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Personal stories

       
01.01.2018 - -
Hallo,

im April 2018 wurde bei mir ein aggressiver Prostatakrebs gefunden (T3b Gleason 4+5=9),
der anschließend mit noch kurativer Zielsetzung mit
Prostataentfernung (RPE) und adjuvanter Bestrahlung + Hormonblockade (IMRT+HB)
bekämpft wurde.

Da jedoch nach aktuellem Stand der Medizin eine vollständige Heilung noch nicht möglich ist, werde ich jetzt seit dem Januar 2019 weiter palliativ mit Hormonentzug (ADT) und seit dem Juni 2019 zusätzlich mit psychoonkologischer Therapie behandelt, damit ich vielleicht doch noch mindestens 99 Jahre alt werden kann :)
Kann ja auch sein, dass in der Zwischenzeit neue Therapien entwickelt werden.

Aktueller Status (Stand: 11. Februar 2020), Nebenwirkungen und Einschränkungen durch die Behandlungen, hauptsächlich durch die ADT (reversibel) verursacht:
- aktueller Gemütszustand:
. wenig Stimmungsschwankungen, Zuversicht,
. mehr Gelassenheit als früher, insgesamt gute Stimmung
- geistige Leistungsfähigkeit: sehr leichte Gedächtnisstörungen,
. Dauer der Konzentrationsfähigkeit vermindert um ca. 5%
- körperl. Leistungsfähigkeit: vermindert um ca. 20%
. vorh. leichte rheumatoide Arthritis wird stärker
. Achtung, Körpergewicht: will schnell steigen!
. leichte Gleichgewichtsstörungen
- Hitzewallungen: ca. 10 bis 20 pro 24h von leicht bis sehr stark,
. in der Nacht oft stark, dadurch Schlafstörungen
- Harndrang: Tagsüber normal, in der Nacht 1 bis 4 mal
. in Zusammenhang mit den Hitzewallungen
- Haut und Haar: Hautzustand mittelmäßig, Kopfhaar fast wie früher,
. Bartwuchs und weitere männliche Körperbehaarung weniger als früher
- Harn-Kontinenz: sehr leichte Belastungsinkontinenz vorhanden
- Stuhl-Kontinenz: sehr geringer Stuhlverlust (Nachwirkungen IMRT?)
- Libido (sexuelles Verlangen): sehr gering durch die ADT
- Potenz: 100% nur mit Vakuum-Erektionshilfe/Penisring, ansonsten 0%
- Geschlechtsorgane: erigierte Penisgröße so wie früher,
. Penis durch die RPE im schlaffen Zustand etwas kürzer,
. Hoden sind durch die ADT geschrumpft auf 50%
Eine umfassende Info über Nebenwirkungen durch die ADT
und Maßnahmen zur Linderung hat das BPS-Forumsmitglied
Georg_ hier veröffentlicht:
https://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?11402-Nebenwirkungen-der-Hormontherapie-und-Ma%DFnahmen-zu-ihrer-Linderung

Wenn ich mich mal kurz vorstellen darf:
- Jahrgang 1958, Größe 188 cm, Gewicht um die 82 kg
- ab 4 Jahre: allergisches Asthma, Medikation:
. Dymista Nasenspray 0-0-1, Symbicort 160/4,5 1-0-1, Salbutamol n.B.
- ab 6 Jahre: viele Allergien, Medikation nach Bedarf
- war als Kind extrem viel und lange krank, Behandlung damals:
. Penicillin und Kortison
. deswegen wahrscheinlich seit ca. 30 Jahren
. immer wieder Gelenkschmerzen (rheumatoide Arthritis)
- bin ein übersensibler Typ und bekomme leicht Panikgefühle
- bin glücklich verheiratet
. und habe 2 erwachsene liebe Kinder
- mache seit vielen Jahren regelmäßig etwas Sport, zur Zeit:
. Kräftigungsgymnastik, Schwimmen, Gleichgewichtsübungen, u.ä.
- arbeite seit vielen Jahren als Laboringenieur an einer Hochschule

Was mir hilft, mit dieser chronischen Erkrankung weiter klar zu kommen:
- meine Familie und Freunde
- meine Ärzte und Therapeuten
- Erfahrungsberichte meiner Leidensgenossen bei myProstate
. und hier besonders Ru61 mit seinen tollen Websites:
. https://meta-treff.de und
. https://alzwelt.weebly.com
- der Erfahrungsaustausch im Forum:
. https://forum.prostatakrebs-bps.de/
. im Zweifelsfall aber immer auch den eigenen Arzt fragen!

Die ersten Auswirkungen der Krebserkrankung, Monate vor der Diagnose:
- ca. 9 Monate:
. stärkerer Harndrang als sonst (vielleicht Erkältung?)
- ca. 6 Monate:
. ab und zu fühle ich leichte Stiche aus dem Prostatabereich (komisch?)
- ca. 4 Monate:
. oft ein sehr starker Harndrang (ich sollte doch mal zum Arzt gehen!)

PK-Historie (Kurzfassung):
Einheit PSA: ng/ml
16.01.18 PSA 45
25.04.18 PSA 46, Biopsie: T3b Gleason 4+5=9, rechts 4/5 links 6/6
15.05.18 _______ CT Abdomen: ohne Befund
18.05.18 _______ Skelettszintigraphie: ohne Befund
06.06.18 PSA 36
07.06.18 _______ RPE und ext. pelvine Sentinel-LAE bds., pT3b pN1(3/12)/Pn1 L1 V0 R1 - G3, Gleason 4+5=9
19.06.18 PSA 1,80
06.08.18 PSA 2.20
25.08.18 _______ Start mit Bicalutamid 150 mg, 1 Tablette/Tag
27.08.18 _______ 30.08.18 4x Bestrahlung Brust gegen Gynäkomastie
10.09.18 _______ 26.10.18 33x IMRT (30x Loge+Lymphabflusswege, zuletzt 3x Loge stärker)
29.10.18 PSA 1.85, NSE 30.9 µg/l (Norm <16.3), CgA 108 µg/l (Norm 19-102)
27.11.18 PSA 1.77, NSE+CgA wieder normal
03.12.18 _______ CT ab Hals: ohne Befund
07.01.19 PSA 1.27
15.01.19 _______ 1. Dreimonatsspritze Leupro Sandoz 5 mg
29.01.19 _______ Ende Einnahme von Bicalutamid
27.03.19 PSA 0.20
05.04.19 _______ 2. Dreimonatsspritze Leupro Sandoz 5 mg
27.06.19 PSA 0.11
03.07.19 _______ 3. Dreimonatsspritze Leupro Sandoz 5 mg
01.10.19 PSA 0.09 Testosteron 0.11 ng/ml
22.10.19 _______ 4. Dreimonatsspritze Leupro Sandoz 5 mg
13.01.20 PSA 0.18 Testosteron 0.17 ng/ml (anderes Labor!)
20.01.20 _______ 5. Dreimonatsspritze Leupro Sandoz 5 mg
14.04.20 PSA …. Testosteron ….
20.04.20 _______ 6. Dreimonatsspritze Leupro Sandoz 5 mg

PK-Historie (Langfassung)
- Nur für ausdauernde Leser!
- Nur für Leser mit Humor!
- Hier schreibe ich auch über meine Gefühle!
Mein Weg des Schreckens startet also anno 2018:
       
09.01.2018 - -
Endlich gehe ich zum Arzt (noch früher wäre besser gewesen!).
Ich gehe das erste Mal im Leben zu einem Urologen und frage nach einem Termin. Nach Schilderung meiner Beschwerden bekomme ich ganz überrascht kurzfristig einen Termin.
       
