenparadies in die düstere Europäische Wirklichkeit beschäftigte mich das Thema PCa nur kurz, als es wieder Zeit für die PSA-Kontrolle war. Den PSA-Wert hatte ich allerdings nicht zur Kenntnis genommen. Denn ich hatte ja seit Januar das Thema Krebs ad acta gelegt, um nicht durch negative Gedanken meine ambitionierten sportlichen Ziele zu gefährden.

Um so größer war dann die Freude als ich mir am 29.08. den Wert vom 30.04. abholte, zusammen mit der Blutabnahme für die aktuelle Messung. Der weitere Abfall eineinhalb Jahre nach der Radiato um noch mal 20 % innerhalb von drei Monaten war schon erstaunlich Ich will abwarten, was die aktuelle PSA Bestimmung ergibt und dann nach einer Interpretation suchen.
       
29.08.2012 0.30 28.08.12
Die Zeit bis zum Sommer verging wie im Fluge. Alle sportlichen Ziele erreicht, alles gewonnen Radrennen, Treppenlauf und als vorläufigen Höhepunkt die Europameisterschaft über die halbe IRONMAN-Distanz (2 km Schwimmen, 90 km Radeln, 21,1 km Laufen). Ich schwebte auf Wolke Sieben. Alles was ich angefaßte gelang. Dann, zwei Wochen vor der IRONMAN Europameisterschaft in Frankfurt kam der Absturz. Bei einem Trainingsunfall mit dem Rad zog ich mir schwere Verletzungen im Bereich des Hüftgelenks zu. Die Träume vom unserer vierten Reise ins pazifischen Inselparadies waren mit einem Schlag geplatzt.

Der Trochanter, das ist der Übergang vom Oberschenkelschaft zum Schenkelhals, war in mehrere Teile zerborsten. Der größte anzunehmende Schaden für den Laufsportler. Den am Trochanter setzen die für die Bewegung und Stabilisierung des Hüftgelenks zuständigen Muskeln an. Das macht die Rehabilitation besonders schwierig und langwierig. Ich war in der Reha in Bad Schönborn der Verzweiflung nahe, als ich erleben mußte wie ältere, oft übergewichtige Damen mit ihren Hüftprothesen beim Gehtraining locker vornweg marschierten während ich mit höllischen Schmerzen hinterher humpelte.

Die Verletzung wurde notfallmäßig im Klinikum Pforzheim versorgt. Mit viel Metall wurde versucht, die ursprüngliche Position der Knochenteile wieder herzustellen. Das Ergebnis ist aus heutiger Sicht zufriedenstellend. Das Schadbein ist zwar 1,5 Zentimeter kürzer, dafür ist aber das gesunde um den gleichen Betrag länger. Ist das nicht wunderbar? Schwimmen und Radeln kann ich inzwischen fast wieder normal, wenn auch nicht ganz schmerzfrei. Nur mit dem Laufen klappt´s noch nicht so richtig und ich soll auch nach Meinung der Herren Doktoren noch etwas vorsichtig damit sein. Ich begnüge mich damit, im Studio auf dem Laufband mit 20 % Steigung bergauf abwechselnd zu gehen und zu trippeln.

Jetzt erst, nachdem ich bezüglich der Verletzung wieder ein wenig Licht am Ende des Tunnels sah raffte ich mich auf zum Besuch beim Uro um mir den aktuellen PSA-Wert abzuholen.

Nun, bald 2 Jahre nach der IMRT scheint das PSA den tiefsten Punkt überschritten zu haben. Ein leichter Anstieg um 10 % innerhalb von 3 Monaten ist nicht dramatisch und liegt wahrscheinlich innerhalb der Meßungenauigkeit. Ich sehe das ganz gelassen, zumal ich zur Zeit mit der Wiederherstellung meiner Sportfähigkeit eine wichtigere Baustelle zu betreuen habe.
       
27.11.2012 0.31 27.11.12
Bezüglich PSA nicht viel Neues. Der Wert blieb noch mal innerhalb der Meßgenauigkeit konstant und ich muß jetzt wohl damit rechnen daß es demnächst wieder (Aus Sicht des Krebses) aufwärts gehen wird. Ich bleibe gelassen.

Mehr als der PCa beschäftigt mich derzeit ohnehin der langsame Rehabilitations-Fortschritt
Einerseits bin ich enttäuscht, daß ich nicht wie geplant beim traditionellen Frankfurter Silvesterlauf feierlich die Saison 2013 eröffnen kann, andererseits erfüllen mich die bescheiden Fortschritte bei der Wiederherstellung der Sportfähigkeit mit Glück und Zuversicht. Erfreulich, vor allem für meine Frau, war auch der Umstand, daß ich mich bei fehlendem Trainings-, Reise- und Wettkampfstreß seit Mitte des Jahres mehr auf unser Bauprojekt in Pforzheim konzentrieren konnte und wir jetzt in Ruhe und Beschaulichkeit wie normale Leute dem Weihnachtsfest entgegensehen können. So erleben wir trotz meines Malheurs, aber vor allem auch deswegen, weil meine Familie dieses Jahr von jeglichem größeren Ungemach verschont blieb, einen versöhnlichen Jahresausklang.
       
26.12.2012 0.31 27.11.12
Zum ersten Mal seit Jahrzehnten erleben wir, nicht ganz freiwillig, eine streßarme Vorweihnachtszeit, eine Zeit der Erinnerung an die Erfolge vergangener Tage und an liebe Freunde und Weggefährten. Über die Ursachen dieses Gefühlswandels berichte ich im folgenden Jahresrückblick.

Ende 2011 erfuhren Begeisterung und Ehrgeiz für den Extremsport einen weiteren Schub, denn 2012 sollte ich in die Altersklasse 75 aufsteigen. Als einer der jüngsten in dieser Altersklasse sollte sich die Wahrscheinlichkeit weiter sportlicher Erfolge sprunghaft erhöhen. Im Dezember 2012 schon trieb mich die Euphorie, als ich in unserem Pforzheimer Domizil eine Klimakammer einrichtete, um mich bei 40 Grad Celsius und 35 % Luftfeuchtigkeit auf den Wüsten-Triathlon in Abu Dhabi vorzubereiten. Die Saisonplanung war mit 12 moderaten bis extremen Wettkämpfen vollgepackt wie noch nie. Ich wollte es zum Auftakt des wahrscheinlich letzten kontrollierbaren Lebensjahrzehnts noch einmal so richtig krachen lassen. Das Thema Krebs sollte für das kommende Jahr keinen Platz in meinem Leben haben.

Bis Anfang Juni, als ich bei der Challenge Kraichgau die Europameisterschaft in der Triathlon-Mitteldistanz gewann, schwebte ich auf Wolke Sieben. Alles was ich angefaßte gelang. Dann, zwei Wochen vor der IRONMAN Europameisterschaft in Frankfurt kam der Absturz. Bei einem Trainingsunfall mit dem Rad zog ich mir schwere Verletzungen im Bereich des Hüftgelenks zu. Die Träume vom unserer vierten Reise ins pazifischen Inselparadies zum IRONMAN Hawaii waren mit einem Schlag geplatzt.

Die Verletzung wurde notfallmäßig im Klinikum Pforzheim versorgt. Mit viel Metall wurde versucht, die ursprüngliche Position der Knochenteile wieder herzustellen. Das Ergebnis ist aus heutiger Sicht zufriedenstellend. Schwimmen und Radeln kann ich inzwischen fast wieder normal, wenn auch nicht ganz schmerzfrei. Nur mit dem Laufen klappt´s noch nicht so richtig und ich soll auch nach Meinung der Herren Doktoren noch etwas vorsichtig damit sein. Ich begnüge mich damit, im Studio auf dem Laufband mit 20 % Steigung bergauf zu trippeln. Das ist gelenkschonend und bringt dennoch Kraftausdauer.

Insgesamt habe ich den Übergang von einem extrem aktiven Leben zu einem eher kontemplativen Dasein ganz gut verkraftet. Das gibt mir Zuversicht, für die Zeit, da mich der Krebs dazu zwingen wird, endgültig vom Leistungssport Abschied zu nehmen. Natürlich bin ich dieser Tage schon etwas traurig, daß ich nicht wie geplant beim traditionellen Frankfurter Silvesterlauf feierlich die Saison 2013 eröffnen kann. Andererseits erfüllen mich die Fortschritte bei der Wiederherstellung der Sportfähigkeit mit Glück und Zuversicht. Erfreulich, vor allem für meine liebe Frau war auch der Umstand, daß ich mich bei fehlendem Trainings-, Reise- und Wettkampfstreß seit Mitte des Jahres mehr auf unser Bauprojekt (Altersruhesitz) konnte und wir dann in Ruhe und Beschaulichkeit wie normale Leute die Advents- und Weihnachtszeit erleben durften. So gibt es trotz meines Malheurs doch noch einen versöhnlichen Jahresausklang mit der Hoffnung auf ein wunderbares 2013. Das wünsche ich auch allen meinen Leidensgenossen.
       
25.02.2013 0.51 25.02.13
Beim Trainingsaufbau nach meiner Hüftgelenksreparatur zeigen sich nun doch erste Silberstreifen am Horizont. Dennoch schwebt über meinem demütig geneigtem Haupt immer noch das Damoklesschwert der Hüftkopfnekrose (Abbau des Hüftkopfes infolge Mangeldurchblutung). Um diesbezügliche Bedenken abzubauen, ließ ich ein MRT machen. Das Ergebnis: Alle Schäden sind gut verheilt, Knochen, Muskeln, Bänder und Sehnen unauffällig und keine Anzeichen einer Nekrose. Da plumpste mir schon der sprichwörtliche Stein auf den linken Fuß, aber leider gab es noch einen Nebenbefund, eine asymmetrisch verdickte Blasenwand, tumorsuspekt! Ich soll schleunigst den Uro aufsuchen. Zeigt da schon die Radiato ihre schädliche Wirkung? Ich hatte eine unruhigen Nacht.

Es war ohnehin wieder Zeit für die PSA-Kontrolle. Da konnte die Inspektion der Blase gleich mit erledigt werden. Ultraschall, Blasenspiegelung alles in Ordnung, glatte, unauffällige Blaseninnenwand, nur deutliche Zeichen einer Balkenblase. Das Beckenbodentraining hat wohl den äußeren Schließmuskel so gestärkt, daß zwar alles dicht ist, aber zum Entleeren der Blase schon etwas gepreßt werden muß. Und das führt auf die Dauer durch Kräftigung der Blasenmuskulatur zur sog. Balkenblase. Insoweit also Entwarnung.

Nur der PSA-Anstieg ist weniger erfreulich in 3 Monaten um 60 % ist schon happig. Habe ich etwas falsch gemacht? Ist vielleicht das Kalziumpräparat mit Vitamin D3 schuld, das ich auf Empfehlung der Orthopäden zur Unterstützung der Knochenheilung während der vergangenen Monate schluckte?. Kalzium soll sich ja nach Leibowitz ungünstig auf den PSA-Verlauf auswirken. Er empfiehlt daher sogar den Verzicht auf Milchprodukte. Der Knochen ist ausreichend stabil, ich werde das Kalzium absetzten und nur noch Vitamin D3 hochdosiert (5000 IE) schlucken, das soll nach neueren Erkenntnissen vorteilhaft sein. Auch die weiteren Pillen, Kapseln und Pülverchen wie in meinem Bericht vom 11.10. 2011 beschrieben, bleiben im Programm, wie auch der lecker Brotaufstrich aus rehydriertem Tomatenpulver, Kurkuma, Pfeffer und Olivenöl. Im übrigen bleibe ich gelassen und lege das Thema PCa erst mal wieder bis zur nächsten PSA-Kontrolle in 3 Monaten ad acta. Was soll man sich auch damit belasten, man kann ja in diesem Stadium ohnehin nichts Vernünftiges gegen den Lauf der Natur tun.

In diesem Sinne wünsche ich Euch, liebe Leidensgenossen, einen erquicklichen Frühling und einen wunderbare Sommer ohne Gedanken ans PSA. Es reicht, wenn wir ab Herbst wieder ins Jammertal des Krebses eintreten.
       
18.06.2013 0.99 18.06.13
Eigentlich wollte ich bis zum Herbst nicht mehr an meine Wehwehchen denken. Aber es kam anders.

„Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ew’ger Bund zu flechten,“ warnte mich ein Kollege, als ich mit Ihm das Thema „Extremsport im Alter“ diskutierte. Das mußte ich bald danach lernen, als ich mir 2012 nach fast 10-jähriger Extremsport-Karriere mit über 80 Wettkämpfen, aber ohne größere Blessuren, bei einem Trainingsunfall eine komplizierte Hüftfraktur zuzog. Ein im Radsport häufig vorkommender Schaden, der meist bei Leistungssportlern das Karriereende bedeutet. Doch wieder einmal hatte ich Glück im Unglück. Die Reparatur der komplizierten Trochanter-Fraktur gelang und die anschließenden Tortouren der Physiotherapie hatten sich gelohnt. Ich konnte Anfang 2013 bis auf einige Einschränkungen beim Laufen wieder voll ins Training einsteigen. Die Fitneß nahm meßbar zu und die Hoffnung wuchs, in 2013 das 2012 versäumte nachholen zu können.

Dann am 1. Mai beim Radrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ der erneute Absturz. Nach heftigen Angina Pectoris Beschwerden (Brustschmerzen) brach ich das Rennen nach der ersten Runde ab. Nach einigen Minuten der Erholung fühlte ich mich wieder gut. Zuhause angekommen, verheimlichte ich gegenüber meiner Frau zunächst meine Niederlage. Aber die Frauen haben die wunderbare Fähigkeit, es ihren Männern an der Nasenspitze anzusehen, wenn irgendwas nicht stimmt. Beim Frühstück am nächsten Tag bohrte meine Herta weiter und ich habe schließlich den Vorfall gestanden. Sie hat mich daraufhin unverzüglich in die Herzklinik eingewiesen. Krankenhaus Bad Soden Notaufnahme. Nach EKG und Labor meinte die nette Ärztin „Das sieht nicht so gut aus, wie ich es für Sie erhoffte. Ich werde den Fall gleich in der Kardiologie dem Professor vorlegen.“ Ergebnis: Herzkatheter, Engstelle bei einem der drei Herzkranzgefäße entdeckt, > Stentimplantation. Kommentar des Operateurs: „Das war aber allerhöchste Zeit, das Gefäß war schon zu 90 % zu.“ Und später der Professor auf der Intensivstation: „Sie hatten Glück. Ohne die Belastung beim Sport wäre der Defekt unentdeckt geblieben, bis es zum Herzinfarkt gekommen wäre, mit möglicherweise tödlichem Ausgang.“

Schon nach der ersten Nacht auf der Intensivstation zeigte der Kreislaufmonitor mit Herzfrequenz 41 und Blutdruck 85/55, daß die Pumpe schon wieder im normalen Leistungsbereich arbeitete. Wunderbar. Aber leider quälte mich nun in den folgenden Tagen während schlafloser Stunden im Krankenbett wieder der Gedanke an den Krebs. Ich rechnete im Kopf und gelangte zu der Befürchtung, das PSA könnte inzwischen schon in der Gegend von 1 liegen könnte, vielleicht sogar noch höher wegen des zusätzlichen Streß mit der Pumpe. Ich machte einen Termin beim Uro. Und tatsächlich der zweite Anstieg in Folge erbrachte einen Wert von 0,99. Eigentlich wäre es vielleicht vernünftig gewesen jetzt schon mit der DHB zu beginnen. Andererseits entwickelte ich auch mit meinem Uro die Hypothese, es könne sich um ein rein lokales Geschehen handeln. Denn seit der Radiato Ende 2010 war das PSA über 2 Jahre am Fallen. Das legte nahe, daß es kein oder zumindest keine wesentliches Krebswachstum außerhalb der Prostataloge gibt. Wir beschlossen, Noch mal bis PSA > 2 zu warten, um dann mittels PET/CT die Situation zu klären.
       
18.06.2013 0.99 18.06.13
Eigentlich wollte ich bis zum Herbst nicht mehr an meine Wehwehchen denken. Aber es kam anders.

„Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ew’ger Bund zu flechten,“ warnte mich ein Kollege, als ich mit Ihm das Thema „Extremsport im Alter“ diskutierte. Das mußte ich bald danach lernen, als ich mir 2012 nach fast 10-jähriger Extremsport-Karriere mit über 80 Wettkämpfen, aber ohne größere Blessuren, bei einem Trainingsunfall eine komplizierte Hüftfraktur zuzog. Ein im Radsport häufig vorkommender Schaden, der meist bei Leistungssportlern das Karriereende bedeutet. Doch wieder einmal hatte ich Glück im Unglück. Die Reparatur der komplizierten Trochanter-Fraktur gelang und die anschließenden Tortouren der Physiotherapie hatten sich gelohnt. Ich konnte Anfang 2013 bis auf einige Einschränkungen beim Laufen wieder voll ins Training einsteigen. Die Fitneß nahm meßbar zu und die Hoffnung wuchs, in 2013 das 2012 versäumte nachholen zu können.