16.01.2018 45.00 16.01.18
Urologe
- Urinprobe, Blutprobe (Ergebnis erst am 23.01.)
- Prostatauntersuchung (DRU, TRUS, Sonographie Abdomen)
- keine Auffälligkeiten
- Termin zur Blasenspiegelung am 23.01.
- Auftrag: Miktionsprotokoll führen
Ich: Angst. Lese im Internet ein wenig über Blasenspiegelung, aber nicht zuviel, damit die Angst nicht noch größer wird. Zum Glück weiß ich da noch nicht, dass ein Bekannter von mir nach einer Blasenspiegelung ein halbes Jahr inkontinent war.
       
23.01.2018 45.00 16.01.18
Urologe
- Blasenspiegelung mit Urinprobe
- Besprechung Miktionsprotokoll
- Ergebnis Blut: PSA 45 ng/ml !!!
- Diagnose: Prostataentzündung
- Behandlung mit Ciprofloxacin und Tamsulosin
. zusätzlich Prostagutt und Weidenröschentee
Ich: Die Blasenspiegelung tut sehr weh, dauert aber zum Glück nicht lange. Bin beruhigt über die Diagnose und werde brav alle Medikamente nehmen. Zum Miktionsprotokoll meint der Uro noch: Ich muß ja ganz schön oft pinkeln, Nachts bis zu 5mal.
Nächste Blasenspiegelung zur Kontrolle dann am 4. April. Ich bin nicht begeistert. Werde als mutiger Indianer aber auch dies durchstehen.
       
08.02.2018 45.00 16.01.18
Hausarzt
- regulärer Gesundheitscheck (alle 2 Jahre)
- alle Blutwerte OK (PSA wurde nie bestimmt)
- Arzt ist informiert durch Urologen:
. Prostataentzündung ist ja abgeklärt
. wird gut behandelt
- Fazit: ich bin kerngesund
Ich: Super! Verlasse in blendender Stimmung die Arztpraxis.
       
13.02.2018 45.00 16.01.18
Das Tamsulosin ist aufgebraucht. Das Antibiotikum schon seit einer Woche auch. Ich nehme noch weiter brav das Protagutt und schlürfe regelmäßig den "leckeren" Weidenröschentee. Die Pinkelitis hat schon stark abgenommen. So kann es weitergehen.
       
23.02.2018 45.00 16.01.18
Die Pinkelitis hat schon wieder zugenommen, obwohl ich Prostagutt nehme und fleißig Weidenröschentee schlürfe. Frechheit! Sicher brauche ich noch mehr Medikamente, besonders dieses Tamsulosin.
Ich warte aber noch die nächste Blasenspiegelung ab.
       
04.04.2018 45.00 16.01.18
Urologe
- Blasenspiegelung mit Urinprobe
- Diagnose: im Bereich der Prostata sieht es auch nach der medikamentösen Behandlung immer noch nicht so aus, wie es sollte!
- Überweisung an die Urologie des Borromäus-Hospitals Leer zur stationären Untersuchung wegen Verdacht auf Prostatakarzinom!
Ich: denke, alles ein Irrtum und bin genervt, dass ich für mehrere Tage nur zur Untersuchung ins Krankenhaus soll. Und ich dachte noch, es gibt noch mehr Tamsulosin und alles wird gut. Eine Welt bricht für mich zusammen: Krebs!
Übrigens, beide Blasenspiegelungen, obwohl sehr unangenehm, habe ich wenigstens sehr gut ohne nachfolgende Inkontinenz vertragen. Aber darüber kann ich mich gar nicht mehr so richtig freuen. Die Angst vor dem Krankenhausaufenthalt und den Ergebnissen der Untersuchungen überwiegt.
       
25.04.2018 46.20 25.04.18
6 Tage Borromäus Hospital Leer - genaue Untersuchung wegen Verdacht auf PCa

Hier soll ich gründlich untersucht werden.

Zuerst erfolgt nach Plan EKG und Blutabnahme mit Ergebnis nach 30min: PSA 46! Ein Assistenzarzt erklärt mir, dass das ein viel zu hoher Wert ist. Bin aber nicht geschockt, weil mein Urologe das ja auch schon festgestellt hatte und nicht so viel Aufhebens davon gemacht hatte.

Es werden viele weitere Untersuchungen durchgeführt, wobei die unangenehmste die Röntgenuntersuchung der Harnröhre ist. Dabei wird mir langsam ein Kontrastmittel in die Harnröhre gespritzt, was genau so weh tut wie die Blasenspiegelung beim Uro. Ergebnis: Harnröhrenverengung im Dammbereich. Das ist auch die Ursache für meinen schon seit vielen Jahren vorhandenen relativ schwachen Urinstrahl. Entstanden ist die Verengung wohl in meiner Jugendzeit, in der ich extrem viel Rennrad gefahren bin und dabei oft harte Schläge im Dammbereich vom Fahrradsattel erlitt. Dadurch waren dann wohl durch Entzündungen Vernarbungen in der Harnröhre entstanden.

Es wird mir dringend angeraten, auch eine Biopsie der Prostata machen zu lassen. Ich überlege kurz und sage: "OK, wenn ich schon mal hier bin, dann kann das ja auch gleich gemacht werden". Aber mulmig ist mir schon dabei.

Zur Vorbereitung auf die OP erhalte ich von einem robusten Pfleger in Rekordzeit eine flotte Intimrasur, ganz ohne Zwicken und Schnittverletzung, was mich ziemlich beeindruckt. Am Abend gibt es dann noch zur Darmentleerung einen kleinen Einlauf.

Am dritten Tag dann die OP zum Glück unter Spinalanästhesie: Blasenspiegelung, Beseitigung der Harnröhrenverengung, Entnahme von Gewebeproben von Harnröhre, Blasenwand und die Biopsie der Prostata. Ich darf die OP am Zusatz-Monitor mitverfolgen und habe dabei das Gefühl, ich sehe eine interessante Fernsehsendung. Das Werkzeug, mit dem die Harnröhre durch Schlitzung erweitert wird, sieht auf dem Monitor durch die Vergrößerung wie ein Pizzaschneideroller aus. Dass das alles in meiner Harnröhre stattfindet, ist mir gar nicht richtig bewußt dank der Spinalanästhesie. Von der Biopsie höre ich nur Geräusche. Es klingt fast so wie das Schießen mit einem Luftgewehr. Ich werde während der OP vom Anästhesiepersonal genauestens beobachtet, damit wohl eingegriffen werden kann, falls ich in Panik verfalle. Ich bin aber ganz entspannt.