Dann am 1. Mai beim Radrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ der erneute Absturz. Nach heftigen Angina Pectoris Beschwerden (Brustschmerzen) brach ich das Rennen nach der ersten Runde ab. Nach einigen Minuten der Erholung fühlte ich mich wieder gut. Zuhause angekommen, verheimlichte ich gegenüber meiner Frau zunächst meine Niederlage. Aber die Frauen haben die wunderbare Fähigkeit, es ihren Männern an der Nasenspitze anzusehen, wenn irgendwas nicht stimmt. Beim Frühstück am nächsten Tag bohrte meine Herta weiter und ich habe schließlich den Vorfall gestanden. Sie hat mich daraufhin unverzüglich in die Herzklinik eingewiesen. Krankenhaus Bad Soden Notaufnahme. Nach EKG und Labor meinte die nette Ärztin „Das sieht nicht so gut aus, wie ich es für Sie erhoffte. Ich werde den Fall gleich in der Kardiologie dem Professor vorlegen.“ Ergebnis: Herzkatheter, Engstelle bei einem der drei Herzkranzgefäße entdeckt, > Stentimplantation. Kommentar des Operateurs: „Das war aber allerhöchste Zeit, das Gefäß war schon zu 90 % zu.“ Und später der Professor auf der Intensivstation: „Sie hatten Glück. Ohne die Belastung beim Sport wäre der Defekt unentdeckt geblieben, bis es zum Herzinfarkt gekommen wäre, mit möglicherweise tödlichem Ausgang.“

Schon nach der ersten Nacht auf der Intensivstation zeigte der Kreislaufmonitor mit Herzfrequenz 41 und Blutdruck 85/55, daß die Pumpe schon wieder im normalen Leistungsbereich arbeitete. Wunderbar. Aber leider quälte mich nun in den folgenden Tagen während schlafloser Stunden im Krankenbett wieder der Gedanke an den Krebs. Ich rechnete im Kopf und gelangte zu der Befürchtung, das PSA könnte inzwischen schon in der Gegend von 1 liegen könnte, vielleicht sogar noch höher wegen des zusätzlichen Streß mit der Pumpe. Ich machte einen Termin beim Uro. Und tatsächlich der zweite Anstieg in Folge erbrachte einen Wert von 0,99. Eigentlich wäre es vielleicht vernünftig gewesen jetzt schon mit der DHB zu beginnen. Andererseits entwickelte ich auch mit meinem Uro die Hypothese, es könne sich um ein rein lokales Geschehen handeln. Denn seit der Radiato Ende 2010 war das PSA über 2 Jahre am Fallen. Das legte nahe, daß es kein oder zumindest keine wesentliches Krebswachstum außerhalb der Prostataloge gibt. Wir beschlossen, Noch mal bis PSA > 2 zu warten, um dann mittels PET/CT die Situation zu klären.
       
05.11.2013 2.30 05.11.13
Wie erwartet war das PSA weiter angestiegen auf jetzt 2,3. Die Verdopplungszeit lag bei allen drei Messungen bei 4 Monaten. Es handelt sich also offenbar nicht um einen gemütlichen Haustierkrebs. Wir sehen jedoch die Chance, daß der aggressive Anteil der Krebszellen auf den lokalen Bereich beschränkt sein könnte und dort gezielt bekämpft werden könnte. Um das herauszufinden, waren erst einmal weitere diagnostische Maßnahmen angesagt. Ich beantragte bei meiner Krankenkasse (TK) eine PET/CT-Untersuchung, die aber zunächst einmal abgelehnt wurde. Nach weiterem Nachhaken bot man mir doch eine Lösung an. Man habe mit dem DTZ in Berlin ein Sonderabkommen, in dessen Rahmen die Kosten voll übernommen werden könnten.

Ich vereinbarte gleich den nächst möglichen Termin und machte mich am 09. Dezember auf in die Bundeshauptstadt. Von Frankfurt morgens hin mit dem ICE-Sprinter in 3:40 h, da lohnt sich das Fliegen nicht mehr. Im Nieselregen die Karl-Marx-Alle runter zum DTZ marschiert, Nach der Untersuchung wieder zu Fuß zurück mit Zwischenstopp zum Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz, zwecks Verzehr diverser ungesunder Speisen, zur Feier des Tages und des Untersuchungsergebnisses: “Lokalrezidiv ohne erkennbare Fernmetastasen”. Es hätte schlimmer sein können.

Einigermaßen erleichtert legte ich das Thema Prostatakrebs zu den Akten und bereitete mich auf ein von dunklen Gedanken ungetrübtes Weihnachtsfest vor. Dann noch ein schöner Jahresabschluß bei Frankfurter Silvesterlauf und die Prostata-Saison 2014 konnte kommen. Ich machte den nächst möglichen Termin beim Uro, gleich nach dessen Weihnachtspause.
       
05.11.2013 2.30 05.11.13
Wie erwartet war das PSA weiter angestiegen auf jetzt 2,3. Die Verdopplungszeit lag bei allen drei Messungen bei 4 Monaten. Es handelt sich also offenbar nicht um einen gemütlichen Haustierkrebs. Wir sehen jedoch die Chance, daß der aggressive Anteil der Krebszellen auf den lokalen Bereich beschränkt sein könnte und dort gezielt bekämpft werden könnte. Um das herauszufinden, waren erst einmal weitere diagnostische Maßnahmen angesagt. Ich beantragte bei meiner Krankenkasse (TK) eine PET/CT-Untersuchung, die aber zunächst einmal abgelehnt wurde. Nach weiterem Nachhaken bot man mir doch eine Lösung an. Man habe mit dem DTZ in Berlin ein Sonderabkommen, in dessen Rahmen die Kosten voll übernommen werden könnten.

Ich vereinbarte gleich den nächst möglichen Termin und machte mich am 09. Dezember auf in die Bundeshauptstadt. Von Frankfurt morgens hin mit dem ICE-Sprinter in 3:40 h, da lohnt sich das Fliegen nicht mehr. Im Nieselregen die Karl-Marx-Alle runter zum DTZ marschiert, Nach der Untersuchung wieder zu Fuß zurück mit Zwischenstopp zum Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz, zwecks Verzehr diverser ungesunder Speisen, zur Feier des Tages und des Untersuchungsergebnisses: “Lokalrezidiv ohne erkennbare Fernmetastasen”. Es hätte schlimmer sein können.

Einigermaßen erleichtert legte ich das Thema Prostatakrebs zu den Akten und bereitete mich auf ein von dunklen Gedanken ungetrübtes Weihnachtsfest vor. Dann noch ein schöner Jahresabschluß bei Frankfurter Silvesterlauf und die Prostata-Saison 2014 konnte kommen. Ich machte den nächst möglichen Termin beim Uro, gleich nach dessen Weihnachtspause.
       
06.01.2014 3.20 06.01.14
Vorbereitung DHB: ab 13. 01 2014 100 mg Bicalutamid

Bei meinem Uro, auch ein begeisterter Ausdauersportler, ging es erst mal um die Aussichten für die Saison 2014. Leider kamen wir zu dem Ergebnis, daß diese für mich nicht so ganz rosig sein würde. Denn der Einstieg in die hormonelle Geschlechtsumwandlung ließe sich wohl nicht vermeiden. Allerdings kamen wir nach betrachten der PET/CT-Bilder auch zu der Alternative, erst einmal den lokalen Herd von ca. 15 mm Durchmesser mittels Radiatio zu bekämpfen. Denn da sonst das CT keine Hinweis auf Metastasen lieferte, könnte es durchaus sein, daß das Lokalrezidiv der PSA-produzierende Hauptübeltäter ist. Andererseits kann man natürlich Fernmetastasen im Ministadium nicht ausschließen , da sich solche im PET/CT erst ab einem Durchmesser von 2 mm identifizieren lassen. Da ich eine IMRT schon vor 3 Jahren hatte, galt es erst mal abzuschätzen, ob nicht durch einen zweiten Beschuß des selben Zielgebietes ein zu hohes Risiko für Kollateralschäden besteht. Es war auch zu klären, ob eventuell mit Protonen- oder Ionenbestrahlung eine bessere Schonung des gesunden Gewebes möglich wäre. Das Ergebnis der Recherche einschließlich Beratung durch den Strahlentherapeuten ergab ein zu hohes Risiko für eine Schädigung insbesondere der durch die Erstbestrahlung schon vorbelasteten Harnröhre. Enttäuschend war auch die Erkenntnis, daß die viel gelobte und teure Protonen- bzw. Ionenbestrahlung keinen Vorteil bringen würde. Zwar richten die schweren Teilchen auf ihrem Weg zum Zielgebiet weit weniger Schäden an, als die Photonen der IMRT, doch können dafür die Kollateralschäden im Zielgebiet um so größer werden. Kritisch ist dabei vor allem, daß die Harnröhre voll im Zielgebiet liegt. Also wurde das Thema Radiato erst einmal zu den Akten gelegt. Schade, denn als bekennender Befürworter der Kernenergie hätte ich zu gerne die Ionen-Kanone in Heidelberg in Aktion erlebt. Eventuell kann man später wieder auf die Strahlenoption zurückkommen, sollte es, womit zu rechnen ist, nach der Hormonentzugstherapie zu einem Fortschreiten der Krankheit in Form von lokalisierbaren Metastasen kommen.

Schweren Herzens entschied ich mich für die Hormonblockade, obwohl sich diese Therapie wegen gravierender Nebenwirkungen äußerst ungünstig auf die körperliche und vielleicht auch die geistige Leistungsfähigkeit auswirken kann, fatal angesichts meiner sportlichen Ambitionen. Es handelt sich bei der DHB ja wegen des Testosteronentzugs um eine Art Geschlechtsumwandlung, mit Erscheinungen wie Brustwachstum, Ausfall der Bart- und Körperhaare (nicht schlimm, ich muß mich nicht mehr rasieren), Muskelabbau, Fettaufbau, Hitzewallungen wie bei Frauen in den Wechseljahren, Antriebsschwäche, Depression und mehr. Der Vorteil dieser systemischen Therapie liegt aber neben einer möglichen Kräftigung des Haupthaars, soweit noch vorhanden, in der gleichzeitigen Bekämpfung etwa schon existierender Mikrometastasen. Jedoch zum Glück wird nach Absetzen der Therapie voraussichtlich nach 11 Monaten der männliche Normalzustand wieder hergestellt wird.

Am 13. 01.2014 steige ich mit der Einnahme von 100 mg Bicalutamid in die Dreifache Hormonblockade DHB nach Leibowitz ein. Zuvor wurde noch der Ausgangszustand dokumentiert:
PSA = 3,2 ng/ml Testosteron = 8,3 ng/ml, Leberwerte und kleines Blutbild normal. Der über der Norm liegende Testosteronwert veranlaßte den Uro zu der hoffentlich nicht ganz ernst gemeinten Frage: „Haben Sie was eingenommen?“ Und er sagte mir bei einem Abstieg von diesem Niveau erhebliche Nebenwirkungen voraus. Die Couch-Potatos hätten es da leichter, da ihr Testosteron ohnehin schon im unteren Grenzbereich liege. Nun bin ich mal gespannt, was noch kommt. Vielleicht wird es doch nicht so schlimm. Ich hoffe, mit dem Kopf einiges kompensieren zu können. Jedenfalls führe ich meine Training und meine Arbeit normal weiter. Das soll angeblich helfen.

       
20.01.2014 3.20 06.01.14
Start DHB: 1te 4-Wochen-Spritze Eligard + 150 mg Bicalutamid + 0,5 mg Avodart > Testosteron = 8,3 ng/ml

Heute folgte die erste 4-Wochen-Ration Eligard und täglich 0,5 mg Avodart. Um die Wirkung der DHB nicht unkontrolliert zu stören, setze ich, wie von Leibowitz empfohlen, alle zusätzlichen Mittelchen bis auf 3000 IE Vitamin D3 und meine leckere schwarzrotgoldene Pfeffer-Tomaten-Curuma-Paste ab. Ich bin gespannt.
       
17.02.2014 0.05 17.02.14
Weiter DHB: 2te 4-Wochen-Spritze Eligard + 150 mg Bicalutamid + 0,5 mg Avodart > Testosteron = 0,46 ng/ml

Die ersten vier Wochen DHB habe ich nun überstanden, bislang ohne spürbare Nebenwirkungen. Lediglich die Hoden sind auf etwa ein Viertel ihres ursprünglichen Volumens geschrumpft. Und ich habe den Eindruck, etwas entspannter zu sein, verständlich, den das Testosteron war von meinem extrem hohen Wert von 8, 7 mg/ml und dem damit verbundenen Aggressionspotential auf nunmehr für Lammfrommheit stehende 0,46 gesunken. Auch das PSA folgte gehorsam den Regeln und liegt nun schon bei 0,05 mg/ml. Leberwerte und kleines Blutbild auch im Normbereich, was mich dazu veranlaßt, eine weitere 4-Wochen-Spritze Eligard zu setzen und die Bicalutamid-Dosis auf 150 mg zu erhöhen. Ich lasse mir weiter Bicalutamid als 50 mg Einheiten verschreiben, denn 3 x 90 Stück 50 mg kosten bei den renommierten Herstellern ca. 525 €, gegenüber 627 € für die 90 Stück 150 mg. Das schont das Budget des Uro. Selbstzahler fahren nach meiner Kenntnis am günstigsten mit dem Fabrikat Heumann zu € 336 für 3 x 90 Stück 50 mg.

Nun bin ich gespannt, wie es mit den Nebenwirkungen weiter geht. Ich mache weiter mein Off-Season-Training, 6-10 Stunden Ausdauer, 2-3 Stunden Kraft pro Woche. Ein Großteil des Trainings absolviere ich wegen meines knappen Zeitbudgets zu hause vor der Glotze. Olympia und Fußball waren dabei aktuell meine bevorzugten Sendungen. So kann ich der sonst nutzlos vertrödelte Zeit vor der Glotze noch einen Sinn geben. Zusammen mit meiner Arbeit an meinem Bauprojekt bin ich so mit einem 12- Stunden-Tag voll ausgelastet und habe keine Gelegenheit über die Krankheit zu grübeln.

Das Beste hoffen und aufs Schlimmste gefaßt sein.
       
18.03.2014 0.02 18.03.14
Weiter DHB: 1-te 3-Monats-Spritze Eligard + 150 mg Bicalutamid + 0,5 mg Avodart > Testosteron = 0,27 ng/ml

Nach dem Start der DHB mit zwei Einmonatsspritzen holte ich mir jetzt die erste Dreimonatsration Eligard ab. Auch nach 2 Monaten DHB sind kaum Nebenwirkungen feststellbar. Der Leiter meiner Selbsthilfegruppe, ein ausgewiesener und erfahrener Spezialist in Sachen Leibowitz und DHB empfahl mir, zur Vermeidung von Nebenwirkungen körperlich und geistig aktiv zu bleiben. Denn die Nebenwirkungen seien zum großen Teil psychosomatisch bedingt, indem man ständig daran denke und glaube, sich krankheitsbedingt schonen zu müssen. Auch der Uro bestätigte diese Einstellung und fügte hinzu, daß durch intensives körperliches Training bzw. Arbeit das unerwünschte Östrogen verstoffwechselt würde und somit keinen Schaden mehr anrichten könne. Man kann das auch bei Leistungssport treibenden Frauen beobachten, bei denen die weiblichen Geschlechtsmerkmale wie Brustwachstum und Körperfettansatz wenig ausgeprägt sind.

Nun, einen kleinen Zwischenfall gab es vorletzte Woche, ein akuter Blinddarm, was im fortgeschrittenen Alter ziemlich selten ist. Möglicherweise hat das etwas mit der Hormonblockade zu tun, unter der es angeblich zu einer Schwächung des Immunsystems kommen kann. Dann könnten u. U. die allgegenwärtigen Bakterien fröhliche Urständ feiern. Die Blinddarmentzündung ist im Alter nicht ganz ungefährlich, da sie nur wenig Symptome macht und man deswegen erst zum Arzt geht, wenn es zu spät ist. Zum Glück folgte ich bei nur geringen Beschwerenden dem Rat meiner Frau und suchte unverzüglich die Notaufnahme einer nahegelegenen Klinik auf, wo man auch eine sofortige Notoperation anordnete. Laproskopisch ist das heutzutage kein Problem, aber ich mußte dennoch wegen der prophylaktischen Infusion von Antibiotika 5 Tage auf Station bleiben und danach noch 2 Wochen Antibiotika oral einnehmen. Danach war der kleine Zwischenfall schnell vergessen.

Nun führe ich mein Arbeits- und Trainingsprogramm weiter und warte gespannt, ob sich doch noch Nebenwirkungen einstellen. PSA mit 0,02 und Testo mit 0,27 folgten ja dem erwarteten Verlauf. Somit gibt es aktuell nichts zu meckern.
       
18.06.2014 0.01 18.06.14
Weiter DHB: 2-te 3-Monats-Spritze Eligard + 150 mg Bicalutamid + 0,5 mg Avodart > Testosteron = 0,42 ng/ml

Heute holte ich mir die zweite Dreimonatsspritze Eligard ab. Das PSA war weiter auf 0,01 gefallen. Testo war allerdings wieder angestiegen von zuletzt 0,27 auf jetzt 0,42. Ich werde mit einer Zwischenmessung nach 6 Wochen den Verlauf kontrollieren. Vielleicht reicht das Dreimonatsdepot doch nicht ganz bis zum Ende des 3-ten Monats. Es kann auch sein, daß meine intensive körperliche Aktivität der Blockade durch Eligard entgegenwirkt. Man kennt das auch von intensiv sporttreibenden Frauen, die auch oft einen über der Norm liegenden Testosteronspiegel aufweisen. Wahrscheinlich ist das nicht vollständig blockierte Testosteron nicht so schlimm. Denn hier zeigt sich der Nutzen der zusätzlichen DHB-Komponente Bicalutamid, wodurch die Wirkung des Rest-Testosterons ausgeschaltet wird und deswegen das PSA trotzdem weiter sinken konnte.