Nach der OP komme ich noch in den Aufwachraum, obwohl ich ja schon die ganze Zeit wach bin. Erst fühle ich mich topfit und frage mich, was ich hier wohl soll. Da wird mir plötzlich gleichzeitig übel und schwindlig. Die Aufsicht reagiert sofort, spritzt mir irgendetwas intravenös und sagt mir, ich soll gleichmäßig und tief atmen. Sofort geht es mir besser und ich weiß jetzt, warum trotz Spinalanästhesie auch noch ein Aufenthalt im Aufwachraum notwendig ist. Nach ein paar Minuten werde ich dann in mein Krankenzimmer verfrachtet.

Wieder Im Krankenzimmer genieße ich dann noch mehrere Stunden die absolute Schmerzfreiheit durch die Spinalanästhesie. So fühlt es sich auch an, wenn man querschnittsgelähmt ist. Ab dem Bauchnabel abwärts ist keinerlei Gefühl mehr vorhanden. Wenn ich meine Beine anfasse, habe ich das Gefühl, es sind die Beine von jemand anderem. Der Anästhesiearzt hatte mir im Vorgespräch diese Art der Betäubung empfohlen, weil die Schmerzbehandlung nach der OP quasi schon integriert ist. Das hat ja auch gut geklappt.

Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben, während der OP, einen Katheter bekommen und das gefällt mir gar nicht. Es handelt sich um einen dickschläuchigen 3-Wege-Spülkatheter. Zu allem Überfluss bekomme ich, nachdem die Wirkung der Spinalanästhesie nachlässt, auch noch in kurzen Zeitabständen gewaltige Erektionen, die aber gar keinen Spass machen, weil sie ganz schön schmerzhaft sind. Auf die Idee, mir Schmerzmittel geben zu lassen, komme ich Dussel gar nicht. Jede halbe Stunde wird dann auch noch ein Beutel mit 5 Liter Spüllösung durch die Blase gejagt und plätschert weiter wieder heraus in einen großen Eimer. Wenn ich die Augen schließe, denke ich, dass ich mich an einem plätschernden Gebirgsbach befinde. Dann wieder plötzlich eine Erektion. Ich muss dann schnell beide Hände auf den Penis legen, um die Schmerzen etwas abzudämpfen. Erektionen können schön sein, müssen aber nicht... Die ganze Nacht geht das so weiter. An Schlaf ist nicht zu denken. Jede halbe Stunde wird der Beutel mit der Spüllösung gewechselt und auch der Auffangeimer entleert. Endlich, am nächsten Tag gegen Mittag werde ich von dieser Dauerspülung erlöst. Auch meine Zimmergenossen freuen sich auf ruhigere Nächte ohne plätschernden Gebirgsbach und Rumgerumpel.

Der Katheter erhält einen Auffangbeutel, den ich auch selber entleeren darf. So kann ich auch mal schön duschen, muss dabei aber genau aufpassen, wo ich den Auffangbeutel hinlege, damit er nicht so am Schlauch zieht und in meiner Blase Schmerzen verursacht. Mein Stuhlgang ist noch sehr blutig, was noch von der Biopsie kommt.

Als ich mit ansehe, wie bei einem Bettgenossen von dem sehr robusten, aber einfühlsamen Pfleger der Katheter gezogen wird, bekomme ich Angst. Der Bettkollege hat keinen 3-Wege-Katheter, nur einen "normalen" mit einem viel dünneren Schlauch. Und er macht beim Ziehen Geräusche, die nicht nach einem großen Spaß klingen. Schluck, irgendwann bin ich auch dran.

Bei der Visite beäugen mich die Ärzte mit ernster Miene und sind dann auch schon wieder weg. Später kommt noch eine Urologin aus dem Team vorbei und fragt mich noch genauer aus. Als ich sie frage, ob es auch ein Mittel gegen diese schmerzhaften Spontanerektionen gibt, lächelt sie nur und sagt: "Ach, dann wissen wir ja, dass das noch gut funktioniert. Seien Sie froh darüber". Und dann ist sie auch schon wieder weg.

Dann, am vorletzten Tag ist es soweit. Zwei sehr hübsche, junge Pflegerinnen stürmen unser Zimmer, lächeln mich freundlich an und sagen zu mir: "Hallo, jetzt ziehen wir mal den Katheter, denn den brauchen Sie nicht mit nach Hause zu nehmen!" Ich verfalle in Schockstarre und denke, jetzt bloß nicht auch noch so eine Spontanerektion und werde ich diese Aktion ehrenvoll durchstehen? Die etwas Ältere der beiden sagt: "So, jetzt ganz ruhig atmen. Ein und Aus..." Dann zieht sie immer, wenn ich ausatme. Und flups, drei mal atmen und alles ist überstanden. Rein gar nichts hat mir weh getan. Ich kann gerade noch sagen: "Toll!" Dann sind die beiden Engel schon wieder weg.

Ich habe Glück. Alles funktioniert wieder normal und ich bin dicht. Der Urin ist aber noch ein bisschen blutig.

Entlassung:
Weil wir uns immer gut unterhalten haben, bitten mich meine Zimmergenossen spaßhaft, doch noch länger zu bleiben. Leider, leider geht das nicht und dann kommt schon meine Liebste, um mich abzuholen. Ich möchte doch lieber wieder nach Hause.
Ergebnisse würde ich dann später von meinem Urologen erfahren, versichert mir vorher noch ein Arzt.
       
30.04.2018 46.20 25.04.18
Urologe
- Untersuchungsergebnisse: T3b Gleason 4+5=9
- Klartext: ziemlich aggressiver Prostatakrebs!

Dabei fühlte ich mich doch immer so fit und gesund. Irgendwie habe immer noch das Gefühl, dass Alles ein Irrtum ist.

Mein Urologe empfiehlt mir die Prostataentfernung (RPE) und eine sofortige Hormonblockade mit Bicalutamid. Mit einer OP könnte ich mich schon anfreunden, aber eine Hormonblockade gefällt mir gar nicht, sage ich ihm.
Im Nachhinein, aus späterer Sicht, hätte ich vielleicht doch schon mit der Hormonblockade eher anfangen sollen.

Mir wird immer mulmiger zumute.
       
04.05.2018 46.20 25.04.18
Urologe - Notfallbesuch
- Harnverhalt!
- Nebenwirkung der Harnröhrenschlitzung im KH
Was für starke Schmerzen! Nach Ablassen von 1,7 l Urin erhalte ich einen Dauerkatheter mit Ventil, den ich bis zur Prostata-OP behalten soll. Und alle Schmerzen sind weg. Toll!
       