Inzwischen merke ich im Sport schon, daß es nicht mehr zum Bäume ausreißen reicht. Ist ja auch logisch, denn bei der Hormonblockade handelt es sich ja sozusagen um eine Form de Anti-Dopings. Grundlagenausdauer und Maximalkraft sind dank Training normal geblieben, es gibt aber Defizite in der Kraftausdauer. Zwar mache ich zur Zeit keinen Extremsport, doch zeigt sich auch bei kleineren Trainings- und Wettkampfbelastungen von ein bis zwei Stunden ein Leistungsabfall von ca. 15 Prozent. Der Leistungsrückgang scheint zumindest teilweise auf die infolge des Testosteronmangels fehlende Aggressivität zurückzuführen zu sein. Das zeigte sich z. B. bei einem Radrennen. Wenn man da früher am Berg abgehängt wurde, versuchte man testosterongetrieben automatisch ohne Rücksicht auf Schmerzen wieder an die Gruppe heranzufahren. Jetzt scheint einem der Rückstand ziemlich egal zu sein. Man fällt lieber in den Wohlfühlbereich und schließt sich der weiter zurückliegenden Gruppe an. Positiv wirkt sich die mangelnde Aggressivität im Alltagsleben aus. Man läßt sich nicht mehr so leicht provozieren sondern zieht lieber den Schwanz ein, anstatt ordentlich draufzuhauen. Ich glaube man nennt das „die Weisheit des Alters“. Denn auch gesunde ältere Herren dümpeln meist beim Testosteron im unteren Grenzbereich herum, wodurch sich altersbedingte Gelassenheit und Antriebsschwäche erklären lassen. Deswegen greifen leistungsbewußte Oldies oft zu Testosteronersatz-Mittelchen um so wieder jugendliche Tatkraft zu erlangen.

Da auch die übrigen Laborwerte im Normbereich liegen, kann ich mit dem Therapieverlauf voll zufrieden sein und mich schon auf dritte und letzte Depotspritze freuen und natürlich auf die darauffolgende Wiedergeburt des Mannes.
       
23.09.2014 0.01 23.09.14
23.09.2014: 3-te 3-Mo-Spritze Eligard + 150 mg Bicalutamid + 0,5 mg Avodart > Testosteron = 0,2 ng/ml

Heute habe ich mir die dritte 3-Monats-Spritze Eligard abgeholt. und die aktuellen Werte zur Kenntnis genommen. PSA = 0,01, also nicht nachweisbar, Testo = 0,2 ng/ml, auch normal. Kleines Blutbild, Leber- und Nierenwerte ohne Auffälligkeiten.

Mein Zustand hat sich auf bescheidenem Niveau stabilisiert. Die körperliche Leistungsfähigkeit liegt bei minus 10 % für Schwimmen und Radfahren aber merkwürdigerweise bei minus 20 % beim Laufen. Aber das kann auch etwas mit meiner Schenkelhalsfraktur vom Sommer 2012 zu tun haben. Immerhin ist seit dem das Bein auf der Schadseite um 1,5 cm kürzer. Aber ich habe auch im ersten Jahr nach diesem Unfall das Lauftraining auf ca. 15 km pro Woche reduziert, da bei längerer Belastung noch Schmerzen auftraten. Das Problem mit der Hüfte ist inzwischen weitgehend behoben, bis auf das kürzere Bein natürlich. Aber es bleibt natürlich Nachholbedarf insbesondere beim Laufen.

Sonst hielten sich die Nebenwirkungen in Grenzen. Der Muskelabbau ist dank regelmäßigem Training nicht sehr dramatisch, aber es ist schon zu erkennen, daß die Fettschicht über der Muskulatur dicker geworden ist, so ca. 1 bis 1,5 cm mit dem Kaliber gemessen. Die Speckwurst auf dem Bauchmuskel ist mit 8 cm schon beachtlich. Und auch die Brüste sind weiter etwas gewachsen, allerdings noch lange nicht so schlimm wie bei den Pilsbiertrinkern. Dafür sind die Hoden weiter geschrumpft auf inzwischen Walnußgröße, aber das ist ja bei der HB wohl Sinn der Übung. Insgesamt liege ich um ca. 4 kg über meinem Idealgewicht. Ich glaube, das Ganze ist weniger ein biochemisches als ein psychologisches Problem. Das fehlende Testosteron nimmt halt dem Mann die Willenskraft und führt somit zu einer gewissen Undiszipliniertheit, natürlich auch beim Essen. Ich kann jetzt auch viel besser die Frustesser verstehen, die ungesunde Sachen in sich reinstopfen, obwohl sie wissen, daß ihnen das schadet. Na ja gelegentlich mal eine Hitzewelle gibt es schon, aber ich glaube das wird auch eher durch psychische Ereignisse ausgelöst etwa wenn einem irgendwelche Versäumnisse oder gar Sünden einfallen.

Trotz allem bin ich guter Dinge und warte nun mit Spannung auf das Ende der Hormonblockade und dann auf die Wiedergeburt des Mannes.
       
23.12.2014 0.01 23.12.14
Wieder Termin beim Uro. Es geht jetzt um die Frage, ob ich eine weitere 3-Monatsration Eligard nehmen oder jetzt die DHB beenden soll. Ich hätte dann mit den zwei 1-Monats-Spritzen zu Beginn der Therapie 11 Monate. Der Vorstand meiner SHG, ein treuer Jünger von Leibowitz (der empfiehlt 13 Monate) meint, das sei zu kurz, denn das PSA müßte mindestens 9 besser 12 Monate im unmeßbaren Bereich liegen, bevor der Hormonentzug beendet wird. Sonst könnte es sein, daß Krebszellen, die ihre Aktivität eingestellt haben aber noch nicht ganz abgestorben sind, sich wieder erholen.

Nach eingehender Beratung mit dem Uro einigten wir uns auf einen Kompromiß mit noch einmal zum Abschluß einer 1-Monats-Ration Eligard, aber noch einmal während 3 Monaten 150 mg Bicalutamid und 0,5 mg Avodart. Dies scheint vertretbar, da zu Beginn der Behandlung das PSA relativ zügig auf 0,01 abgefallen war und dann bis zum Ende der Wirkung der letzten 1-Monatsspritze 11 Monate unterhalb 0,01 gewesen sein würde.

Der Sport läuft weiter auf Erhaltungsniveau, pro Woche 4 Stunden Rad, jetzt im Winter auf der Rolle, vorzugsweise vor der Glotze bei Fußball und bald auch wieder beim Biathlon. 2 Stunden laufen, 1 Stunde Schwimmen und 2 Stunden Kraft, insbesondere Rumpfstabilisierung. An der körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit hat sich nichts geändert. Die jährliche Leistungsdiagnostik auf dem Ergometer bei der DSWS Köln bestätigte mit 230 Watt die 10 % Defizit in der Maximalleistung, die ich auch bei meinen Trainingseineiten auf der Rolle beobachte.

Nächster Besuch beim Uro für Ende März 2015 geplant. Ich bin gespannt, ob bis dahin wieder etwas Testosteron zurückgekommen sein wird.
       
27.04.2015 0.01 27.04.15
27.04.2015: Testo = 1,28 PSA = 0,01

Am 27.03 2015 beendete ich die Hormonblockaden mit dem Absetzen von 150 mg Bicalutamid- Die 0,5 mg Avodart werde ich entsprechend dem Leibowitz´schen Protokoll weiter nehmen. Den Besuch beim Uro schob ich etwas vor mir her. Ende April erst, also 3 Monaten nach dem Auslaufen des Eligard-Depots und 1 Monat nach Absetzen des Bicalutamid meldete ich mich zur Blutabnahme. Das PSA war erwartungsgemäß weiter unterhalb der Nachweisgrenze. Testosteron war auf bescheidene 1,28 ng/ml angestiegen. Das hat natürlich noch keinen großen Effekt bezüglich der Wiedererlangung der Manneskraft gebracht, wenngleich ich rein subjektiv meine, wieder etwas mehr Aggressivität entwickeln zu können.

Das Training läuft weiter mit ca. 7 bis 10 Stunden pro Woche, wobei jetzt auch mal bei schönem Wetter eine Radausfahrt von 2 bis 3 Stunden eingebaut wird. Als erstes kleines Highlight steht diese Woche am 1. Mai das Jedermannrennen im Rahmen des Radklassikers „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ auf dem Plan. Ich bin bespannt, ob sich im Vergleich zum letzten Jahr, als ich OT (ohne Testosteron) fuhr, was zum Positiven verändert hat. Anfang Juni kommt dann ein come back Versuch mit einem Start bei einem Halb-IRONMAN und eine Woche danach schon der Skyrun im Frankfurter Messeturm, seit Jahren eine Pflichtübung zur Förderung der Kraftausdauer.

Zu erwähnen ist noch die Einnahme von täglich 3000 IE Vitamin D3 und meine leckere schwarzrotgoldene Pfeffer-Tomaten-Curuma-Paste ab. Auch nehme ich seit meinem Herzproblem vorbeugend 100mg ASS und zur Senkung des Cholesterins 40 mg Antorvastatin. Letzteres soll angeblich auch eine Unterdrückung der Produktion von Testosteron in hormonunabhängigen Krebszellen bewirken. Entsprechend dem Rat von Leibowitz verzichte ich auf weitere nahrungsergänzende Pillen und Pülverchen.


So bin ich guter Dinge und freue mich auf einen herrlich unbeschwerten Sommer, in der Hoffnung daß bei der nächsten Kontrolle Ende Juli das PSA weiter im unteren Bereich geblieben sein und das Testosteron wieder den Normalwert erreicht haben wird.
       
31.08.2015 0.04 31.08.15
PSA = 0,04, Testo = 4,31

Nach dem Ende der DHB Anfang April gehen die Nebenwirkungen nur langsam zurück. Es kam noch bis Juni in bestimmten Situationen zu verstärktem Schwitzen, insbesondere im Gesicht. Ich habe immer noch etwas zu viel Speck um die Hüften und am Bauch und die Kraft läßt trotz regelmäßigen Trainings noch zu wünschen übrig. Bei Klimmzugversuchen hing ich anfänglich an der Stange wie ein nasser Sack. Erst jetzt im August bekomme ich wieder so 3 bis vier Klimmzüge hin. Die Ausdauerleistung blieb dank regelmäßigen Trainings weitgehend erhalten. Allerdings fehlt es noch an der notwendigen Aggressivität um sich in Streßsituationen durchzusetzen. Beim Radrennen fehlte der Biß, um nach einem Zurückfallen am Berg wieder an die Gruppe heranzufahren. Ich ließ mich lieber im Wohlfühlbereich zur nachfolgenden Gruppe zurückfallen. Bei einem Triathlonschwimmen geriet ich in Panik, nachdem ich im Getümmel Schläge abbekam und unter Wasser gedrückt wurde. Früher schlug ich dank hohem Testosteron von 8,5 ng/ml in solche Situationen aggressiv zurück.

Alles in allem konnte ich unter Berücksichtigung des Zustandes nach der DHB mit meinen sportlichen Leistungen zufrieden sein, wenngleich auch keine Glanztaten zustande kamen. Es war dennoch ein wunderbarer Sommer mit vielen erfreulichen Erlebnissen.

Ein Wermutstropfen lieferten am Ende dann doch die Blutwerte. Der frühzeitige PSA-Anstieg auf 0,04 war enttäuschend und das Testosteron war mit 4,31 auch noch nicht berauschend.

Handlungsbedarf sehe ich aktuell nicht. Mal sehen was in drei Monaten herauskommt, wenn es für den Uro heißt: “Neues Quartal, neues Glück“. Ich hoffe, davon auch etwas abzubekommen.
       
07.12.2015 0.23 07.12.15
PSA = 0,23, Testo = 5,25

Ich hab’s geahnt. PSA-Anstieg auf das 4-fache in drei Monaten. Die Krebszellen scheinen sich rasant zu vermehren. Die Infrastruktur (Blutversorgung) blieb wohl erhalten und Dank Testo 5,25 verfügen die Bösewichter auch wieder über ein üppiges Nahrungsangebot.

Nicht ohne Grund propagiert Leibowitz bei Wiederanstieg des PSA eine Doppelattacke: Leichte Chemotherapie zur Schädigung der Infrastruktur (Blutversorgung) und den „Antiangiogenen Cocktail AAC“ zur Unterdrückung von deren Neuausbau durch Bildung neuer Blutgefäße. Ich werde damit noch etwas warten, denn es besteht immer noch die Chance, daß sich bei PSA-Werten von 2 bis 4 ein Plateau bildet, d. h. Der Wert nicht weiter oder nur noch langsam ansteigt.

Also vorläufig kein Handlungsbedarf, bei weiterer Einnahme von 0,5 mg Avodart, Vitamin D3, ASS, Antorvastatin und natürlich meines leckeren Brotaufstrich „Schwarz-Rot-Gold“.

Das Training läuft im Herbst und Winter auf Erhaltungsniveau, ohne Wettkämpfe, bis auf den obligatorischen Frankfurter Silvesterlauf. Das Radeln findet dann bei ungemütlichem Winterwetter eher zu hause auf der Rolle bzw. dem Ergometer statt. Die Übertragung von Fußballspielen und Biathlon-Veranstaltungen machen das Strampeln auf der Stelle ganz erträglich.
       
11.03.2016 0.76 11.03.16
2016 PSA = 0,76, Testo = 4,53

Das PSA steigt in gleichem Tempo weiter. Leibowitz empfiehlt nicht in Panik zu verfallen. Es besteht die Chance, daß sich bei einem PSA-Wert von 3 bis 4 ein Plateau ausbildet d. h. nur noch langsamer Anstieg. Man kann das so erklären, daß die Krebskolonien den für ein weiteres Wachstum über die bestehende Infrastruktur nicht mehr ausreichend versorgt werden können. Sie müssen erst durch Bildung neuer Blutgefäße den Anschluß an das bestehende Gefäßsystem verbessern. Hier kann zum gegebenen Zeitpunkt durch antiangiogene Mittel, vorzugsweise Thalidomid gegengesteuert werden. Dafür ist aber noch Zeit, denn es wäre vermutlich kontraproduktiv in einem so frühen Stadium den Krebs für die Bildung neuer Blutgefäße zu trainieren. Also bis auf weiteres kein Handlungsbedarf und fit und unbeschwert einem schönen Sommer entgegensehen.
       
16.06.2016 2.32 16.06.16
PSA = 2,32, Testo = 4,85

Ab März ging´s gutgelaunt in die Freiluft-Saison. Längere Radausfahrten und Laufeinheiten bei angenehmen Temperaturen und ab Mitte April auch Schwimmeinheiten im Freibad bei 22 Grad Wasser und im Baggersee bei 17 Grad. Mit Neopren ist das kein Problem. Ab 1. Mai folgten schöne Erfolge bei kleineren Wettkämpfen im Bereich Radeln, Laufen und Triathlon. Das hebt die Stimmung und läßt das Jammertal des PCa vergessen.

Vergessen, oder besser gesagt verdrängt habe ich auch die zu Kenntnisnahme des Ergebnisses der PSA- und Testo-Messung. Ich wollte die euphorische Stimmung des so verheißungsvoll begonnen Sommers mit einem womöglich unerwartet schlechten Befund nicht eintrüben.
       
26.09.2016 4.16 26.09.16
PSA = 4,16, Testo = 5,05

Jetzt erst nahm ich das Ergebnis vom Juni zur Kenntnis zusammen mit den aktuellen Werten. Der Anstieg des PSA von 2,36 auf 4,16 scheint auf der eine Seite beunruhigen, auf der anderen aber auch nicht, denn die Verdopplungszeit hat sich von 0,16 Jahren auf 0,33 erhöht. Das nährt die Hoffnung, daß sich tatsächlich bei einem Wert um 5 das von Leibowitz beschriebenen Plateau ausbilden könnte.

Natürlich kann ich bei diesem Wert nicht einfach weiter den Kopf in den Sand stecken. Ich werde mich zunächst einmal in eine Diagnose-Runde begeben mit Knochen Szintigramm, PET-CT und multifunktionalem MRT. Dann folgt nach einer vorgezogenen PSA-Bestimmung eine Lagebesprechung mit dem Uro. Je nach Befund ist dann zu entscheiden, ob Handlungsbedarf besteht.

Mit dem Kopf im Sand habe ich einen wunderbaren Sommer erlebt mit schönen Erfolgen in meinem geliebten Triathlon-Sport. Nur zum geplanten ganz großen Schlag des Versuchs einer Qualifikation für den IRONMAN Hawaii war es nicht gekommen. Ich hatte mir kurz vor dem Quali-Wettkampf am Wörthersee einen Infekt zugezogen und konnte nicht an den Start gehen. Macht nix, 2017 ist ja auch noch ein Jahr. Und ich bin guter Hoffnung, einen zweiten Zyklus DHB ggf. mit Hilfe des AAC noch einmal mindesten ein Jahr hinausschieben zu können.
       
09.11.2016 6.05 09.11.16
Wegen der offensichtlich sich beschleunigenden PSA-Dynamik werde ich jetzt die Entwicklung der Werte etwas engmaschiger beobachten. Erwartungsgemäß war nach 6 Wochen das PSA weiter auf 6,5 angestiegen. Den Rückgang der Verdopplungszeit auf 0,22 Jahre nehme ich erst mal gelassen zur Kenntnis, da dieser abgeleitete Wert nicht besonders genau sein kann. Erst mal abwarten bis zur nächsten Messung. Die Diagnoserunde erbracht folgende Befunde.

PSMA-PET-CT beim DTZ, Berlin (wird dort von der TK bezahlt) zeigte 3 Lymphknoten-Metastasen Präsakral Durchmesser bis zu 18 mm, Nuklidanreicherung SUV = 25. Es handelt sich also um ziemlich große und aktive Brocken. Sonst in den Knochen und Organen wurde nichts gefunden. Sicherheitshalber Ließ ich noch ein Skelett-Szintigramm machen, den es soll ja auch Knochenmetastasen geben, die wenig oder kein PSMA exprimieren und somit beim PET-CT unentdeckt bleiben. Es ergab sich kein Anhalt für Knochenmetastasen.