14.05.2018 46.20 25.04.18
Urologe: Überweisung zum CT Abdomen + Skelettszintigraphie
       
15.05.2018 46.20 25.04.18
Borromäus Hospital Leer: CT Abdomen: ohne Befund!
Vor der Untersuchung ist mir ziemlich mulmig. Zum Glück begleitet mich meine erwachsene Tochter, die mir total viel Halt gibt. Durch das gute Ergebnis fühle mich etwas erleichtert, habe aber Angst vor dem Ergebnis der nächsten Untersuchung.
       
18.05.2018 46.20 25.04.18
Borromäus Hospital Leer : Skelettszintigraphie: ohne Befund!
Vor der Untersuchung habe ich schon Panik. Zu allem Überfluss ist mein Urin jetzt auch noch mit blutigen Gewebefetzen durchsetzt! Zum Glück begleitet mich mein erwachsener Sohn, der mich vor dem nervlichen Durchdrehen bewahrt.
Nachdem ich das gute Ergebnis erfahre, fühle ich mich superglücklich und mein Urin ist zu Hause plötzlich wieder blutfrei.
       
21.05.2018 46.20 25.04.18
Urologe: gratuliert mir und ist merklich selber erleichtert, dass keine Metastasen gefunden wurden und will mir so schnell wie möglich einen Termin zur Prostata-OP in Münster, Hamburg oder Oldenburg besorgen. Bin guter Dinge und glücklich, dass ich so einen freundlichen und fürsorglichen Arzt habe.
       
29.05.2018 46.20 25.04.18
Urologe: Überweisung nach Prostatakarzinom-Zentrum OL (Klinikum Oldenburg)
       
06.06.2018 36.00 06.06.18
9 Tage Klinikum Oldenburg --- die RPE ---

Diagnose:
Prostatakarzinom T3b N1 M0 Gleason 4+5=9 rechts 4/5 links 6/6
Z.n. DK -Anlage bei Harnverhaltung.
Allergisches Asthma bronchiale (Pollen).
Z.n. Trauma Hand li 2001.
Z.n. Bandscheibenvorfall 2013 bei Gleitwirbel.
Z.n. Verkehrsunfall vor 30 Jahren mit Trauma der Wirbelsäule.
Z.n. Leistenbruch OP mit Netzeinlage links 2014.

PSA vor der OP: 36

Vorgespräch am 1. Tag:
Mir wird der Ablauf der OP erklärt und dass bei mir aufgrund des Befundes leider nicht nervschonend operiert werden kann, weil die Erektionsnerven mit großer Wahrscheinlichkeit auch schon von Tumorzellen umgeben sind.
Ich verabschiede mich innerlich von meiner natürlichen Erektionsfähigkeit und sage mir: Besser impotent und noch ein bisschen das Leben genießen als potent vielleicht schon demnächst ins Gras zu beißen.

Therapie (Auszug aus dem Arztbrief):
Radikale retropubische Prostatektomie und ext. pelvine Sentinel-LAE bds. am 07.06.2018. Antibiotische Prophylaxe mit Sultamicillin und Gentamicin.

Histologie (Auszug aus dem Arztbrief):
Es handelt sich um ein beidseitiges schlecht differenziertes Adenokarzinom der Prostata, welches beidseits extrakapsuläres Gewebe sowie beidseits das Samenblasenparenchym infiltriert. Tumoranteile sind im Bereich der 8. Scheibe rechts über eine Strecke von 2 mm randbildend.
Tumorklassifikation: pT3b pN1 (3/12)/Pn1 L1 V0 R1 – G3, Gleason 4+5=9, ca. 75% der Anschnittfläche tumorbefallen.
Empfehlung Weiterbehandlung: Strahlentherapie inkl. des Lymphabflussgebietes

Am 1. Tag: Intimrasur, eine lustige Anekdote:
Am späten Nachmittag finde ich auf meinem Beistellschrank einen kleinen elektrischen Haarschneider, der dort von einer Pflegerin, ohne dass ich es bemerkt habe, hingelegt worden ist. Als wieder eine Pflegerin in unserem Zimmer tätig ist, frage ich sie, was es damit auf sich hat. Antwort: „Damit machen sie sich eine Intimrasur. Der Nachtpfleger kommt dann später noch mal zur Kontrolle vorbei und einen kleinen Einlauf zur Darmentleerung gibt's dann auch noch.“ Okay, im Borromäus Hospital Leer war der Service da aber besser. Dort hatte ich die erforderliche Rasur ja in perfekter Form durch einen Pfleger erhalten. Nun denn, dann muss ich da wohl selber ran. Im Bad fuhrwerke ich ziemlich ungeschickt mit dem Haarschneider an mir herum. Resultat: lauter kleine blutige Wunden und stachlige Reststoppel im Schambereich. Irgendwie stimmt da nicht der Anstellwinkel oder so was. Wahrscheinlich taugt das Gerät auch nichts. Entnervt gebe ich auf und hoffe auf Korrektur durch den Nachtpfleger.
Da erscheint auch schon der Nachtpfleger: „Na, wie sieht's denn mit der Rasur aus?“ Verschämt präsentiere ich die nackten und blutigen Tatsachen. Er lacht: „ Oha! Da wollte einer die morgige OP wohl schon vorziehen, was?“ Er nimmt den Haarschneider und stellt mit ein paar flotten Strichen eine perfekte Intimrasur her. Ich stammele noch herum, dass ich nur mit Nassrasierern klarkomme. Er: „Alles gut, jetzt gibt's noch einen kleinen Einlauf.“

Am 2. Tag um 8 Uhr komme ich schon, abgefüllt mit Schmerzmitteln, zur OP. Ich betrete das Land der Narkose und erwache wieder gegen 14 Uhr im Aufwachraum. Nachdem ich realisiert habe, dass ich noch am Leben bin, merke ich, dass vom Bauchnabel bis zum kleinen Freund alles wehtut. Nach 14 Uhr dann wieder auf dem Zimmer. Als die Pflegerin mich fragt, wie stark meine Schmerzen sind auf einer Skala von 0 bis 10, sage ich mit einem schmerzverzerrtem Gesicht: 12! Ich erhalte ein Schmerzmittel, merke nach einer Stunde aber nichts davon und verlange etwas stärkeres. Zwischenzeitlich muss ich zu allem Überfluss auf noch öfters würgen und erbrechen. Meine Frau ist inzwischen auf Besuch an meinem Bett und hat schon Angst, dass mein Ende naht. Das zweite Schmerzmittel wirkt auch nicht. Also verlange ich noch was Stärkeres. Die Pflegerin bringt mir was und siehe da, es wirkt. Dann kommt noch ein Assistenzarzt und erklärt mir, dass das letzte Mittel schon mehr ein Betäubungsmittel ist, nach dessen Genuß man abhebt und glaubt, fliegen zu können, was ich ihm beschwingt bestätigen kann. Soweit also alles Roger. Die Übelkeit hat inzwischen auch wieder nachgelassen. Meine Frau kann wieder beruhigt nach Hause fahren. Zur Nachtruhe möchte ich jetzt endlich auch mal schlafen. Aber da ist schon das nächste Problem: Sobald ich meine Augen zumache, fühlt es sich an, als ob mein Bett sich zu drehen anfängt und mir wird kotzübel. Nach einigen Versuchen gebe ich auf und fordere schon wieder Hilfe an. Die Pflegerin sagt, kein Problem, auch dafür haben wir was. Ich erhalte das Mittel als Infusion, wie die anderen vorher auch, und es wirkt. Nach einer halben Stunde kann ich endlich auch die Augen zumachen und ins Land der Träume reisen.