Was nun? Folgend Maßnahmen standen zur Wahl:

(1) Zweiter Zyklus Hormonblockade. 1-fach, 2-fach, 3-fach oder maximal nach Leibowitz ?
(2) Operative Entfernung der LK ?
(3) Bestrahlung. Photonen (IMRT), Protonen/Schwerionen, Cyberknive ?
(4) Irreversiblen Elektroporation (IRE, NanoKnife®) ?
(5) AAC, Antiangiogener Cocktail nach Leibowitz (Thalidomid u. a.) ?
(6) PSMA-Radioligandentherapie PSMA-RLT. Mit Lutetium177, Yttrium99, Actinium-225 ?

Sämtliche lokale Maßnahmen erwiesen sich nach Konsultation der entsprechenden Spezialisten wegen der ungünstigen Lage der Metastasen zwischen Kreuzbein und Dünndarm als nicht oder nur mit hohen Risiko von Kollateralschäden durchführbar. (2), (3) und (4) schieden also aus. Abgesehen von den problematischen Lage der Metastasen erachte ich es auch als wenig sinnvoll, die sichtbaren Bösewichter lokal zu bekämpfen, denn es ist davon auszugehen, daß noch weitere im Verborgenen schlummern. Also besser gleich eine Systemische Therapie um alle möglichen Populationen in einem Aufwasch zu dezimieren.

(5) AAC könnte man mal probieren. Aber Thalidomid senkt das Niveau der Herzfrequenz. Bei meiner Ruhe-HF von 35 könnte eine weitere Absenkung zu Problemen führen und die Absenkung der maximalen Herzfrequenz wäre ungünstig für meinen Sport.

(6) PSMA-RLT erschien zunächst als die der vorliegenden Situation angemessene Maßnahme. Mit dem Betastrahler Lu177, scheinen, nach allem was man hört und liest, die Nebenwirkungen erträglich zu sein. Bedenkenswert sind halt die noch sehr spärlich vorliegenden Erfahrungen zum Langzeitverhalten.

Um die Situation schon mal im Vorfeld der Therapieentscheidung zu sondieren, konsultierte ich Dr. Bergter in der Nuklearmedizin der Uni Frankfurt. Er stellt die PSMA-RLT mit Lu177 sehr positiv dar und spricht sogar von der Möglichkeit einer kompletten Remission, wenn man nur frühzeitig mit der Therapie beginne. Allerdings wird nach der aktuellen Lehrmeinung die PSMA-RLT erst in einem weiter fortgeschrittenen Stadium empfohlen, wenn alle konventionellen Mittel versagt haben. Dieser Empfehlung, so Bergter, wird er sicher auch vom Tumorboard erhalten und man müßte dann entgegen dessen Empfehlung auf eigenes Risiko und eigene Kosten die Therapie als "individuellen Heilversuch" einstufen.

Erwartungsgemäß gab es von der Kasse keine Kostenzusage und vom Tumorboard kein grünes Licht.

(1) Also wieder mal der offiziellen Lehrmeinung und dem Rat des Uro folgen und mit einem zweiten Zyklus Hormonblockade weitermachen? Die Entmannung mit der 2- oder 3-fachen HB mache ich nur ungern, da die zu erwartende Beeinträchtigung der körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit meinen sportlichen und gesellschaftspolitischen Ambitionen zuwider läuft. In meiner Verzweiflung suchte ich den Rat der bekannte Frankfurter Onkologin Prof. Elke Jäger, selbst begeisterte Sportlerin, zeigt sie Verständnis für meine Situation und empfiehlt, zunächst einmal Bicalutamid-Monotherapie zu versuchen. Sie ist zuversichtlich, damit für die kommende Saison zumindest einen Stillstand des Metastasenwachstums erreichen zu können. Das klingt nicht schlecht.

Zunächst wollte ich erst mal noch ein paar Wochen abwarten, in der Hoffnung es könne sich doch noch das von Leibowitz propagierte „PSA-Plateau“ einstellen. Zudem möchte ich noch auf die Rückmeldungen der Kasse bezüglich der PSMA-RLT abwarten Ich sehe keinen Grund zur Panik und lasse jetzt erst mal in aller Ruhe das Weihnachtsfest kommen.
       
06.12.2016 6.83 06.12.16
Die Kontrollmessung des PSA ergibt 6,8. Die Verdopplungszeit ist wieder bei 0,42 Jahren, was meine Vermutung eines über mehrere Meßzyklen gemittelten Wertes von ca. 0,3 Jahren bestätigt. Die Tendenz einer erhofften Plateausbildung, allerdings, ist nicht zu erkennen.

Ich werde in zwei Wochen noch mal PSA messen lassen und dann entscheiden, wie es ab Neujahr weitergeht.

Um mich körperlich fit und geistig entspannt zu halten betreibe ich mein normales Winter-Regenerationstraining mit wöchentlich 4-6 Stunden Ergometer, 2-3 Stunden laufen, 1-2 Stunden schwimmen. Da ich nachts meist nach 4 Stunden Schlaf hell wach bin, und schlechte Gedanken beim Wachliegen vermeiden möchte, mache ich seit vielen Jahren schon mein Kraft- und Flexibilitätstraining im Morgengrauen, jeweils eine halbe Stunde. Anschließend lege ich mich noch mal 2 Stunden aufs Ohr, bis zum Frühstück um 9:00. Der übliche Rentner-Schlendrian eben.

Um nicht ganz und gar plan- und ziellos herum zu eiern und die Motivation fürs Training zu erhalten habe ich seit Beendigung der Wettkampfsaison Anfang Oktober zwei lockere Straßenläufe über 10 und 21 Kilometer gemacht und als nächstes steht der Frankfurter Silvesterlauf an.
       
15.12.2016 7.15 15.12.16
Die PSA-Kontrolle ergibt mit 7,15 einen weiteren Anstieg mit einer Verdopplungszeit von 0,37 Jahren.. Das ist nicht schön, aber auch nicht dramatisch.

Ich gedenke nun so langsam mit der von Prof. Jäger vorgeschlagenen Hormonblockade zu beginnen, mit 150 mg Bicalutamid plus 0,5 mg Avodart. Der Uro riet mir allerdings davon ab und meinte, es würde jetzt die zweifache HB mit der chemischen Entmannungsspritze anstehen. So stehe es in der Leitlinie und die Studienlage würde dieses Vorgehen bestätigen. Da ich mich mit Studien und Normen etwas auskenne, halte ich davon nicht viel. Für „Studien“ gilt der Satz: „Wer die Musik bezahlt, darf bestimmen, was gespielt wird." Normen und Leitlinien werden von Altherrengremien gemacht und alle paar Jahre aktualisiert. Sie hinken deswegen entsprechend dem aktuellen Kenntnisstand hinterher.

Wir einigten uns darauf zunächst einmal mit der Duo-Therapie (ohne Entmannung) zu beginnen um dann, sollte das PSA weiter oder wieder ansteigen, zusätzlich die Kastrationsspritze reinzuhauen.

Die Entscheidung ist gefallen, ab morgen gibt´s bei einem extrapolierten PSA-Wert von ca. 8 zum Frühstück nach Obst und Müsli 150 mg Bicalutamid und 0, 5 mg Avodard. Und natürlich auch meine leckere schwarz-rot-goldene Wunderpaste bestehend aus 8 Teilen Tomatenpulver, 4 Teilen Curcuma, 1 Teil schwarzer Pfeffer, angerührt mit abgekochtem Wasser und anschließend verfeinert mit 12 Teilen gutem Olivenöl. Das soll angeblich die Fernmetastasierung behindern. Das ist zwar rein postfaktisch, aber manchmal hilft auch der Glaube.

Nun freue ich mich erst mal auf ein unbeschwertes Weihnachtsfest und dann nach Streß und Völlerei auf einen erholsamen Silvesterlauf.
       
05.01.2017 0.52 05.01.17
Neues Jahr, neues Glück. Nach 4 Wochen Duo-Hormonblockade war ich gespannt auf das Resultat. Eigentlich wäre ich nach den pessimistischen Äußerungen des Uro schon zufrieden gewesen, wäre der PSA-Anstieg wenigstens zum Stillstand gekommen.

Entgegen dem Rat des Uros begann ich am 15.12. bei PSA = 8 und nachgewiesenen LK-Metastasen die Sequentieller HB mit Bicalutamid 150 mg + Avodart 0,5 mg. Ich vertraute dem Rat von Sportskameradin Prof. Elke Jäger. Mein inzwischen leider an PCA verstorbener ehemaliger Chef war in den letzten Lebensjahren bei der Frankfurter Onkologin in Behandlung und schwärmte in höchsten Tönen von ihrer umfassenden Kompetenz.