Am 3. Tag geht es mir gefühlt schon wieder hundertmal besser. Mit der Hilfe von 2 Pflegerinnen darf ich auch einmal kurz aufstehen, bin dann aber froh, mich danach gleich wieder hinzulegen, weil mir doch alles wehtut. Am schlimmsten finde ich, dass Lachen auch so schmerzhaft ist. Ich erhalte nur Schonkost und frage mich und auch die Pflegerin, wann ich wohl mal was Großes muss. Das kann dauern, auch erst morgen oder übermorgen sein, sagt sie. Wenn es gar nicht klappt, erhalte ich schon die entsprechenden Mittel. Ich bin beruhigt und fühle mich hier ganz wohl.

An den folgenden Tagen bekomme ich viel Besuch und habe das Gefühl, ich bin auf Urlaub der besonderen Art. Die PflegerInnen und Ärzte sind alle total freundlich. Mit meinen Zimmergenossen kann ich mich toll unterhalten.
Die Krankenhausroutine geht ihren Gang und alles ist gut. Das Ziehen des Drainageschlauch tut mir ganz schön weh, geht aber ganz schnell.

Am vorletzten Tag wird mir nach der Dichtigkeitsprüfung der neuen Verbindung von Harnröhre/Blase der Katheter gezogen. Das macht der Chirurg, der mich operiert hat, höchstpersönlich selbst. Als ich ihn frage, wie es so da drinnen bei mir hinsichtlich möglicher Kontinenzprobleme ausgesehen hat, sagt er: "Ich glaube nicht, dass Sie große Probleme haben werden. Sah alles ganz gut aus. Machen Sie sich keine Sorgen." Das beruhigt mich ganz gut, obwohl mir nicht ganz klar ist, was er da eigentlich so gesehen hat. Aber ich vertraue ihm.
Nun muss ich mich schlagartig wieder selber um die Pinkelei kümmern. Große Kontinenz ist so noch nicht vorhanden. Leider ist die letzte Nacht auch noch die reinste Folter, weil ich viel trinken und alle 30 Minuten pinkeln soll, damit die neue Harnröhrenverbindung nicht überlastet wird. Ein erholsamer Schönheitsschlaf ist so nicht möglich.

Nach Betrachtung meines Penis fällt mir auf, dass er so ungefähr 2cm kürzer aussieht als früher. Na toll, denke ich. Eine Penisverkürzung hatte ich eigentlich nicht in Auftrag gegeben. Gut, ich hatte ja vorher schon mal gelesen, dass eine Verkürzung automatisch durch die Entfernung der Prostata entsteht. Aber als ich das dann so sehe, bin ich doch etwas traurig. Aber ich kann meinen Penis immer noch gut leiden. Er kann ja auch nichts dafür und ist ja auch froh, wenn sein Besitzer noch länger am Leben bleibt.

PSA nach OP: 1,80 (weiß nicht mehr genau, wann die betreffende Blutabnahme war)

Als mich der soziale Dienst besucht, frage ich nach der Anschlussheilbehandlung. Da wird mir gesagt: "Da Sie ja noch Strahlentherapie brauchen, sollten Sie das erst nach der Strahlentherapie beantragen lassen. Jetzt lohnt sich das noch nicht". Ich lasse mich davon einlullen und bin froh, dass ich bald entlassen werde.
Später habe ich dann erfahren, dass ich nach der OP auf jeden Fall Anspruch auf eine AHB gehabt hätte und nach einer Strahlentherapie zusätzlich ebenso.

Dann als meine Frau, die sich jeden Tag trotz ihrer stressigen Arbeit durch den nervigen Verkehr Emden-Oldenburg zum Besuch zu mir durchgearbeitet hatte, mich am Entlassungstag abholt, wanke ich ziemlich wacklig und bei jedem Schritt Urin in meine Vorlage verlierend, aber trotzdem glücklich, zum Auto und wir fahren glücklich wieder nach Hause.

Dass ich in einigen Monaten auch noch Strahlentherapie verpasst bekomme, verdränge ich vorerst. Und dass ich noch ziemlich inkontinent bin, ist mir auch wurscht. Dagegen gibt es tolle Vorlagen. Hauptsache, ich kann mich zu Hause schön erholen!
       
19.06.2018 1.80 14.06.18
Urologe: Überweisung nach Strahlentherapie Leer; Evtl. Antiandrogenbehandlung mit Bicalutamid; Verordnung von Physiotherapie (6x) wg. Inkontinenz und Vakuumpumpe für Training der Penis-Schwellkörper, damit sich deren Gewebe nicht irreversibel zum Nachteil verändert. Ich wurde ja ohne Schonung der Erektionsnerven operiert, sodass bei mir nur noch eine Erektion mit einem Hilfsmittel wie z.B. einer Vakuumpumpe möglich ist. Viagra und Co. funktionieren ohne die Erektionsnerven ja leider auch nicht mehr.

Außerdem erklärt er mir aufgrund meiner Nachfrage, warum PSA nach der Biopsie von 45 auf 36 gefallen war, dass die Ursachen sein können:
1. Es wurde ja PSA produzierendes Gewebe entnommen.
2. Durch die Biopsie kann das Immunsystem angeregt worden sein und auch Tumorzellen vernichtet haben.
       
26.06.2018 1.80 14.06.18
Strahlentherapie Leer: Vorbesprechung
Der sehr freundliche Strahlenarzt empfängt mich mit: "Da haben Sie ja sich wirklich einen Sch... eingefangen...!". Ich gucke etwas bedröppelt und denke, dass es mir doch eigentlich noch ganz gut geht.
Dann werde ich über den Ablauf der Therapie aufgeklärt und auch über mögliche Risiken. Alle Risiken und Nebenwirkungen auf einmal würden dann wohl für ein schnelles Ableben sorgen, finde ich. Ich leiste die erforderlichen Unterschriften und beschließe, mich genauestens an die Verhaltensregeln bezüglich Ernährung u.ä. zu halten und mich nicht weiter mit möglichen Nebenwirkungen zu beschäftigen.
       
13.07.2018 1.80 14.06.18
Antrag auf Schwerbehindertenausweis.
Feststellungsbescheid vom 03.08.2018:
Ab 13.07.2018 beträgt der Grad der Behinderung (GdB) 80.
Vorteile: weniger Steuern, 5 Urlaubstage mehr pro Jahr, 2 Jahre früherer Renteneintritt ohne Abschläge möglich, Eintrittgelder für Freizeitaktivitäten geringer,...
Nachteile: will ich gar nicht wissen :)
       
13.08.2018 2.20 06.08.18
Urologe: PSA 2,2 (Blutentnahme vom 06.08.); Verordnung weiterer Physiotherapie wegen Inkontinenz (6x)
Mein Arzt macht weiterhin Werbung für eine Antiandrogenbehandlung mit Bicalutamid. Bin aber noch nicht so begeistert wegen der möglichen die Lebensqualität mindernden Nebenwirkungen.

Ich lasse mich nicht länger krankschreiben und gehe wieder normal arbeiten, wozu ich auch wieder richtig viel Lust zu habe.
       
20.08.2018 2.20 06.08.18
Strahlentherapie Leer: Vorbesprechung Brustdrüsenbestrahlung wegen drohender Gynäkomastie als Nebenwirkung der Behandlung mit Bicalutamid; CT Brustdrüsen+Prostatabereich.

Mein Urologe hatte mich doch noch davon überzeugen können, dass ich diese Antiandrogenbehandlung mit Bicalutamid brauche.
       
25.08.2018 2.20 06.08.18
Ich fange mit der Einnahme von Bicalutamid 150 an. Laut meinem Uro sollte ich damit eigentlich schon mindestens eine Woche eher angefangen haben. Das habe ich aber nicht geschafft, weil ich zu viel Angst hatte. Aber es wäre im Nachhinein sicher besser für mich gewesen.
Schon nach einem Tag merke ich, dass meine Brustwarzen ganz empfindlich werden und etwas anschwellen. Eine weibliche Brust muss ich jetzt nicht unbedingt haben. Zum Glück erhalte ich dagegen ja auch noch Bestrahlung.
       
27.08.2018 2.20 06.08.18
Strahlentherapie Leer: Start Brustdrüsenbestrahlung (insgesamt 4x in Folge).
Ich spüre für einige Stunden nach der Behandlung nur ein leichtes Kribbeln und Spannungsgefühle der bestrahlten Haut.
       
29.08.2018 2.20 06.08.18
Hautärztin: Hautscreening, weil ich viele große Leberflecken habe: ohne Befund

Zu diesem Zeitpunkt fühle ich mich supergut und glücklich. Dass ich noch inkontinent bin stört mich gar nicht. Auch die Impotenz macht mir nichts aus. Sex ist trotzdem möglich dank Vakuumpumpe. Die Libido wird durch die Einnahme von Bicalutamid zum Glück nicht abgeschaltet.

Ich mache viel Sport, natürlich nicht so intensiv, und darf mit Spezialsattel auch schon wieder Fahrrad fahren, was für mich ein großes Stück Freheit ist.
       
10.09.2018 2.20 06.08.18
Strahlentherapie Leer: Start Bestrahlung Prostataloge und Lymphabflusswege (insgesamt 33x in Folge) – ab 21.09. krankgeschrieben bis 26.10. – am 21.09. Verordnung von Lopedium 2mg gegen Durchfall – am 11.10. Verordnung von Postericort Salbe gegen Analentzündung.

Erst kann ich noch normal arbeiten, aber so nach 10 Bestrahlungen geht es nicht mehr. Nur noch schlapp und müde. Ich krieg einfach nichts mehr auf die Reihe und brauche viel Erholung. Die Verdauung spielt ziemlich verrückt und ich fühle mich sogar schon manchmal Stuhlinkontinent. Die Harnkontinenz wird allerdings besser. Das sei aber nur eine Nebenwirkung der Strahlentherapie, erklärt mir die Strahlenärztin; die Schleimhäute der Harnröhre schwellen an und dichten dadurch besser ab. Nach der Therapie wird die Schwellung dann wieder zurückgehen und sich die vorhergehende Inkontinenz, evtl. sogar verstärkt, wieder einstellen - zu früh gefreut!

Der verstärkte Konsum meiner Lieblings-Fernsehsendung "Bares für Rares" aus der Mediathek, in liegender Position vom Sofa aus genossen, hilft mir sehr dabei, mich zu erholen.
       
26.10.2018 2.20 06.08.18
Strahlentherapie Leer: Ende Bestrahlung und Abschlussgespräch.
Fühle mich nach der Therapie zwar noch schlapp und leide an diversen Nebenwirkungen (Verdauungsprobleme, Durchfall, sich verstärkende Inkontinenz), fühle mich aber trotzdem glücklich und habe die extrem freundliche Behandlung durch das gesamte Team der Strahlentherapie Leer sehr genossen. Auch sämtliche TaxifahrerInnen waren super und wir haben tolle Gespräche geführt.

Als ich gefragt werde, ob ich noch eine Anschlussheilbehandlung haben möchte, lehne ich dankend ab.
Mental fühle ich mich super und die körperlichen Beschwerden bekomme ich auch mit Physiotherapie und entsprechender weiterer Schonkost wieder in den Griff.

Ein paar Tage später habe ich schon wieder Lust, zur Arbeit zu gehen.
       
29.10.2018 1.85 29.10.18
Urologe: Blutabnahme + Gespräch; Bicalutamid weiter einnehmen.

Ich finde, entgegen der Meinung meiner Frau, dass sich meine Brust trotz der vorsorglichen Bestrahlung doch etwas vergrößert hat. Außerdem sind die Brustwarzen hyperempfindlich geworden und verursachen Empfindungen, die zwischen Lustgefühlen und Schmerzen schwanken.
       
15.11.2018 1.85 29.10.18
Telefonat mit Urologiepraxis wegen neuem Rezept für Bicalutamid; da will mich auch noch der Urologe sprechen und eröffnet mir, dass die Blutwerte CGA und NSE, die auch Tumormarker sein können, zu hoch sind. Zur weiteren Abklärung will er mich an einen Onkologen überweisen und deutet an, dass ich vielleicht noch eine Chemotherapie brauche!
Da merke ich, wie die Panik in mir hochsteigt. Ich dachte, jetzt geht alles seinen Gang und dann sowas!
Ich habe Angst, dass eine Chemotherapie meine fragile Gesundheit endgültig zerstören wird.
       
27.11.2018 1.77 27.11.18
Onkologe: Blutabnahme, EKG, Gespräch.
Blutwerte vom 29.10.: PSA 1,85, NSE 30.9 µg/l (Norm <16.3), CgA 108 µg/l (Norm 19-102).
Auftrag vom Onkologen an die Pathologie im Krankenhaus Oldenburg: Untersuchung des bei mir rausoperierten Gewebes auf neuroendokrine Tumore, weil die erhöhten Blutwerte NSE und CGA darauf hinweisen.
Ultraschalluntersuchung mit Kontrastmittel von Bauch-, Beckenbereich, Leber, Nieren: keine Metastasen (Onkologe: "In die Lunge kann ich so nicht hineinsehen, da könnte ja noch was sein").
Überweisung an Radiologie zum CT von Kopf bis Fuß mit Konstrastmittel.