Was ich nicht zu hoffen gewagt hatte, wurde Realität. Drei Wochen nach Beginn der Hormonblockade war das PSA bei 0,5 entsprechend einer Halbwertszeit von 5 Tagen. Also zumindest rein optisch alles gut. Man weis natürlich nicht was die eigentlichen Übeltäter in den androgenunabhängigen Zellstämmen im verborgenen treiben. Ich mach mir erst mal keinen Kopf und erfreue mich meines Testosterons um dann nach einem erneuten PET-CT oder vielleicht auch Multi-MRT Weiteres zu erfahren. Nach erneuten PSA-Anstieg erst werde ich mir Gedanken zum Einsatz der Kastrationsspritze machen. Ich hab auch immer noch die Idee von einem frühzeitigen Einsatz der PSMA-RLT im Kopf und hoffe, daß sich dazu eine positive Meinung bei der Kasse und den Radio-Spezialisten entwickelt hat..
       
15.02.2017 0.06 15.02.17
PSA-Kontrolle nach 6 Wochen ergibt einen weiteren Abfall von 0,52 auf 0,06 entsprechend eine Halbwertszeit von 13 Tagen. Super ! Es könnte tatsächlich nach weiteren 6 Wochen zu einem Nadir unterhalb der Nachweisgrenze kommen.

Der Uro zeigt sich überrascht, bleibt aber weiter skeptisch. Mann sollte auf jeden Fall nach weiteren 6 Wochen, spätestens aber nach PSA-Wiederanstieg bildgebende Diagnose einsetzen, um sicher zu gehen, daß trotz niedrigem PSA die Metastasierung nicht weiter fortschreitet. Bildgebend scheint nach allem was man liest, PSMA-PET-CT in der gegebenen Situation nicht aussagekräftig bezüglich der Tumormasse. Vielleicht wäre das Multiparametrische MRT vorzuziehen. Jetzt aber erst mal keinen Kopf über ungelegte Eier machen. Die Sonne scheint, der Frühling steht vor der Tür und mit ihm ein Start in eine glanzvolle Sportsaison, für mich jetzt in der Altersklasse M80.

Das Beste hoffen und aufs Schlimmste gefaßt sein. In diesem Sinne wünsche ich allen Fortgeschrittenen ein glückliches Händchen bei den im Neuen Jahr anstehenden Therapieentscheidungen und auch sonst Glück und Wohlergehen.
       
28.04.2017 0.03 28.04.17
28.04.2017 PSA=0,03, Testo = 4,43

So erfreulich der kontinuierliche PSA-Rückgang dank Bicalutamid + Avodart ausschaut, beunruhigen mich Schmerzen im Bereich der rechten Außenhüfte mit Ausstrahlung bis zum Knie. Mir fallen mein Stiefvater, mein Halbbruder und mein gerade erst verstorbener Kollege ein, bei denen mit ähnlichen Symptomen nach monatelangen Fehldiagnosen Metastasen an der Lendenwirbelsäule in fortgeschrittenem Stadium entdeckt wurden. Alle drei verstarben nach ca. einjährigem Leidensweg. Ich setzte alle Hebel in Bewegung, die Angelegenheit abzuklären. Skelett-Szintigraphie und MRT lieferten keinen Anhalt.

Es folgten 4 schmerzhafte Wochen mit nur eigeschränktem Training. Laufen ging überhaupt nicht. Nach zwei Orthopäden und drei Radiologen erst, wurde das Problem identifiziert. Mein Orthopäde in der Arcus-Sportklinik in Pforzheim hatte die Lösung: Manuelle Triggerpunkt-Therapie. Man kann das selbst erledigen. Einfach auf dem Muskel den Triggerpunkt (Punkt maximalen Druckschmerzes) ertasten, eine Minute mit dem Daumen kräftig draufdrücken, loslassen, fertig. Tatsächlich konnte ich so, nach vier Wochen schlechter Laune und den unerfreulichen Versuchen eines geschäftstüchtigen “Orthopäden” mich mit dem Verkauf teurer IGeL-Produkte abzuzocken, in Minutenschnelle eine Spontanheilung erzielen. Ist das nicht wunderbar am ersten meteorologischen Frühlingstag?

Nun galt es den Trainingsrückstand aufzuholen. Schwimmen, radel, und moderat laufen mit langsam steigenden Umfängen führte innerhalb von 6 Wochen zwar noch nicht zur Höchstform aber immerhin zu ausreichender Fitness für die ersten beiden Events in der Saison, die ich nach dem erfreulichen PSA-Ergebnis vom 28.04 entspannt geniesen konnte, den Triathlon im Kinzigtal am 30.04. und das Jedermann-Radrennen Eschschborn-Frankfurt am 1.Mai. Die erzielten Zeiten waren nicht berauschend, jedoch reichte das Ergebnis vom Kinzigtal als Qualifikation für die Triathlon-EM im Juni in Düsseldorf.

Alles paletti, das leben ist schön.
       
27.06.2017 0.02 27.06.17
Noch immer staunt der Uro übert den PSA-Rückgang, nunmehr schon in Richtung des unmeßbaren Bereiches. Das grenzt nach PSA = 8 noch vor 6 Monaten und festgestellten Lymph-Metstasen fast schon an ein Wunder. Ob da meine zusätzlichen NEMs mithelfen? (Tomaten-Kurkuma-Pfeffer-Paste zum Frühstück, Curcumin-Kapsel abends + 4000 IE Vitamin D3 + Vitamin K2 + 3 g Vitamin C und wegen meines Cholesterins 40 mg Antorvastatin sowie sonntags 20 mg Alendronsäure gegen Osteopenie und zum vorbeugenden Schutz der Knochen)

Ich bin wieder mal obenauf und hatte beschlossen, mich diese Saison ganz auf die internationalen Meisterschaften im Triathlon zu konzentrieren. Die EM-Kurzdistanz mitte Juni in Kitzbühel, Die Sprintdistanz-EM eine Woche danach in Düsseldorf und die Kurzdistanz WM im Sptember in Rotterdam. Wegen der Nominierung für die Kurzdistanzrennen war noch eine Qualifikation erforderlich, die beim Heideseetriathlon in Forst abgeliefert wurde.

Frohen Mutes pilgerte ich zum 17. Juni nach Kitzbühel. Gute Laune beim Einchecken am Freitagabend bei 32 Grad. Nach Temperatursturz auf 11 Grad Samstag früh beim Schwimmen Atemnot und Husten. Ich hatte wohl eine latente Bronchitis zum Wettkampf mitgebracht, die infolge Streß und Belastung zu Asthmaanfällen führte. Nach viel zu langer Zeit kam ich frierend als Letzter aus dem Schwarzsee. Keine Chance auf ein Finish im Zeitlimit. Statt auf die Radstrecke gings ins Notfallzelt und von dort ins Krankenhaus nach St- Johann. Ergebnis: Lungenentzündung. Aus der Traum von Gold. Zwei Wochen Sportpause. Damit war auch die Teilnahme an der EM-Sprintdistanz in Düsseldorf geplatzt.

Jetzt ganz auf die WM in Rotterdam im September konzentrieren. Mit PSA=0,02 steht dem physisch wiepsychisch nichts im Wege.
       
31.08.2017 0.01 31.08.17
Dank sinkenden PSAs ist die Stimmung prächtig, das Training läuft wie geschmiert. Drei Wettkämpfe zur Vorbereitung auf das ultimative Ereignis im September wurden erfolgreich absolviert. Jetzt bis zum Wettkampf in Rotterdam nur keine Eintrübung der Stimmung zulassen.

Man weis ja nie, ob der PSA-Verlauf so weiter geht. Allgemein wird ja vermutet, die sequentielle HB mit Bicalutamid plus Avodard leiste der Entwicklung aggressiver Zellpopulationen Vorschub. Ich werde jedenfals erst mal wieder den Kopf in den Sand stecken und mir das Ergebnis erst nach meiner Rückkehr aus Rotterdam abholen.

Genau an meinem 80sten Geburtstag sprang ich am 17.09. zusammen mit ca. 200 Triathlon-Altertümern zwischen 60 und 85 zum Schwimmen ins 17 Grad warmen Hafenbecken „Rijnhaven“ Nicht ganz 2 Stunden später nach radeln und laufen querte ich überglücklich die Ziellinie. Dann kam allerdings eine kleine Enttäuschung: Nur Platz zwei. Leider hatte ich mir mit einer Reifenpanne und dem Zeitverlust zum Reifenwechsel den ganz großen Erfolg vermasselt. Nachdem der erste Ärger über die verpaßte Goldmedaille verflogen war, konnte ich mich auch über Silber freuen und bei der After Race Party als ältestes Mitglied mit der deutschen Nationalmannschaft feiern.

Zu hause angekommen nahm ich all meinen Mut und erkundigte mich beim Uro nach dem PSA-Wert: 0,01 ng/ml. Das Leben ist schön. Jetzt bleibt nur zu hoffen, es mögen nicht im Verborgenen Zellkulturen heranwachsen, ohne sich durch Abzusondern von PSA zu verraten, was es ja auch geben soll. Mitte Oktober folgt die nächste PSA-Messung. Dann sieht man weiter