Gehe voll auf dem Zahnfleisch und fühle mich total mies. Der Arzt erscheint mir sehr kompetent, gibt mir aber das Gefühl, dass ich Weihnachten nicht mehr erleben werde.
       
03.12.2018 1.77 27.11.18
Radiologie Emden – CT vom Hals bis Becken mit Kontrastmittel

Jetzt geht der ganze Sch.... mit der Warterei auf die Ergebnisse schon wieder von vorne los. Bin total genervt und die wandelnde schlechte Laune. Meinen Chef habe ich bei einer Meinungsverschiedenheit auch schon angebrüllt. Da er meine Situation kennt, hat er es mir aber gar nicht übel genommen.
       
11.12.2018 1.77 27.11.18
Onkologe: Blutwerte vom 27.11.: PSA 1,77, NSE+CgA wieder im Normbereich!
Ergebnis Pathologie Oldenburg: Es wurde kein neuroendokriner Tumor im entnommenen Gewebe gefunden!
Ergebnis CT: Es wurden keine Metastasen gefunden!
Verordnung von mind. 7h Ausdauersport pro Woche!
Alleinige Weiterbehandlung durch Urologen mit Hormonentzug (ADT)!

Zum Glück hatte mein Sohn Zeit, mir bei dem Arztbesuch beizustehen. Sein trockener Humor hat mir sehr geholfen. Wir konnten sogar den sehr viel Pessimismus ausstrahlenden Arzt zum Lachen bringen. Und ich habe das große Glück, dass sich meine Werte wieder verbessert haben und ich vorerst keine Chemotherapie brauche. Hoffentlich überhaupt niemals!
       
20.12.2018 1.77 27.11.18
Urologe: Besprechung der Weiterbehandlung: Ab dem 15.01.19 Hormonentzug für mindestens 2 Jahre.
Ich bekomme wieder Zuversicht.
       
15.01.2019 1.27 07.01.19
Urologe - 1. Spritze Leupro Sandoz
Routineuntersuchung (DRU, TRUS, Sonographie Abdomen);
Blutwerte vom 7.01.: PSA 1,27;
Bicalutamid noch 14 Tage überlappend weiternehmen, weil nach der ersten 3-Monatsspritze der Testosteronwert erst für ein paar Tage stark ansteigt und dann erst wieder stark abfällt. Das Bicalutamid blockiert dabei solange das Testosteron, sodass noch vorhandene Tumorzellen nicht an ihr Futter rankommen.
       
25.01.2019 1.27 07.01.19
Strahlentherapie Leer – Nachsorgegespräch; Verordnung Postericort Salbe wg. Leichter Analirritationen; alleinige Weiterbehandlung durch Urologe.
Fühle mich einigermaßen gut. Die Nebenwirkungen (Hitzewallungen, Schlafstörungen, Schlappheit, Konzentrationsstörungen, juckende Hautausschläge, Lustlosigkeit,...) der Antihormontherapie nerven mich allerdings.
       
05.04.2019 0.20 27.03.19
Urologe - 2. Spritze Leupro Sandoz
Routineuntersuchung; Blutwerte vom 27.03.: PSA 0,2
       
10.04.2019 0.20 27.03.19
Harnkontinenz so gut, dass keine Vorlagen mehr benötigt werden. Fühle mich trotzdem oft nicht mehr so gut. Wenn ich nachts aufwache, habe ich oft finstere Selbstmordgedanken, die mir Angst machen. Ich rege mich auch über jeden Kleinkram auf. Bei meiner Arbeit, die mir immer viel Freude gemacht hat, verliere ich die Lust nach ein paar Stunden und habe das starke Bedürfnis dann sofort nach Hause zu gehen und mich zur Erholung auf's Sofa zu begeben...Die Nebenwirkungen der Hormonentzugsbehandlung haben es doch schon in sich. Ich bin ja praktisch Testosteronfrei, chemisch kastriert. Die Hoden sind in der Größe auf die Hälfte geschrumpft. Die Libido ist damit auch abgeschaltet.
Wenn die Behandlung in ca. 2 Jahren mal beendet werden sollte, würde die Testosteronproduktion wieder starten und die chemische Kastration wäre beendet.
Meine Liebste rät mir, bei meinem Urologen mal nach Psychotherapie zu fragen. Habe erst keine Lust. Eigentlich habe ich auf gar nichts mehr richtig Lust. Totaler Frust. Aber dann will ich es doch mal versuchen.
       
29.05.2019 0.20 27.03.19
Urologe: Untersuchung mit Ultraschall, Restharn -> 30 ml; Empfehlung, täglich eine halbe Tablette Cyproteronacetat Beta gegen die Hitzewallungen und Schlafstörungen zu nehmen (möchte ich aber nicht wegen zusätzlicher Nebenwirkungen, nachdem ich den Beipackzettel gelesen habe);
Als ich nach Psychotherapie frage, ist er begeistert und empfiehlt mir, mich zwecks Überweisung an meinen Hausarzt zu wenden.
       
03.06.2019 0.20 27.03.19
Hausarzt: Schilderung der Beschwerden; ist ebenfalls begeistert, dass mal einer von sich aus nach psychoonkologischer Therapie fragt. Habe ihm aber nicht direkt erzählt, dass die Idee von meiner Frau kommt.
Überweisung zur Psychoonkologie wegen reaktiver Depression durch Prostatakrebserkrankung
Er gibt mir auch noch eine Liste über geeignete Therapeuten mit und wünscht mir viel Glück bei der Terminsuche.
       
13.06.2019 0.20 27.03.19
Ich habe auch mal Glück und erhalte kurzfristig einen Termin, obwohl ich nur Kassenpatient bin:

Psychotherapeut - Erstgespräch
Die Dauer einer Sitzung beträgt jeweils 50 min.
Auftrag, Fragebogen zum gesamten Lebensweg, Beziehungen zu Anderen , gesundheitlichen Aspekten, etc. bis zur Kindheit zurück, auszufüllen.
Der Fragebogen ist sehr umfangreich und zwingt mich quasi, mich mit meinem ganzen bisherigen Leben auseinanderzusetzen. Während der Bearbeitung wird mir schon Einiges über meine Persönlichkeit selber klar. Nachdem ich alle Fragen beantwortet habe, habe ich das Gefühl, schon eine Therapie gemacht zu haben.
       
20.06.2019 0.20 27.03.19
Psychotherapeut - 2. Sitzung - Besprechung Fragebogen
       
25.06.2019 0.20 27.03.19
Psychotherapeut - 3. Sitzung - Besprechung Fragebogen
       
03.07.2019 0.11 27.06.19
Urologe - 3. Spritze Leupro Sandoz
Routineuntersuchung; Blutwerte vom 27.06.: PSA 0,11
       
22.07.2019 0.11 27.06.19
Die psychoonkologische Therapie hilft mir sehr gut, mit meinen depressiven Verstimmungen klarzukommen. Außerdem kann ich den Therapeuten sehr gut leiden. Auch seine liebe Hündin, die mich freundlich schnuppernd an der Eingangstür begrüßt, gefällt mir sehr.

Sexualität: Rein funktionell geht alles (stabile Erektion mit Vakuumpumpe und Stauring, Orgasmus nach ordentlich Stimulation), bloß ist durch den Hormonentzug das Verlangen nach Sex ziemlich verschwunden gekommen. Dadurch entstehen bei mir aber auch keine Frustgefühle. Es ist einfach alles sehr entspannt.
Die Penis-Schwellkörper trainiere ich weiterhin fleißig und regelmäßig nach Vorschrift. Das mache ich so regelmäßig wie das Zähneputzen und Gymnastik. So halte ich alles in Schuss. Vielleicht kann mir das ja nützlich sein, wenn die Hormonentzugsbehandlung mal beendet werden sollte :)

Zu meinem Wohlbefinden tragen meine vom Onkologen empfohlenen verstärkten Sportaktivitäten bei. Allerdings komme ich nicht auf die verordneten 7 Stunden intensiven Ausdauersport pro Woche, was ich auch für etwas übertrieben halte.
       
29.07.2019 0.11 27.06.19
Psychotherapeut - 4. Sitzung
Reden; ich fühle mich gut
       
20.08.2019 0.11 27.06.19
Psychotherapeut - 5. Sitzung
Reden; ich fühle mich gut
       
05.09.2019 0.11 27.06.19
Fühle mich gut. Mein Schlaf wird durch die Hitzewallungen aber leider immer wieder folgendermaßen unterbrochen:
- Schwitzattacke, wache auf, muss pinkeln, habe starken Durst, trinke Wasser, schlafe wieder ein -
Das geht dann pro Nacht bis zu 4mal so. Also muss ich doch schon länger im Bett verweilen, damit ich genügend Schlaf bekomme. Und ich träume seit dem Beginn der Hormonbehandlung so viel wie nie zuvor. Zum Glück kaum echte Alpträume, aber doch schon viele unheimliche Träume.
       
10.09.2019 0.11 27.06.19
Psychotherapeut - 6. Sitzung
Reden; ich fühle mich gut.

Außerdem nehme ich ab sofort aufgrund vom Empfehlungen im BPS-Forum anstelle des Granatapfel-Muttersaft das Granatapfel-Elixier und zusätzlich auch Curcuma Extrakt Kapseln zu mir.
       
01.10.2019 0.09 01.10.19
Hurra! Ab heute arbeite ich nur noch 30 Stunden die Woche anstelle von 40 Stunden.
Ich hatte 1993 das große Glück, eine angenehme, sehr abwechlungsreiche und interessante Arbeit zu ergattern. Aber auch die ist mir seit meiner Erkrankung oft zu anstrengend geworden. Nun ist meine Arbeitszeit jedoch reduziert und ich habe mehr Zeit für mich und kann mich so besser erholen. Wenn der Krebs so lange unter Kontrolle bleibt, werde ich dann in 3 Jahren vorzeitig in Rente gehen. Wenn nicht, dann geht es irgendwie anders weiter.
       
08.10.2019 0.09 01.10.19
Psychotherapeut - 7. Sitzung
Es ist wieder ein sehr angenehmes Gespräch. Bei der Begrüßung fehlt mir die Hündin. Ich erfahre, dass sie zwischenzeitlich eingeschläfert werden musste wegen einer schweren Krebserkrankung. Wie traurig!
Ich erzähle ihm u.a., dass ich seit ca. 2 Wochen wieder normal wie früher träume. Über ein Jahr wurde ich nachts vom Einschlafen bis zum Aufwachen trotz vieler Schlafunterbrechungen von chaotischen Träumen malträtiert. Das ist hoffentlich vorbei.
Ich verlasse die Praxis wieder in sehr guter Stimmung und hoffe, dass er sich wieder einen neuen Hund anschafft :)
       
22.10.2019 0.09 01.10.19
Urologe - 4. Spritze Leupro Sandoz
Routineuntersuchung; Blutwerte vom 01.10.: PSA 0.09, Testosteron 0.11 ng/ml
       
05.11.2019 0.09 01.10.19
Psychotherapeut - 8. Sitzung
Bei der Begrüßung vermisse ich wieder die Hündin. Wir reden über meine Sorgen und Ängste.
Psychotherapie wird oft unterschätzt. Sehr viele Menschen begehen Suizid aufgrund schwerer Depressionen, die gar nicht oder falsch behandelt werden. Mein Therapeut: : "Suizidrate 18%" !!!
Ich benötige zum Glück bisher keine Psychopharmaka, weil mir die Gespräche schon ausreichen.
       
03.12.2019 0.09 01.10.19
Psychotherapeut - 9. Sitzung
Wir reden über alles, was mich gerade bewegt und schwupps, sind die 50 Minuten schon wieder rum.
Ich fühle mich gut.
       
20.01.2020 0.18 13.01.20
Urologe - 5. Spritze Leupro Sandoz
Routineuntersuchung; Blutwerte vom 13.01.: PSA 0.18, Testosteron 0.17 ng/ml
PSA hat sich zum letzten Mal verdoppelt. Testosteron ist leicht gestiegen. Nicht schön, aber das Blut war diesmal von einem anderen Labor als sonst geprüft worden! Deshalb wird so weiter gemacht wie bisher.
Meine Aufgabe lautet deshalb weiterhin: Ruhe bewahren.
       
09.02.2020 0.18 13.01.20
Außerdem habe ich inzwischen den Verdacht, dass mir meine 4. Spritze, die mir nicht mein erfahrener URO, sondern eine junge Vertretungsärztin verabreicht hat, nicht korrekt verabreicht wurde. Das heißt, dass das Implantat in der Nadel steckengeblieben sein könnte und nicht in meinem Bauchfett, wo es hingehört.
In den letzten Wochen vor dem 5. Spritzentermin hatte ich nämlich das Gefühl, immer fitter zu werden und auch meine Hoden schmerzten etwas, was auf ein Wiederansteigen der Testosteronproduktion hinweisen könnte. Auch waren die Hitzewallungen schwächer geworden.
Jetzt, einige Wochen nach der 5. Spritze, die mir wieder mein erfahrener URO verabreicht hat, nehmen die Hitzewallungen wieder zu und ich fühle mich wieder schlapper.
Die Indizien weisen auf einen Spritzenfehler bei der 4. Spritze hin...
Die nächste Messung wird Genaueres zeigen...
       
11.02.2020 0.18 13.01.20
Psychotherapeut - 10. Sitzung
Reden; ich fühle mich gut und bin dankbar, dass er mir so gut hilft.
       
10.03.2020 0.18 13.01.20
Psychotherapeut - 11. Sitzung
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